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Foto: Dada Lin

CVO Fuhrpark-Barometer 2017: So ticken Europas Flottenmanager

Dieselgate, Flottenfinanzierung, Wachstumsprognosen: Arval befragte fürs Corporate Vehicle Observatory 3.600 Flottenmanager, wie sich die Fuhrparkbranche entwickelt. Fazit: Die Lage wird europaweit doch recht unterschiedlich eingeschätzt.

Im Januar und Februar 2017 ließ Arval Deutschland wieder Fuhrparkmanager aus zwölf europäischen Ländern plus der Türkei für das „CVO Fuhrpark-Barometer 2017“ befragen. Unter den 3.632 Befragten waren auch 300 Flottenmanager aus Deutschland. Ob gerade die Deutschen im August noch auf alle Fragen genauso geantwortet hätten wie zu Beginn des Jahres, darüber kann man natürlich nur spekulieren. Doch vermutlich wären einige Antworten anders ausgefallen. Der Dieselskandal zieht vor allem in Deutschland immer größere Kreise. Mittlerweile drohen nicht nur Fahrverbote für Dieselfahrzeuge, einige Städte haben sie bereits beschlossen. Wer jetzt also in neue Firmenfahrzeuge investiert, wird sich sehr genau überlegen, auf welche Antriebsart er noch setzen kann.

Anfang des Jahres allerdings beeindruckte Dieselgate die deutschen Fuhrparkmanager eher wenig. Das Gros (83 Prozent) gab an, dass sich dadurch keine Konsequenzen auf ihre Dienstwagenpolitik im Hinblick auf neue Modelle oder selbst gesetzte CO2-Grenzwerte ergeben. Die europäischen Kollegen  waren sogar noch entspannter (89 Prozent). Einzig deutsche Unternehmen, die mehr als 50 Fahrzeuge im Einsatz haben, waren schon etwas skeptischer (73 Prozent), welche Auswirkungen der Abgasskandal auf ihre Einkaufsstrategie haben könnte.

Wachsen Firmenflotten weiter? In Deutschland eher nicht

Schaut man sich aber den aktuellen Fuhrpark-Report im Detail an, erkennt man an manchen Stellen: Viele Flottenentscheider sind verunsichert. Beim Thema Fuhrparkwachstumspotenzial etwa. „In diesem Jahr sind die deutschen Unternehmer bei der Einschätzung vorsichtiger als ihre europäischen Kollegen“, sagt Katharina Schmidt, Head of Consulting & Corporate Vehicle Observatory bei Arval. Zwar sagen acht Prozent der deutschen Unternehmensvertreter, dass die Gesamtzahl der Fahrzeuge ihrer Firmenfuhrparks in den nächsten drei Jahren zunehmen werde. Doch immerhin sechs Prozent sagen auch, dass sich der Fuhrpark verkleinere. Daraus ergibt sich zwar immer noch ein Saldo von plus zwei, bei den europäischen Kollegen beträgt dieser Saldo aber plus elf Prozent. Und auch die Deutschen selbst waren 2015 (plus 8 Prozent) und 2014 (plus 6 Prozent) schon einmal deutlich zuversichtlicher.

Zoom CVO Fuhrpark-barometer 2017 Haltedauer Wachstum Fuhrpark Foto: CVO
Deutschlands Flottenmanagers sind etwas skeptischer als ihre europäischen Kollegen, wachs das Wachstumspotenzial ihrer Fuhrparks angeht.

Vor allem Unternehmen mit 100 bis 1.000 Mitarbeitern schauen pessimistisch in die Zukunft: Dort sind mehr Verantwortliche überzeigt, dass ihr Fuhrpark eher abnehmen wird als zunehmen (minus 4 Prozent). Laut Katharina Schmidt reagieren die Unternehmen allgemein so verhalten, weil ihre Erwartungen immer auch an die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts gekoppelt seien. Und Fakt sei, dass das BIP in Deutschland eher auf niedrigem Niveau wächst. Die Sprecherin des CVO in Deutschland vermutet aber auch: Betriebe warten eher etwas ab, da sie noch durch Dieselgate verunsichert sind und die Entwicklung neuer Technologien gerade rasant voranschreitet.

Deutsche öffnen sich für neue Techniken

Auch in Sachen Nutzung neuer und alternativer Antriebstechnologien sind deutsche Fuhrparkmanager nach wie vor skeptischer als ihre europäischen Kollegen. „Allerdings wächst die Akzeptanz im deutschen Markt für Alternativen zum klassischen Verbrennungsmotor“, sagt Schmidt. Auch hier zeige sich, dass größere Unternehmen neuen Technologien offener gegenüber stehen als kleinere. Jedes dritte größere Unternehmen setzt schon in der Praxis auf Hybridtechnologien, Elektromobilität, Gast- und Brennstoffzellenantrieb. Bis in drei Jahren wird dies fast jedes zweite Unternehmen tun.

