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Mobilitätsmanagement: Wege zur besseren Ökobilanz

Für eine nachhaltige Fuhrparkpolitik genügt es nicht, auf Verbrauch und Emissionen zu achten. Ein tief gehendes Mobilitäts-Management schont Ressourcen, senkt Kosten und ist gut fürs Image.

Kommando zurück: Seit Längerem werben Unternehmen unter Angestellten, auf einen Teil ihres Gehaltes zu verzichten und dafür einen Dienstwagen zu fahren. Doch in Zeiten hoher Kraftstoffpreise und CO2-Steuer bekommt der Deal, von dem alle so lange profitierten, Risse. Die Firmen laufen jetzt Gefahr draufzulegen. Gerade die privat genutzten Autos verhageln mit ihren Emissionen die Umweltbilanz – ein Makel für diejenigen Betriebe, die sich auf Nachhaltigkeit (CSR) verpflichten oder die für ihre CO2-Emissionen bald Zertifikate erwerben müssen. "Mitarbeitern als Benefit einen Wagen bereitzustellen ist heute überall üblich", moniert Dieter Brübach, Mobilitätsberater beim Bundesdeutschen Arbeitskreis Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.). "Geht es aber um Gehaltsbestandteile, ist die Begrenzung auf nur einen Verkehrsträger im Sinne von Nachhaltigkeit eher kontraproduktiv."

Vorwiegend aus Kostengründen steuern nun erste Unternehmen um – und entdecken beim Sparen ihr grünes Gewissen: "Reihenweise werden SUV und großvolumige Kombis aus den Flotten verbannt", berichtet Gunter Glück, einer der Geschäftsführer von Lease Plan. Wettbewerber Gerhard Fischer, Vorstandschef von Leasetrend, bemerkt, "dass ein Downsizing hin zu kleinen Modellen beginnt". Die Fuhrpark- Dienstleister bieten zudem CO2-Reportings und Trainings für eine umweltschonendere Fahrweise, einige gar eine Art Ablasshandel, durch den Firmen für jedes Gramm CO2 in Klimaschutzprojekte investieren können. Doch diese Angebote genügen nicht. Neuer Druck droht vonseiten der Kommunen: Aachen etwa müsste, um die Schadstoff-Richtlinien der EU zu erfüllen, eine Umweltzone einrichten oder den Autoverkehr drastisch reduzieren. Trotzdem will Aachen als Einkaufsstadt für Verbraucher aus dem Umland attraktiv bleiben.

So sind die Pendler ins Visier geraten. Ihre Arbeitgeber sollen sie zum Umsteigen auf Bus und Bahn bewegen. "Eine nachhaltige Fuhrparkverwaltung", fordert Brübach, "muss heute Mobilität generell intelligenter steuern und dafür sorgen, dass Autoverkehr verlagert wird oder gar nicht erst entsteht. Das setzt aber in den Unternehmen einen Wandel von Einstellungen und Gewohnheiten voraus." B.A.U.M. hat mit der Deutschen Energie-Agentur (Dena) zwei Projekte gestartet: Bei Effizient mobil zeigen Mobilitätsberater auf, wie Unternehmen ihre Standorte besser mit dem öffentlichen Nahverkehr vernetzen, über das Intranet Fahrgemeinschaften fördern oder durch Telearbeit den Berufsverkehr eindämmen.

Das Programm Fleet hilft indes, den Fuhrpark zu optimieren: durch die gezielte Modellauswahl, durch neue Antriebe, aber auch durch gezielte Verlagerung von Verkehr. Eine Mischung aus beiden Strategien soll den Fuhrpark nachhaltig machen – und dabei auch noch Kosten senken: "Der Charme des Mobilitätsmanagements ist, dass man nicht nur ökologische Vorstellungen, sondern handfeste Sparpotenziale realisiert", wirbt Projektleiter Stefan Haendschke von der Dena.

