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Berufsbild Flottenmanager: "Fuhrparkleiter werden Mobilitätsmanager"

Interview mit Marc-Oliver Prinzing, Vorsitzender des Bundesverbands Fuhrparkmanagement, über künftige Herausforderungen und veränderte Aufgaben von Flottenchefs.

Das Statussymbol Auto verliert an Bedeutung, grüne Fahrzeuge gewinnen. Zudem machen unterschiedliche Antriebe den Job eines Fuhrparkmanagers komplexer, und der Fuhrpark sollte sich der Mobilität unterordnen. Zumindest in großen Unternehmen.

Herr Prinzing, wie beeinflusst der Mobi­litätswandel die berufliche Zukunft des Fuhrparkmanagers?

Die Gesellschaft wandelt sich. Manche Mitarbeiter wählen statt eines Dienst­wagens eher eine Bahncard oder ein Elekt­rofahrrad. Es wird zwar keine große Welle an ökologisch orientierten Mit­arbeitern auf uns zurollen, dennoch ändern sich die Herausforderungen sukzessive, wenn jüngere Mitarbeiter nachrücken. Bei der technischen Frage, welcher Antrieb der passende ist, müssen Fuhrparkmanager heute zwischen fünf Antrieben wählen, nicht mehr zwischen Diesel- und Otto-Motor. Gas, Elektro und Hybrid sind dazugekommen. Um diesen Veränderungen gerecht zu werden, brauchen Fuhrparkmanager ein breiteres und übergreifenderes Wissen als früher.

Sind Fuhrparkmanagern dann die Hände gebunden?

Nein, es gibt Alternativen. Fuhrpark­manager sollten sich überlegen, welche Arten der Mobilität sie bereitstellen können. Dabei wird der Fuhrpark ein Schwerpunkt bleiben. Dennoch werden Unternehmen nicht allein danach schauen, wie die Mitarbeiter ihre Dienstreisen zurücklegen, sondern: Wie kommen sie zur Arbeitsstelle und zurück? Der Weg zur und von der Arbeit ist ein Kosten- und Zeitfaktor. Ein Beispiel sind Mitfahrzentralen im Intranet eines Unternehmens.

Fahrzeuge teilen, multimodaler Verkehr, wie wirkt sich das aus?

Es geht nicht mehr allein darum, die direkten Kosten einer Dienstreise zu berücksichtigen. Reisezeiten müssen als Arbeitszeiten verstanden werden. Das verschafft einen ganz anderen Blick auf die Mobilität, weil nicht mehr nur Reise­kosten, sondern auch Dauer und Zuverlässigkeit eine wichtige Rolle bei der Wahl des Verkehrsmittels spielen.

Wie wirken sich die einzelnen Trends auf die betriebliche Mobilität aus?

Vor allem Elektrofahrzeuge stehen zwar im Fokus der Berichterstattung. Im Fuhrpark sind sie derzeit allerdings eingeschränkt nutzbar. Aber Reichweiten verändern sich schnell, was Fuhrparkleiter dazu zwingt, ihr Wissen kurzfristig zu aktualisieren. Neben der Technik trifft das auch auf die Wirtschaftlichkeit zu. Zum Beispiel wenn der Dieselpreis aufgrund politischer Entscheidungen steigen würde. Was sich aktuell massiv verändert, ist der Einsatz von Telematik. Das hat positive wie negative Auswirkungen. Einerseits der Datenschutz, andererseits  haben Fuhrparkmanager Zugriff auf Echtzeitdaten des technischen Zustands ihrer Flotte.

Können Flottenchefs dem hohen Anspruch derzeit gerecht werden?

Grundsätzlich sind alle Fuhrparkmanager Autodidakten, weil es keine Berufsausbildung zum Fuhrparkmanager gibt. Aber eine Fortbildung. Die schließen etwa 50 bis 60 Teilnehmer des zertifizierten Lehrgangs zum Fuhrparkmanager bei der Dekra-Akademie ab. Wenn man weitere Anbieter hinzurechnet, sind es insgesamt ungefähr 100 Absolventen pro Jahr.

Wie steht es um den Datenschutz und die Datensicherheit in den Flotten?

Das ist ein Riesenthema, das auf den Fuhrparkmanager zukommt. Er muss sicherstellen, dass die Daten nicht in die falschen Hände kommen. Stichwort Bewegungsprofile. Das fehlerfrei zu handhaben, ist eine Herausforderung.

Was verändert sich in der Organisation, verschmelzen Travel und Fleet?

In kleinen und mittelständischen Unternehmen kümmert sich beispielsweise eine Assistenz der Geschäftsleitung neben vielen anderen Aufgaben um die Themen. Je größer aber ein Unternehmen ist, umso ausgeprägter sind die Funk­tionen Travel und Fleet. Und auch dort findet eine Änderung dahingehend statt, dass man künftig über Mobilitäts­management spricht, was aber nicht bedeutet, dass diese Aufgabe eine Person macht. Für beides ist extrem tiefes Fachwissen im Detail notwendig. Die Unternehmen sollten den Blick für Mobilität institutionalisieren und es nicht dem Zufall überlassen. Das würde im Klartext bedeuten, dass das Unternehmen beide Bereiche innerhalb einer Abteilung zusammenfasst. Dann können sich alle beteiligten Mit­arbeiter untereinander austauschen und gemeinsame Konzepte für Fuhrpark und Geschäftsreisen entwickeln.

Wie könnte die Aufgabe eines Fuhrparkmanagers 2025 aussehen?

Es wird keinen kompletten Wandel geben. Innerhalb der vergangenen 20 Jahre waren die Zielgrößen Wirtschaftlichkeit und Sicherheit wichtig. Gestiegen ist die Komplexität und die wird weiter zunehmen. Und ich würde mir wünschen, dass die Unternehmer erkennen, welche Chancen auch im Fuhrparkmanagement stecken. Etwa beim Schaden- und Risikomanagement. Denn man kann Unfälle auch verhindern und nicht nur regulieren. Unternehmen sollten überdies die Flexibilität schaffen, um den Mit­arbeiter­wün­schen gerecht zu werde

Foto

Thomas Küppers

Datum

18. November 2016
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