Delphi MyFi Zoom

Delphi MyFi: Die schöne neue Autowelt

Die Autohersteller stehen vor einer Herausforderung: Facebook, Mails, MP3-Streaming - viele Kunden wollen in ihrem Fahrzeug nutzen, was sie von ihrem Smartphone oder Tablet-Computer her kennen. Doch eine Fahrt auf der Bundesstraße ist eigentlich der denkbar schlechteste Platz zum Surfen auf der Datenautobahn. Der US-Zulieferer Delphi hat nun ein System entwickelt, das nichts weniger als revolutionär sein soll.

Jeff Owens weiß, wovon Autofahrer so träumen: „In Nordamerika haben inzwischen 70 Prozent aller Neuwagenkäufer ein Smartphone – und wünschen sich, dass die Möglichkeiten dieser Geräte im automobilen Umfeld nutzbar sind“, sagt der Senior Vice President und Technologiechef des Autozulieferer-Riesen Delphi.

Owens weiß allerdings auch: Traum und Wirklichkeit prallen oft hart aufeinander. Sehr hart. Während der Fahrt auf dem iPhone eine SMS zu schreiben, dass ist laut einer Studie 23mal gefährlicher als das Telefonieren mit Freisprechanlage. Die Unfallgefahr der Generation Smartphone steigt darum rasant. Denn das Auto kann nicht einfach mit einer Saugnapfhalterung an der Windschutzscheibe zum iPhone auf Rädern werden. Delphi entwickelt darum für Autohersteller wie Chevrolet, Opel oder Buick Systeme, um die neue Computerwelt des always-online in das Autofahren zu integrieren. Der Grundsatz: Fahren soll komplexer werden – aber nicht komplizierter. Und sicherer sollen diese Entwicklungen das Autofahren der Zukunft auch machen.

Ein hoher Anspruch, aber Owens Team hat Produkte in der Pipeline, die schon bald das Autoerlebnis neu definieren sollen. Zum Beispiel wird der Gebrauchtwagen nicht mehr länger ein Auto mit älterer Technik sein.

Altes Auto – Neues App

Die ständige Verbindung zum Internet macht es möglich: Fahrer können bei einem Prototypen bereits den Bildschirm, der die Instrumente ihres Fahrzeugs anzeigt, von zu Hause aus konfigurieren. Etwa, um die Lieblings-Musik zwischen Auto, iPod und heimischer Stereoanlage auszutauschen oder den Bildschirm im Fahrzeug mit einem anderen Hintergrund und besser lesbaren Zeichen exakt an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Es ist zudem möglich, für verschiedene Fahrer individuelle Konfigurationen abzulegen. Auch die gewohnten Apps vom Handy – zum Beispiel für Facebook oder die Wettervorhersage – lassen sich so ans Auto anpassen. Selbst dann, wenn das Fahrzeug schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

Delphi richtet dazu ein App-Portal ein, das die Inhalte verschiedenster Content-Lieferanten umfassen kann. Die Inhalte können direkt ins Fahrzeug geladen werden. Das liefert auch den Herstellern neue Möglichkeiten, ihre Autos ständig zu verbessern. Da die Kunden den Umgang mit Apps von ihrem Smartphone oder Tablet-Computer her kennen, nutzen die Delphi-Ingenieure dies aber auch für andere Dinge.

Wartung vom Wohnzimmersofa

Durch den neutralen Service im Internet können die Hersteller auf dieser Plattform Fahrprofile, Verkehrs- und Nutzungsdaten analysieren; das macht es viel passgenauer als bisher möglich, neue Online-Services wie eine gezielte Kundenansprache oder den nächsten Werkstattbesuch zu planen. Aber auch der Fahrer selbst kann durch die permanente Online-Verbindung per Tablet oder Smartphone von jedem Ort der Welt aus Checks an seinem Fahrzeug durchführen: zum Beispiel den Reifendruck oder den Zustand von Motor und Bremsen.

Auf dem bequemen Sofa im Wohnzimmer schaut sich die Familie aber auch gern einen brandneuen Hollywood-Film an – ärgerlich, wenn dabei die Zeit vergessen wird und die Fahrt zum Wochenend-Besuch bei der Oma ansteht. Wann werden die Kinder den Film zu Ende sehen können? Delphis Antwort: Sofort.

Wolke aus Filmen und Musik

Denn die Daten solcher Filme können bald schon aus der sogenannten „Cloud“, der Daten-Wolke im Netz, direkt ins Auto geladen werden. Viele Menschen nutzen die Cloud längst – zum Beispiel, um Facebook- oder Mail-Konten im Internet zu führen und von verschiedenen Geräten darauf zuzugreifen. Neue Übertragungstechniken wie das superschnelle Mobilfunknetz LTE bringen diese Datenmassen aber jetzt auch ohne Problem ins fahrende Auto. Der Film etwa kann dort also nahtlos weitergeschaut werden (per Streaming).

