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Bridging IT: Elektroautos für den Außendienst

Klaus Baumgärtner, Geschäftsführer der Beratungsfirma Bridging IT, setzt in der Flotte bereits 15 E-Autos ein – auch im Außendienst. Das Konzept könnte für andere Firmen interessant sein.

Bridging IT betreibt nach eigenen Angaben die derzeit bundesweit größte Elektro-Dienstwagenflotte im Langstreckenbereich. Seit April umfasst die Flotte elf Tesla Model S. Im Schnitt legen die Fahrer rund 35.000 Kilometer pro Jahr zurück. Nun will das Bera­tungsunternehmen andere Flottenbetreiber mit seinem Know-how bei der Einführung von Elektromobilität unterstützen.

FIRMENAUTO: Anstatt auf politische und wirtschaftliche Veränderungen
zu warten, haben Sie Fakten geschaffen. Was ist Ihre Motivation? 
Klaus Baumgärtner: Wir wollen beweisen, dass es möglich ist, Elektromobilität in Fuhrparks umzusetzen – nicht nur als Poolfahrzeuge für Stadtfahrten oder Werkverkehre. Wir wollen mit gutem ­Beispiel vorangehen und andere Unternehmen ermutigen, diesen Schritt zu machen. Wenn es nur nach den Total Cost of ­Ownership ginge, wäre die Elektromobi­lität in Flotten schon längst Geschichte.


Lohnt sich der Aufwand?

Auch wenn E-Autos auf den ersten Blick unwirtschaftlich und viel zu teuer erscheinen, zahlen sie sich langfristig durch positive Effekte wie Nachhaltigkeit, Image, Marketingeffekte und Mitarbeiter­motivation aus.

Wo lauern die größten Gefahren?

Der Umstieg auf Elektromobilität muss gut vorbereitet sein. Sonst endet das ­Ganze für den Dienstwagenfahrer mit großem Frust. Die Fahrer müssen auch über die Nachteile aufgeklärt werden. Außerdem verlangen E-Autos ­veränderte Prozesse und müssen entsprechend ins Fuhrparkmanagement integriert werden. Das fängt beim Umtauschen von Tank- zur Ladekarte an und reicht bis zur Errichtung der persönlichen Ladeinfrastruktur. Gleichzeitig ändert sich damit die Rolle des Fuhrparkmanagers, er wird mehr und mehr zum Mobilitätsmanager.

Warum fährt Bridging IT ausschließlich den Tesla Model S?

Wir haben auch andere Modelle wie den BMW i3 im Dauerbetrieb – also länger als zwölf Monate – getestet, doch letztlich erfüllt derzeit nur der Tesla Model S alle Anforderungen an ein Langstreckenfahrzeug in dieser Kategorie. Schließlich fahren unsere Mitarbeiter im Schnitt rund 35.000 Kilometer pro Jahr. Nur der Tesla erreicht mit mehr als 300 Kilometern vernünftige Reichweiten für den Einsatz im Außendienst. Derzeit gibt es alternativ keine voll elektrischen Modelle.

Um Pro Jahr 35.000 Kilometer elektrisch zu fahren, müssen Mitarbeiter ihr Mobilitätsverhalten ändern

Eignen sich alle Mitarbeiter als E-Autofahrer?

Nein, bei Weitem nicht. Klar ist, dass der Fahrer sein Mobilitätsverhalten ändern muss. Das ist nicht für jeden möglich. Ein Elektroauto ist mehr als nur ein anderer Dienstwagen, der Umstieg sollte begleitet und der Fahrer vor der Entscheidung über die Veränderungen in seiner persönlichen Mobilität informiert und aufgeklärt werden. Deshalb sollte das Unternehmen im Vorfeld genau überlegen, wie die Entscheidung ausfällt. Es müssen Menschen sein, die bereit sind, sich mit allen Konsequenzen auf das Thema auch einzulassen. Sonst ist es mit der anfänglicher Faszination schnell vorbei.

Wie lässt sich das am besten verhindern?

Zuerst sollten die emotionalen Aspekte klar sein. Ist der Fahrer überhaupt für
E-Mobilität bereit? Dazu muss der Fuhrparkleiter nicht nur die Vorzüge anpreisen, sondern auch genau über mögliche Einschränkungen informieren. Etwa, dass man auch mal im Anzug ein dreckiges Ladekabel in den Kofferraum verfrachten muss oder man einfach keine freie und funktionierende Ladestation findet. Um hier die optimalen Kandidaten zu finden, müssen die Verantwort­lichen sehr genau hinschauen. Wir haben dafür einen speziellen Fragekatalog entwickelt, mit dem man jeden Fahrer individuell einstufen kann.

Dann kommen Sie als Beratungsunternehmen ins Spiel?

Genau, wir unterstützen interessierte Unternehmen bei der Einführung von Elektromobilität. Unser großer Vorteil ist die praxisnahe Umsetzung. Schließlich wissen wir als einziges Beratungsunternehmen, wovon wir sprechen, können auf unsere Erfahrungen aufbauen und diese weitergeben.

Und das funktioniert?

In vielen Unternehmen wird die Entscheidung für Elektromobilität ohne ausreichendes Fundament getroffen, das führt häufig zu Wut und Ärger. Immerhin binden sich die Mitarbeiter im Schnitt drei Jahre an ihren neuen Dienstwagen, außerdem müssen sie den rund 85.000 Euro teuren Wagen nach der Ein-Prozent-Regel versteuern. Das reißt ein großes Loch in die Kasse. Da kommt es auf ­Details an. Etwa ob die Firma einen Teil der Mehrkosten übernimmt. Das Auto soll ja im Sinne der Gehaltsumwandlung einen Mehrwert für den Mitarbeiter haben und ihn motivieren

Elektromobilität im Fokus

Das IT-Beratungsunternehmen Bridging IT wurde 2008 gegründet. Derzeit arbeiten mehr als 300 Mitarbeiter an den Standorten Mannheim, Karlsruhe, Frankfurt, Stuttgart, Köln, München und Zug (Schweiz). Zur Zielgruppe gehören Unternehmen des gehobenen Mittelstands und Großkunden. Bridging IT unterstützt seine Kunden bei der Umsetzung von Unternehmensstrategien und dem Einsatz moderner Technologien. Der Dienstleister arbeitet nach eigenen Angaben herstellerunabhängig und versteht sich als Full-Service-Provider. Derzeit hat Bridging IT rund 140 Dienstwagen im Einsatz, davon 15 Elektrofahrzeuge.

Klaus Baumgärtner

Klaus Baumgärtner (46) ist Geschäftsführer der Bridging IT GmbH und verantwortet in dieser Funktion die Geschäftsbereiche Unternehmensentwicklung, Kommunikation und CSR. Seine beruflichen Wurzeln liegen im schwäbischen Maschinenbau. Nach seinem Informatikstudium sammelte er in renommierten Unternehmen branchenübergreifende Beratungs- und Managementerfahrung. Baumgärtner wohnt zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Ellerstadt (Rheinland-Pfalz).

Autor

Foto

Karl-Heinz Augustin

Datum

21. Mai 2015
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