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Autonomes Fahren: Daimler blickt ins Jahr 2030

Was fängt der Fahrer bloß mit der freien Zeit an, wenn die Autos erst einmal autonom fahren? Wie das Auto 2030 zum Büro wird, darüber denken die Mercedes-Entwickler mitten im Silicon Valley nach.

Wenn der Leiter Autonomes Fahren eines Automobilherstellers während der Fahrt die Hände vom Lenkrad nimmt, ist das ja schon fast nichts Besonderes mehr, so sehr haben Entwicklungen von Mercedes, BMW, Audi und Volvo in der letzten Zeit für Aufmerksamkeit gesorgt. Im IT-Zentrum Silicon Valley ist eine weitere Evolutionsstufe täglich auf Erprobungsfahrt.

Die S-Klasse, die rund um das Forschungs- und Entwicklungszentrum von Mercedes unterwegs ist, hält selbstständig an der Ampel, biegt bei grün ab, fädelt sich auf die Autobahn ein oder weicht einem Hindernis aus – ohne, dass der Fahrer eingreift. Mit einer Datenrate von mehreren Gigabyte während der viertelstündigen Testfahrt erkennt das Auto dank diverser Kameras, Radarsensoren und GPS die Spur oder andere Fahrzeuge, die eine potenzielle Gefahr darstellen könnten.

Voll-autonom funktionieren nur programmierte Strecken

Das klappt meistens ganz gut, von gänzlich autonomem Fahren ist es aber nicht zuletzt deshalb noch entfernt, weil die Strecken zuerst angelernt, heißt, vorher einprogrammiert werden müssen. Als ein Pick-up der S-Klasse frech die Vorfahrt nimmt, tritt der Leiter Autonomes Fahren, Axel Gern, dann doch selbst die Bremse. Er will lieber nichts riskieren. Wehe dem, der als erster mit einem autonomen Fahrzeug einen Unfall baut. Gefahrensituationen testet das Team auf einem abgesperrten Testgelände der Navy im Südwesten der USA.

Dass die Autos in nicht mehr ganz so ferner Zukunft autonom fahren werden, dem mögen viele Autofahrer skeptisch gegenüber stehen. Hier im Silicon Valley ist man gedanklich bereits einen Schritt weiter, nämlich bei der Frage: Wenn der Fahrer nicht mehr fahren muss, was fängt er dann mit der freien Zeit an?

Was tun, solange das Auto im Stau steht?

Schon jetzt verbringen die Amerikaner jede Menge Zeit in ihrem Auto. Zum einen, weil sie es lieben, selbst zu fahren, zum anderen, weil öffentliche Verkehrsmittel in den Suburbs, also den Vororten der großen Städte, in denen viele Amerikaner leben und die weiter wachsen werden, rar sind. Rund 23.500 Kilometer legt ein durchschnittlicher US-Autofahrer pro Jahr zurück, so die Zahlen mit denen Mercedes rechnet, mehr als doppelt so viel wie ein deutscher Fahrer.

Wie der Verkehr in dicht bevölkerten Regionen künftig aussehen wird,  können die Mercedes-Entwickler, die im Valley arbeiten, schon jetzt nachvollziehen. Die Freeways der Metropolregion um San José und San Francisco sind nicht nur zur Rushhour proppenvoll.

Daimler zeichnet Lounge-Möbel in die S-Klasse von morgen

Hier spielt das Fahrzeug der Zukunft bekanntlich seine Stärken aus, in dem es autonom durch den für den Fahrer nervenaufreibenden Stop-and-Go-Verkehr steuert. Für die Passagiere wird der Innenraum dann zum Rückzugsort: Vier gegenüber stehende Lounge-Sessel und ein Tisch bilden das stylische Interieur, das sich die Designer für einen Oberklasse-Mercedes im Jahr 2030 vorstellen.

Interieur-Designchef Hartmut Sinkwitz glaubt, dass man dann "im Auto als Raum entspannt, als ob man schon zu Hause wäre." Holt man die Kinder von der Schule ab, verbringt man mit ihnen im Auto Qualitätszeit, während man im Stau steht. Oder sieht auf einem der großen Bildschirme einen Film, um sich auf dem Weg von der Arbeit nach Hause zu entspannen. Oder kann auf dem Weg ins Büro schon einmal etwas wegarbeiten, wenn es in der Rushhour wieder länger dauert.

Der Fahrer blickt nach hinten - bisher nur im Simulator

Eine umfassende Vernetzung des Fahrzeugs macht dies zusammen mit einem neuen Interieur-Konzept möglich, das Mercedes zur Consumer-Electronics-Messe Anfang kommenden Jahres vorstellen will. Mit einem Auto, wie wir es bis jetzt kennen, hat das Konzept für eine Luxus-Limousine wenig zu tun. Und das nicht nur, weil sich die beiden Vordersitze gegen die Fahrtrichtung drehen lassen.

Vor allem ist jede Menge Raum um die vier Designer-Sessel. Türverkleidungen verschmelzen mit Bildschirmen, die sich zum Beispiel per Gestensteuerung bedienen lassen. Von einem "nie dagewesenen Minimalismus" spricht Sinkwitz. "Wir gehen davon aus, dass Ruhe und Raum in Zukunft begehrenswerte Güter sein werden."

Bis jetzt kann man sich die Idee der Forscher nur virtuell in 3D ansehen, eine Möglichkeit der Gestensteuerung vermittelt das Gefühl, wie es in 16 Jahren sein könnte, die Musik umzuschalten oder den Sessel entgegen der Fahrtrichtung zu drehen, während das Auto weiter vorwärts fährt. Vor allem Letzteres ist heute noch ein wirklich sehr komisches Gefühl.

Autor

Foto

Daimler

Datum

19. November 2014
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