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Foto: Ford

Assistenzsysteme im Transporter: Teuer erkaufte Sicherheit

Auch Transporter sind mittlerweile mit der ganzen Armada an Assistenzsystemen der Pkw lieferbar. Der Sicherheitsgewinn ist unumstritten, doch rechnen sich die Systeme auch sonst?

Der Volkswagen Konzern zeigt mit der neuen Generation des Crafter, wie viel Sicherheitstechnik aus dem Pkw bereits in den Transporter gewandert ist. Neben adaptiven Tempomaten und Parkpiepsern sorgen bei Transportern nun auch Head-up-Displays sowie Spurhalteassistenten, Totwinkelwarner oder vollautomatische Park­assis­ten­ten für einen wesentlichen Sicherheits- und Komfortgewinn.

Das steigende Angebot hat zwei Ursprünge: Zum einen forcieren die Hersteller ihre Gleichteilestrategie. Denn viele Transporter sind baugleich auch als Kombi-Varianten zu haben. Also mit mehreren Sitzreihen als Shuttle-Van oder Familien-Bus. Auf dem Pkw-Markt gehören Sicherheits- und Assistenzsysteme schon längst in die Ausstattungsprospekte, daher ist es ein leichtes Spiel, diese auch für Transporter anzubieten. Zum anderen wollen Marken wie Mercedes oder Volkswagen ihre zum Teil höheren Preise im hart umkämpften Transporter-Markt mit Sicherheitsfeatures rechtfertigen

Doch noch sind viele Flottenmanager zurückhaltend bei der Bestellung. Nicht jeder Assistent macht schließlich auch für jeden Einsatz gleich viel Sinn. Eine Rückfahrkamera für Kuriere, die in der engen Stadt viel rangieren müssen etwa. Oder der Abstandstempomat für Langstreckenfahrer. Die umfangreichen elektronischen Systeme erfordern zudem kostenintensive Entwicklungsarbeit seitens der Hersteller sowie nicht minder teure Sensorik. Entsprechend großzügig lässt sich beispielsweise der Grundpreis eines VW Crafter in der kleinsten Ausführung und Einstiegsmotorisierung mit allen verfügbaren Sicherheits- und Assistenzsystemen von 23.878 Euro netto um fast 30 Prozent steigern. Nicht immer gilt jedoch der Grundsatz, dass sich teure Anschaffungspreise auch im Weiterverkauf niederschlagen

Zoom Sprinter - Erprobung: Totwinkel-Assistent Foto: Daimler AG
Totwinkelwarner: Im verblechten Kastenwagen ist der tote Winkel eine Gefahrenzone.

Keine Auswirkungen auf den Restwert

Gerade hinsichtlich des Kostenaspektes entpuppen sich Assistenzsysteme also im Transportersegment als zweischneidiges Schwert. "Bislang wirken sich die Assistenzsysteme nicht auf die Restwerte aus", sagt Morvarid Talaei-Außenhof, Pressesprecherin von Schwacke. "Wir haben bisher noch nicht festgestellt, dass gebrauchte Transporter mit diesen Systemen an Bord gezielt gesucht werden."

Sollten in Zukunft allerdings immer mehr Transporter mit Assistenzsystemen auf den Gebrauchtmarkt kommen, dann dürfte sich das ändern. "Mittelfristig könnte es wohl so sein, dass sich über die Anzahl der Standtage auch Differenzen in den Restwerten ergeben werden. Nämlich dann, wenn potenzielle Käufer Transportern mit Assistenzsystemen gegenüber denen ohne den Vorzug geben. Allerdings werden dann die Unterschiede in den Restwerten nicht so gravierend sein", so Talaei-Außenhof. Schließlich sei der Nutzfahrzeugmarkt ein preissensibler Markt. Dabei ist laut Schwacke auch zu berücksichtigen, ob der Gesetzgeber oder Versicherungsunternehmen ihre Vorgaben anpassen.

Wenig Akzeptanz bei Versicherungen

Zumindest seitens der Versicherer zeichnet sich hier mittelfristig nur wenig Dynamik ab. "Die Kfz-Versicherungsbeiträge werden durch die Ausstattung des Fahrzeugs, zum Beispiel das Vorhandensein von Fahrerassistenzsystemen, nicht direkt beeinflusst", sagt Karin Benning, Pressesprecherin bei HUK Coburg. Diese Punkte werden zudem bei einem neuen Versicherungsvertrag gar nicht erfasst. Es gebe zur Zeit noch keine statistisch validen Informationen, inwieweit Sicherheitssysteme den Transportermarkt bereits durchdringen. "Aktuell erfolgt bei uns keine Berücksichtigung bei der Tarifierung der Beiträge", so Benning.

Zoom Assistenzsysteme im Transporter Foto: Daimler AG
Rückfahrkamera: Per Zusatzlinse behält der Fahrer auch den Anhänger im Blick.

HUK Coburg unterscheidet dennoch zwischen verschiedenen Arten von Assistenzsystemen. Dabei geht es vorrangig um die Gruppe der Parkassistenzsysteme wie beispielsweise Einparkhilfen oder Rückfahrkameras. Die zweite Gruppe stellen Sicherheitsassistenzsysteme wie Spurhalteassistenten oder Notbremssysteme dar. "Dadurch kann die Schadenhäufigkeit sinken, der Schadenbedarf jedoch steigen", sagt Benning. Grund hierfür seien teure Sensoren, die im Schadenfall den Preis für eine neue Stoßstange wesentlich verteuern.

Hinzu kommt, dass Autofahrer sich mit neuartigen Sicherheitssystemen oftmals etwas zu sicher fühlen. Entsprechende Erfahrungen hat HUK bereits in der Vergangenheit gesammelt. "Vor einigen Jahren gewährten wir einen Nachlass, wenn das Fahrzeug mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgerüstet war. Allerdings war dieser Nachlass nicht gerechtfertigt. Es trat ein gegenteiliger Effekt ein, da sich die Fahrer darauf verlassen haben und die Schadenkosten anstiegen. Dieser ist deshalb wieder entfallen", sagt Benning. Diesen "Nachlass im Voraus« gibt es daher nicht mehr.

Einzig bereits serienmäßige Ausstattung wirkt sich aktuell auf die Versicherungseinstufung des Fahrzeugs aus. "Das Typklassenverzeichnis listet die auf dem Markt befindlichen Fahrzeugtypen mit ihren zugehörigen Daten auf und enthält die Typklassen für die Kraftfahrzeughaftpflicht- und die Fahrzeugversicherung. Ist ein Fahrzeug zum Beispiel serienmäßig mit Assistenzsystemen ausgestattet, ist dies dann bereits berücksichtigt." Wer also heute schon in aufpreispflichtige Sicherheitssysteme investiert, muss sich gewiss sein, dass sich die Extrakosten rein pekuniär noch nicht rechnen. Alleine der Sicherheitsgewinn sollte es Flottenmanagern aber schon wert sein.

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Datum

25. Mai 2017
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