Doch auch wenn sie sparen und nachhaltig arbeiten wollen – Unternehmer und Fuhrparkmanager machen meist die Rechnung ohne die Fahrer: "Im Fuhrpark werden nur die Kosten fürs Auto und für den Verbrauch betrachtet, nicht aber die Personalkosten", gibt Michael Schramek, Mitgründer des Beratungsunternehmens Eco Libro zu bedenken. "So landen Unternehmer und Angestellte immer beim Auto oder Flugzeug, weil diese etwas schneller sind. Werden aber Personalkosten für Fahrtzeiten mitberechnet, gewinnt die Bahn den Vergleich." Zumindest, wenn der Mitarbeiter nur mit kleinem Gepäck und nicht aufs flache Land hinaus reisen muss. Im Zug kann man planen, lesen, arbeiten – und sitzt nicht unproduktiv am Steuer.

Mit Hilfe eigener webbasierter Planungstools macht Schramek in Unternehmen bewusst, wie häufig Flottenfahrzeuge ungenutzt herumstehen oder wie Außendienstler ihre Kunden billiger und effizienter als im Auto erreichen. Richtiges Rechnen rückt andere Mobilitätsservices ins Blickfeld: Carsharing etwa hilft, die Zahl der Dienstwagen zu reduzieren. Selbst Fahrräder können den klassischen Fuhrpark ergänzen. Die Mitarbeiter der Hypo Vereinsbank etwa strampeln umweltschonend und kostengünstig durch den Münchener Stadtverkehr, wo kostenlose Parkplätze Mangelware sind.

Bahncards, Jobtickets, Kindergartenplätze, Laptop oder Handys kommen gerade bei jüngeren Fachkräften als Incentives heute oft besser an als der Dienstwagen. "Fahrverhalten ist eine Frage der Einstellung und Information", sagt Schramek. "Wer Carsharing nie ausprobiert hat, zieht es als Alternative nie ins Kalkül." Praktische Erfahrungen widersprechen Vorurteilen: So unbequem und unpünktlich wie von vielen Autofahrern angenommen, sind Bahn und Bus nicht. "Unternehmen, die personenbezogene Dienstwagen ausgeben, verhindern den Mobilitätsmix und können nicht viel mit Mobilitätsmanagement ausrichten", warnt Schramek. Firmen verlieren seiner Meinung nach dadurch die Kontrolle über Fahrverhalten und Kosten.

"Wir können den wirtschaftlichen Verkehr kaum hinterfragen, aber die private Nutzung von Dienstwagen", bestätigt Lease Plan-Chef Glück. "98 Prozent der Flottenbetreiber wissen gar nicht, was sie für die Privatnutzung ausgeben." Die pauschale Abrechnung von Tankkarten und Fahrzeugnutzung verstellt den Blick auf die Fahrleistung und führt zu Ungerechtigkeit. Wer den Dienstwagen exzessiv nutzt, sich jedes Wochenende ausgedehnte Freizeittrips gönnt, hat mehr Vorteile als derjenige, der diesen stehen lässt. Wenn Mitarbeiter bei der Bestellung eines neuen Firmenwagens ihre geschätzte Fahrleistung angeben, können viele Unternehmen nicht einschätzen oder kontrollieren, wie hoch davon der private Anteil ist. Lease Plan arbeitet deshalb an neuen Kontrollsystemen, mit denen Firmen die Privatnutzung der Mitarbeiter prüfen können.

Auf diese Art will sich das Unternehmen mittelfristig auch in Deutschland als Mobilitätsdienstleister anbieten. In den Niederlanden organisiert Lease Plan nicht nur Flotten, sondern auch die Buchungen von Fahrten mit Bahn und Bus. Der Dienstwagen habe zwar nicht ausgedient, meint Glück, "aber in Zukunft werden Unternehmen die einzelnen Verkehrsmittel viel intensiver einbeziehen in ihre Planung und häufiger auf das Auto verzichten".

Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen setzen bereits auf nachhaltiges Fuhrparkmanagement. Vier Beispiele zeigen die Bandbreite an Strategien.

