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Car-to-X: Vernetzte Autos warnen vor Gefahren

Firmenwagen können bald andere Fahrzeuge vor Gefahren warnen. Flotten sparen mit der neuen Car-to-X-Technik sogar Sprit.

Sprechen die Hersteller von vernetzten Fahrzeugen, geht es meist um Verkehrsinformationen oder Entertainment-Inhalte aus dem Internet oder anderen Quellen. Klar, Staumeldungen und andere aktuelle Informationen sind sinnvoll und hilfreich. Doch die dafür ausgelegten Systeme reagieren nicht schnell genug, wenn sich zum Beispiel wenige hundert Meter vor dem eigenen Fahrzeug ein Unfall ereignet.

Deshalb entwickelt die Autobranche Car-to-X, die direkte Kommunikation zwischen Autos. Der Buchstabe X soll andeuten, dass es verschiedene Gegenstellen für diese Kommunikation gibt: andere Autos oder auch Sende-/Empfangseinheiten, die ihrerseits mit einer Verkehrsleitzentrale verbunden sind.

Feldversuch in 41.000 Stunden

Im Rahmen eines 70 Millionen Euro teuren Tests hat die deutsche Autoindustrie zusammen mit Zulieferern und Forschungsinstituten zwei Jahre erforscht, ob und wie Car-to-X funktioniert. 120 Autos sowie drei Motorräder waren für das Forschungs- und Entwicklungsprojekt SIMTD (Sichere und Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland) vor allem auf Straßen im Rhein-Main-Gebiet unterwegs. Insgesamt wurden während des Feldversuchs mehr als 41.000 Stunden und über 1.650.000 Fahrkilometer in den Fahrzeugen absolviert.

Die drahtlos vernetzten Autos können um Ecken und durch Hindernisse wie vorausfahrende Lastwagen "hindurchsehen". Sie warnen ihren Fahrer vor Baustellen, Staus, einem weiter vorne auf der eigenen Spur vollbremsenden Fahrzeug, verlorener Ladung, Seitenwind oder Glatteis. Liegen gebliebene Autos, Feuerwehrfahrzeuge oder Krankenwagen im Einsatz und auch Geisterfahrer kündigt das System dem Fahrer an, lang bevor er sie sieht oder hört. Ebenso können freie Parkplätze oder die optimale Geschwindigkeit zum Mitschwimmen in einer grünen Welle ins Cockpit gemeldet werden. Dabei konzentriert sich die Technik auf den reinen Informationsaspekt. Sie schreibt dem Fahrer keine Reaktion vor und ist zumindest bisher auch nicht mit Assistenzsystemen vernetzt.

Das Auto kann ums Eck schauen

Mit den Ergebnissen sind die Projekt­beteiligten überaus zufrieden: "In einem der weltweit größten Feldversuche wurde die Alltagstauglichkeit der Car-to-X-Kommunikation nachgewiesen", sagt Dr. Christian Weiß, Projektkoordinator und Teamleiter bei Daimler. Der Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktur könne Sicherheit, Komfort und Effizienz im Straßenverkehr erhöhen. "Autos mit der Car-to-X-Technologie haben ein größeres Sichtfeld als herkömmliche Fahrzeuge. Der vergrößerte telematische Horizont bringt einen enormen Mehrwert, für Privatkunden wie auch für die öffentliche Hand."

Erste positive Effekte auf das gesamte Verkehrssystem zeigen sich bereits, wenn rund fünf Prozent der Fahrzeuge mit Car-to-X-Systemen ausgerüstet sind – das entspräche in Deutschland rund zwei Millionen Autos. Da jährlich rund drei Millionen Neufahrzeuge verkauft werden, ließe sich laut den Projektbeteiligten eine ausreichende Marktdurchdringung schon nach wenigen Jahren erreichen. Firmenwagen mit ihren hohen Kilometerleistungen tragen dann entscheidend zur allgemeinen Sicherheit bei.

Investitionen zahlen sich aus

Das dürfte sich auch wirtschaftlich lohnen. "Für jeden Euro, den die Kunden und die Gesellschaft in die Technologie investieren, erhalten wir mehr als acht Euro als volkswirtschaftlichen Nutzen zurück", sagt Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer des Herstellerverbands VDA. "Die Fahrerbefragung im Feldversuch zeigt ganz klar den Wunsch der Fahrer, solche Funktionen zu nutzen."

Die Hersteller wollen das System deshalb so schnell wie möglich einführen. Das gilt auch für die dafür benötigte Infrastruktur: Ab 2015 soll im Rahmen einer öffentlich-privaten Kooperation ein auf Car-to-X basierendes Baustellen-Warnsystem im Korridor Rotterdam–Frankfurt/Main–Wien realisiert werden.

Mittelfristig kann die Technik darüber hinaus auch zum Spritsparen beitragen: Wenn die Fahrer weniger bremsen und beschleunigen müssen, weil der Verkehr gleichmäßiger fließt, sinkt damit auch der Kraftstoffverbrauch signifikant. Ampelschaltungen könnten auf Anzahl und Typ der gerade passierenden Fahrzeuge Rücksicht nehmen. "Wenn ein großer Lastwagen auf eine Ampel zufährt, würde das System die Grünphase verlängern, weil Bremsen und Anfahren zu viel Kohlendioxid verursachen", erläutert Continental-Chef Elmar Degenhart das Konzept. Auf diese Weise würde Car-to-X nicht nur mehr Sicherheit liefern, sondern helfen, wertvolle Ressourcen zu ­sparen und den Schadstoffausstoß zu senken – ein weiteres Argument für eine ­rasche Einführung.

So funktioniert die Technik

Die für das System eingesetzte Funktechnologie baut auf dem bekannten WLAN-Standard auf. Jedes SIMTD-Fahrzeug nutzt seine fahrzeugeigenen Sensoren, um zum Beispiel einen Stau zu erkennen.

Diese Informationen sendet das Fahrzeug sowohl an andere SIMTD-Fahrzeuge als auch an Stationen am Straßenrand. Sie leiten die Daten über das UMTS-Mobilfunknetz an eine Zentralstation weiter. Von dort kann sie nach Bedarf zu anderen Stationen und somit wieder an andere Autos außerhalb des direkten Kommunikationsradius des ursprünglichen Absender-Fahrzeugs weitergeleitet werden.

Das Fahrzeug braucht dazu nur eine kleine Platine mit der Sende-/Empfangstechnik. Dieser spezielle Car-to-X-Chip ist an den Fahrzeug-Datenbus angeschlossen, der die Verbindung zu den vorhandenen Fahrzeugsystemen wie Sensoren und Informations-Display(s) herstellt.

Autor

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BMW

Datum

30. Oktober 2013
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