Unter der Produktbezeichnung „MyFi“ bietet Delphi den Herstellern dazu viele Lösungen an, „um mehr Inhalte zu unterstützen – mit weniger Ablenkung für den Fahrer“, so Owens. Sobald die Technik flächendeckend verfügbar ist, werden solche Dienste Realität. Und das ist nur eine Frage von Monaten. Schon jetzt bietet Delphi verschiedene Wege, um Content von außen in die Autos zu bringen. Das fängt beim simplen USB-Stick an, der ins Grundig-Radio des Herstellers eingestöpselt wird, und reicht bis zur permanenten Verbindung mit dem Internet über ein Smartphone oder eine Connectivity Box mit fest eingebauter SIM-Karte.

Um das Autofahren zu bereichern, haben die Entwickler auch Lösungen entwickelt, bei  denen der Fahrer gerade ganz woanders sein kann. Bald wird es etwa möglich sein, zwei Dinge zu tun, die bisher nicht gleichzeitig möglich sind.

Shoppen und gleichzeitig Auftanken

Wer sein elektrisch angetriebenes Fahrzeug im Parkhaus des Shoppingcenters abstellt, kann schon bald gleichzeitig die Akkus aufladen – ohne ein Kabel anschließen zu müssen. Der Fahrer stellt sein Auto lediglich direkt über einem Symbol ab, das das unsichtbar im Boden eingelassene Ladegerät anzeigt. Die Batterien werden dann wie von Zauberhand wieder vollgeladen. Das funktioniert nach der Art der elektrischen Zahnbürste: induktiv. Delphi setzt dabei auf schnell wechselnde Magnetfelder, die Energie über eine deutlich größere Distanz als bisher übertragen können. Diese magnetischen Wechselfelder sind inzwischen wesentlich unempfindlicher gegenüber Positionsabweichungen. Das heißt, ein Automobil muss nicht exakt auf einer definierten Position parken, um die maximale Energieübertragungsrate auszulösen. 

Das dicke Stromkabel könnte also schon bald nicht mehr notwendig sein, um Elektroautos oder Plug-in-Hybride aufzuladen – aber auch im Auto selbst soll Delphis induktive Technik aufräumen.

Kampf dem Kabelsalat

„Ob Navigationsgeräte, Handys oder Computer – wir hängen an unseren elektronischen Geräten“, weiß Stefaan Vandevelde, Präsident des Delphi Bordnetzbereiches. Aber das induktive Laden haben seine Ingenieure jetzt so perfektioniert, dass all diese Geräte nicht mehr dauernd per Kabel aufgeladen werden müssen. Stattdessen nutzt das Delphi-System von unsichtbar eingebauten Energiequellen erzeugte Magnetfelder im Inneren des Fahrzeugs. Sie versorgen die vorhandenen Geräte effizient und komfortabel automatisch mit Strom. Delphi testet das System bereits und will damit rechtzeitig zum Modelljahr 2014 den Kabel-Wirrwarr in unseren Autos aufräumen.

Autofahren könnte also künftig deutlich erlebnisreicher, produktiver und kommunikativer werden. Aber damit steigt auch die Gefahr, dass der Fahrer abgelenkt wird. Delphi arbeitet daher auch daran, dem Fahrer neuartige Assistenzsysteme zur Seite zu stellen. 

Stopp dem Sekundenschlaf

Jugal Vijayvargiya kennt die Abgründe der neuen Unterhaltungswelt an Bord; der General Director der Geschäftseinheit Delphi Infotainment & Driver Interface arbeitet darum an „Infotainment-Lösungen, die das Fahrvergnügen verbessern und gleichzeitig auch für mehr Sicherheit für Fahrer und Passagiere sorgen.” Diese Entwicklungen sind wohl die lebenswichtigsten für das Fahren der Zukunft. Bestimmte Funktionen im Infotainment schalten sich zum Beispiel automatisch ab, wenn Sensoren eine schwierige Verkehrssituation erkennen. Auch Kamerasysteme sind schon seriennah, die aus der Überwachung der Augenbewegung und Kopfhaltung erkennen, wenn ein Fahrer unaufmerksam ist oder Einzunicken droht.

Delphis MyFi-Systeme sollen dem Fahrer ein Maximum an Information und Unterhaltung bieten, ohne dass er die Augen von der Straße abwenden oder die Hände vom Lenkrad nehmen muss. Wenn das Fahrzeug parkt, stehen darum mehr Information zur Verfügung als während des Fahrens. Und wenn der Fahrer zu müde wird, dann könnte das Auto bald schon ganz von selbst die nächste Parkbucht ansteuern. Wenn's der Kunde wünscht – oder sein iPhone.

Autor

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Delphi

Datum

11. Juli 2012
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