Hypo Vereinsbank: Nachhaltig mobil mit Hybridautos und E-Rädern

Die Hypo Vereinsbank lässt ihr CSR-Engagement extern bewerten. Folge für den Fuhrpark: Unter den 2.300 Dienst- und 300 Poolwagen finden sich 23 Hybridfahrzeuge und ein E-Auto. Zudem rollen 15 Dienstfahrräder durch München, weitere sind für Nürnberg und Hamburg geplant. Sukzessive wurde der CO2-Ausstoß der Poolautos auf aktuell 100 Gramm limitiert. Wer einen Dienstwagen fährt, bezahlt eine verbrauchsabhängige Leasinggebühr und kann seit 2008 Modelle mit alternativen Antrieben wählen. Trainings, interne Wettbewerbe und Online-Fahrtipps motivieren Mitarbeiter zum Spritsparen, das Intranet bringt sie für Mitfahrgelegenheiten auch bei Dienstfahrten zusammen. Die Dienstwagenregelung wird durch strikte Reiseregeln ergänzt: Für Strecken unter 500 Kilometer ist nur die Bahn erlaubt, Flüge sind nur im Ausnahmefall möglich, Taxi- und Autofahrten in der Stadt unerwünscht. Dafür gibt's Jobtickets und Räder.

Sieda Software: Reisekosten senken, Zufriedenheit steigern

Sieda Software entwickelt Programme zur Personalplanung. Kein Wunder, dass die Chefs der Software-Schmiede aus Kaiserslautern bei Reisen auf Effizienz achten. "Unsere 35 Mitarbeiter sollen möglichst die Bahn nutzen", meint Prokurist Alexander Wilms. "Das schont die Umwelt, außerdem können sie dabei arbeiten oder entspannen." Alle Mitarbeiter haben Bahncards und Jobtickets, doch ohne Dienstwagen geht es nicht: Die sieben Autos wurden strikt nach Verbrauchswerten ausgesucht. Trainings und ein Spritspar-Wettbewerb sensibilisieren zum sparsamen Einsatz. Damit der Wagen auch stehen bleiben kann, setzen die Software-Spezialisten auf Videound Telefonkonferenzen sowie Telearbeit. 2009 wurden so 80 Reisetage eingespart. "Telearbeit steigert die Produktivität", sagt Wilms.

Weleda: Bis 2012 nur 108 g CO2

"Unser Geschäft ist die Natur, 90 Prozent unserer Rohstoffe sind pflanzliches Material", sagt Holger Biller, Nachhaltigkeitsmanager beim Kosmetikhersteller Weleda. "Daher verfolgen wir auch ökologische Ziele." Im Fuhrpark wurden vor fünf Jahren die ersten Fahrtrainings organisiert und die Modellpalette auf die Sparsamsten von drei Marken reduziert. Bis 2012 soll so der CO2-Ausstoß der 110 Fahrzeuge auf 108 Gramm pro Kilometer sinken. "Wir diskutieren ein Bonus-Malus- System für die Auswahl", so Biller. Wer sich für ein sparsames Auto entscheidet, wird belohnt, und wer in den nächsten Monaten umsteigt auf Bus und Bahn, kann auf mehr Belohnung hoffen: "Wir wollen den Berufsverkehr reduzieren", sagt Biller.

Datev: Neue Antriebe, neue Anreize

Der Gasbus wurde wieder ausgemustert, ein Toyota Prius läuft gerade im Test: 700 Autos betreibt der IT-Dienstleister Datev und testet immer wieder Autos mit alternativen Antrieben. Was sich im täglichen Einsatz bewährt, schafft es auf die Liste der Flotte. Strikte Vorgaben zum Spritverbrauch und zum CO2-Ausstoß prägen die Modellpalette des IT-Dienstleisters. Auf sieben Liter soll der Verbrauch sinken. Damit Mitarbeiter sparsamere Modelle wählen, wurde ein Bonussystem eingeführt: Es belegt den Spritfresser mit höheren Selbstkosten. "Unser Anreizsystem zielt auf den offiziellen Verbrauchswert", meint Wolfgang Zdral. "Leider hat noch niemand ein Gasauto bestellt, vielleicht, weil das Tankstellennetz löchrig ist." Der Fuhrpark muss also weiter testen.

Datum

16. Dezember 2010
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