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Autonomes Fahren, Elektromobilität und mehr

Wie Honda wieder nach Erfolg strebt

Honda galt einst als der BMW unter den japanischen Marken. Jetzt will der Hersteller mit einer Produkt- und Technologieoffensive verlorenes Terrain zurückerobern.

"Immer noch ein komisches Gefühl, nicht?", schmunzelt Ingenieurin Inouki. Der Honda Legend, der wie alle Versuchsträger auf dem Weg zum vollautomatisierten Fahren mit Kameras, Radar und laserbasierter Lidar-Sensorik gespickt ist, fährt selbständig auf der Teststrecke, er blinkt, überholt und bremst bis zum Stillstand, wenn ein Stau erkannt wird. Ein Rütteln des Sicherheitsgurts signalisiert dem untätigen Fahrer vor der Abfahrt, das nun wieder menschliche Hände ins Lenkrad greifen sollten. Wie die Mehrheit der Autohersteller arbeitet auch Honda am "Next Big Thing" und will seinen Kunden ab 2020 die Möglichkeit geben, sich zumindest auf Autobahnen vom Fahrzeug lenken zu lassen. Ab 2025 will man auch zunehmend komplexen Stadtverkehr bewältigen. Was Honda auf der Versuchsstrecke beim Entwicklungszentrum in Utsunomiya, rund hundert Kilometer nördlich von Tokio zeigte, illustriert zwar den augenblicklichen Stand der Technologie. Doch für den japanischen Hersteller geht es um noch viel mehr. Nach Jahren der Stagnation will man endlich wieder mit Innovationen und attraktiven Modellen punkten.

Dabei hatte das Unternehmen schon 1999 mit dem Insight fast zeitgleich zum Toyota Prius einen Hybrid entwickelt und hatte schon lange vorher Versuche mit batterieelektrischem und Wasserstoffantrieb unternommen. Diese Vorreiterrolle will sich Takahiro Hachigo mit dem Konzept 2030 Vision zurückholen. Für den Ingenieur, der seit 2015 als Präsident und CEO die Geschicke Hondas lenkt, bedeutet das Modelle, die für die verschiedenen Märkte maßgeschneidert werden, die Weiterentwicklung von Autos mit einem Mix der alternativen Antriebe und intensive Forschung im Bereich Künstliche Intelligenz (AI), einem wesentlichen Baustein auf dem Weg zu einer komplett autonomen Mobilität. Um im japanischen Bild zu bleiben: Wie ein Teppanyaki-Koch muss Hachigo nun vor einem erwartungsvollen Publikum die traditionsreichen japanischen Messer schwingen, um präzise und schnell mit vielen Zutaten attraktive, frische Gerichte zu präsentieren.

Zu diesen Zutaten, die Hondas Ingenieure in Utsunomiya in Aussicht stellten, zählt beispielsweise ein neuer Hybridmotor mit der Bezeichnung i-MMD (Intelligent Multi Mode Drive), der aus einem 2,0-Liter-Vierzylinder und zwei Elektromotoren sowie einer 11 kWh-Lithium-Ionen-Batterie besteht. Anders als zum Beispiel beim Prius oder beim Hyundai Ioniq kommt der i-MMD ganz ohne Getriebe aus. Dessen Funktionen werden von den drei Motoren übernommen. Das neuartige leichte und effiziente System soll laut Honda 215 PS leisten und über 315 Nm Drehmoment verfügen.

Bei einer kurzen Testfahrt mit einem im Van Odyssey montierten Prototypen überzeugte der i-MMD mit geradezu sportlich nahtlosen Übergängen zwischen Elektroantrieb und Verbrenner und einer bemerkenswert rapiden Rekuperation aus der Bremsenergie. In der Serie dürfte er auch leiser werden. Fest steht, dass dieser Hybrid 2018 in Europa und damit natürlich auch in Deutschland debütieren wird. Zwar schweigt Honda, aber man darf vermuten, dass die Premiere in der neuen Generation des SUV CR-V im nächsten Jahr stattfinden könnte. Parallel dazu zeigten die Entwickler auch eine neue Plattform, die sich mit strömungseffizienten Leichtbaukomponenten ebenfalls für kleinere Baureihen mit alternativen Antrieben eignen würde.

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Bis 2025 sollen zwei Drittel aller neuen Honda elektrisch fahren

Nach Hachigos Plänen sollen bis 2025 Zweidrittel aller in Europa verkauften Autos über einen Elektroantrieb verfügen. Kern dieser Offensive ist eine erst kürzlich von Honda gegründete eigene Forschungsabteilung im Entwicklungszentrum in Utsunomiya. Schon 2018 will man ein Batterieauto für China produzieren. Selbst Toyota, das viele Jahre eher auf die Hybrid-Technologie setzte, verantwortet nun ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum für elektrische Mobilität.

Dabei besitzt Honda schon heute mit dem Clarity ein Alleinstellungsmerkmal. Nach der geräumigen und durchaus elegant geschnittenen Limousine wird man in Deutschland aber noch vergeblich suchen. Das Besondere: Sie wird als Wasserstoffmodell, als Plug-in-Hybrid mit einem 1,5-Liter-Motor und als reines Elektromodell, dass mit dem CCS-Ladesystem in 30 Minuten auf 80 Prozent geladen werden kann, angeboten. In der Fuel Cell-Variante werden wohl nur vier Stück ihren Weg nach Skandinavien finden, denn sowohl in Norwegen als auch in Dänemark werden mit dem EU-Förderprogramm Hy-Five wesentlich mehr Wasserstofftankstellen errichtet. Ein Netzausbau, der hierzulande wegen geringsten Stückzahlen vorerst zögerlich vorangeht. Dieser Clarity, der wie seine elektrischen Geschwister das Vergnügen eines unmittelbar anstehenden Drehmoments bietet, soll mit über 650 Kilometern die Reichweite des neuen Konkurrenten Toyota Mirai um gut 200 Kilometer übertreffen.

Offen für Partnerschaften

Unter CEO Hachigos anscheinend eng getakteter Offensive öffnet sich das Unternehmen auch stärker als einst für Partnerschaften. Wohl, weil man erkannt hat, dass man die Herausforderungen nicht mehr in Eigenregie stemmen kann. Erst in diesem Jahr, erzählt er, hat man mit HGX ein eigenes Innovationslabor in Tokio statt im Silicon Valley gegründet, dass sich japanischen Kernkompetenzen wie AI und Robotik widmen wird und über Hondas Xcelerator-Programm von Start-ups und externen Unternehmen profitieren will. Nun besitzt Honda bereits mit Asimo einen der fortschrittlichsten Roboter überhaupt, aber er bekommt künstliche Intelligenz-Konkurrenz durch neue Allianzen mit den AI-Spezialisten Softbank und Yamaha. Zugleich kooperiert Honda jetzt im Bereich autonomes Fahren in den USA mit Googles Waymo und arbeitet im Bereich Wasserstoffantrieb mit General Motors zusammen. Mit Hitachi will man ein Joint Venture für E-Autos gründen.

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Datum

16. Juni 2017
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