Vorreiter in der Nutzung neuer Technologien und Energien sind die Niederlande, Großbritannien und Italien. Die Niederlande wohl deshalb, weil hohe Spritpreise und Steuern die TCO treiben. Deshalb sind sie immer auf der Suche nach günstigeren Alternativen. Großbritannien versüßt den Umstieg auf neue Energien und Technologien durch zahlreiche Förderprogramme und Subventionen. Und in Italien sehen viele Unternehmen gerade die Elektromobilität als hohen Imagefaktor. „Dass Deutschland vor Portugal und Tschechien den drittletzten Platz bei der Nutzung neuer und alternativer Antriebstechnologien belegt, ist wohl auch auf die mangelnde finanzielle Förderung von Seiten des Staates zurückzuführen“, glaubt Katharina Schmidt. Allerdings lohne sich hier ein genauer Blick in den Förderdschungel. Es gebe mehr Förderquellen, als man auf einen ersten flüchtigen Blick erkennt (zum Beispiel Ökobonus und Steuerprivileg).

Zoom CVO Fuhrpark-barometer 2017 Telematik Foto: CVO
Telematik? Schon, aber bitte nur ein bisschen...In den Flotten deutscher Unternehmen öffnet man sich nur langsam den neuen Techniken.

Als Leasinggesellschaft und Auftraggeber der Studie hat Arval natürlich ein Interesse daran zu erfahren, wie Flottenmanager ihre Dienstwagen finanzieren. Deshalb findet sich auch in diesem Jahr ein solches Kapitel im CVO-Fuhrparkbarometer. Fast die Hälfte der Befragten bevorzugen Leasing mit Kilometervertrag. Denn dann trägt der Leasinggeber das Vermarktungsrisiko. Dass Leasing mit Kilometervertrag an Bedeutung gewinnt, dürfte sicherlich auch an der Abgasaffäre liegen. Denn Firmen, die ihre Fahrzeuge kaufen, müssen sie später selbst im Markt unterbringen. Doch momentan ist kaum absehbar, wie sich die Restwerte für Diesel mittel- bis langfristig entwickeln werden. Auch deshalb Leasingverträge mit Restwertklauseln für die wenigsten Unternehmen eine Option. Denn auch da muss der Leasingnehmer eventuelle Mindererlöse ausgleichen.

Deutschlands Flottenbetreiber bevorzugen jedenfalls Leasing mit Kilometervertrag, wenn sie Firmenwagen anschaffen (47 Prozent), gefolgt vom Kauf (30 Prozent), Leasing mit Restwertvertrag (17 Prozent) und dem Autokredit (6 Prozent). Unsere Flottenmanager beschreiten ganz offensichtlich einen anderen Weg als ihre europäischen Kollegen. Nur 28 Prozent setzen auf Leasing mit Kilometervertrag. „Mit steigender Mitarbeiterzahl und wachsender Fuhrparkgröße wächst aber auch in Europa die Bereitschaft, auf Kilometerverträge umzusteigen“, freut sich die CVO-Sprecherin.

Zoom CVO, Fuhrpark-barometer, 2017, Dieselaffäre Foto: CVO
Die Mehrheit derv Flottenmanager deutscher Unternehmen glaubte zum Zeitpunkt der Umfrage (Anfang 2017) nicht, dass Dieselgate weitere Auswirkungen auf ihr Unternehmen hat. Das könnte sich mittlerweile geändert haben.

Unabhängig vom Dieselgate sieht Katharina Schmidt indes viel Arbeit auf deutsche Flottenmanager zukommen. Schließlich wird im September das neue Prüfverfahren für den Kraftstoffverbrauch von Pkw eingeführt. Das WorldwideHarmonized Light-Duty Vehicles Test Procedere, kurz WLTP, ersetzt das vielfach kritisierte NEFZ-Verfahren (Neuer Europäischer Fahrzyklus). Der WLTP soll deutlich realitätsnaher sein, denn er berücksichtigt bei der Berechnung des Verbrauchs auch Sonderausstattungen wie Räder- und Reifengrößen oder das tatsächliche Gewicht des Fahrzeugs.

Da im WLTP auch mehr Langstrecken erfasst werden und realistischere Beschleunigungen abgebildet werden, werden die gemessen Verbrauchswerte wohl höher ausfallen als im NEFZ. „Auf Flotten wird die Umstellung sicherlich größere Auswirkungen haben als das Thema Dieselgate“, sagt Schmidt. Und nicht nur Leasinggesellschaften werden sich auf einen größeren beratungsbedarf einstellen müssen. Schließlich kann der WLTP eine Neuausrichtung einer CO2-Basierten Car Policy erfordern. Wie die Unternehmen das Thema angegangen sind, wird man dann wohl im Fuhrparkbarometer 2018 lesen können.

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1. August 2017
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