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Interview Zukunft des Flottenmanagement: "Vernetzte Mobilität wird immer wichtiger"

Vernetzte Fahrzeuge, neue Wege der Mobilität: Raimund Wagner von der Unternehmensberatung Carsulting zeigt, wie Unternehmen mit den neuen Herausforderungen im Flottenmanagement umgehen können.

Schlagwörter wie Vernetzung, Big Data und Digitalisierung machen derzeit die Runde. Doch das könnte nur ein erstes Vorgeplänkel sein, der Kampf um Fahrzeug- und Fahrerdaten wird sich in den nächsten Jahren zuspitzen. Schon jetzt gibt es entsprechende Software- und Telematiklösungen, welche die ganze Branche auf den Kopf stellen könnten. Getrieben wird die Entwicklung sogenannter disruptiver Geschäftsmodelle in erster Linie von möglichen Einsparpotenzialen im Bereich der Betriebs- und Prozesskosten. Gleichzeitig könnten Prozesse kundenfreundlicher und effektiver ablaufen. Der Nutzen würde dann sowohl dem Flottenbetreiber als auch dem Dienstwagenfahrer zugutekommen.

Herr Wagner, können Sie uns konkret darstellen, was sich für Firmen und Dienstwagenfahrer demnächst ändert?

Wichtig ist, die richtige Balance zwischen Flexibilität, Effizienz, Ökologie und Ökonomie zu finden. So können Unternehmen bereits mithilfe von elek­tronischen Fahrtenbüchern mit Echtzeitdaten mehr als fünf Prozent der Betriebskosten ein­sparen. Weitergehende Überlegungen in Richtung Predictive Services könnten schneller kommen, als man denkt.

Welche Dienstleistungen könnten das sein?

Wartung und Verschleiß beispielsweise, Corporate Carsharing, Tankkartenabwicklung sowie automatisierte Reisekosten- und Kilometergeldabrechnung. Zielsetzung der Flottenbetreiber ist, mit den Daten aus dem Auto die Fuhrparkprozesse unabhängig vom Hersteller zu optimieren. Natürlich bei gleicher Qualität und unter Beachtung der Privatsphäre. Immerhin sind Kosteneinsparungen von mehr als 15 Prozent keine Seltenheit.

Wie reagieren die großen Player auf die Herausforderung?

Autobanken, Flottenmanagementanbieter und Leasinggesellschaften strahlen Zuversicht aus. Nahezu alle wollen als Mobilitätspartner noch digitaler werden. So sieht etwa der Arbeitskreis der Autobanken die Digitalisierung der Angebote als Kernthema für alle Marktteilnehmer. Dabei spielen Apps eine Schlüsselrolle. Mit innovativem Onlineservice will man die Weichen für die Zukunft stellen und einen Mehrwert bieten. Aber genau hier liegt das Dilemma der etablierten Marktteilnehmer.

Welches Dilemma?

Die Herausforderungen durch die Digitalisierung zwingen Unternehmen zu neuen Denkansätzen. Alleine mit Verbesserungen werden sie den Veränderungen in Gesellschaft und Umwelt nicht mehr gerecht. Bei dieser hohen Entwicklungsgeschwindigkeit im Markt­umfeld reicht es nicht mehr, nur schneller zu gehen. Die Unternehmen müssen erkennen, dass eine Neupositionierung in einer durchdigitalisierten Welt notwendig ist.

Wie könnte eine Neupositionierung für Leasing- und Fuhrparkmanagement­gesellschaften aussehen?

Das wird sehr schwer für etablierte Anbieter. Disruptive Innovationen verlangen eine komplette Umstrukturierung des bestehenden Modells und sind in der Regel für die etablierten Anbieter aufgrund ihres zunächst kleinen Volumens oder Kundensegments nicht interessant. Zusätzlich ist es für diese Gesellschaften geradezu ein Ding der Unmöglichkeit, ihr Geschäftsmodell von Grund auf zu verändern.

Gibt es erste Anzeichen für grundlegende Veränderungen in der Branche?

Aufmerksame Marktbeobachter sehen heute schon zukunftsorientierte und nachhaltige Lösungsansätze entstehen. So arbeiten Unternehmen mit großen Fuhrparks bereits aktiv an Lösungsansätzen für ihren vernetzten Fuhrpark. Dabei steht eindeutig der Mehrwert für die Unternehmen im Vordergrund. Dazu gehören zum Beispiel Nischenanbieter im Carsharingbereich. Sie gehen konsequent mit ihren Entwicklungen in Richtung Fuhrparkmanagement 3.0. Aber auch die Wirtschafts­agentur Oberösterreichs hat die Initiative Connected Mobility gegründet und ein Projekt "Vernetzter Fuhrpark" aufgesetzt.

Wie verändert die zunehmend vernetzte Mobilität die Fuhrparkbranche?

Mithilfe der Daten, die künftig aus dem und in das Auto strömen, lassen sich eine Fülle an Businessmodellen und völlig neue Umsatzpotenziale erschließen.  Reise- und Fuhrpark verschmelzen eben enger zu kreativen und innovativen Mobilitätsdienstleistungen. Auch für die Fahrer könnte es beispielsweise beim Tanken etwas bequemer werden. Bezahlt wird per App, außerdem würde dann auch das lästige Eintippen des Kilometerstands wegfallen. Speziell im Bereich der Fuhrparkmanagementsys­teme machen sich erste innovative Lösungen bereits bemerkbar.

Definition - Disruptive Innovationen

Das Onlineportal business-wissen.de definiert eine disruptive Innovation als einen Prozess, der in einer kleinen, unscheinbaren Nische einer Branche beginnt. Auf der Grundlage einer neuen Technologie oder eines neuartigen Geschäftsmodells werden Produkte oder Dienstleistungen entwickelt, die zunächst nur einen kleinen Teil von Kunden ansprechen. Dann gewinnt dieses Angebot an Fahrt, wird zu einem dominierenden Marktfaktor und verdrängt am Ende viele etablierte Unternehmen und ihre Produkte. Solche Innovationen können etablierte Marktstrukturen aufbrechen und Spielregeln ganzer Branchen verändern.

Zur Person - Raimund Wagner

Raimund Wagner gründete die österreichische Unternehmensberatung Carsulting 2015. Wagner war zuvor unter anderem als Geschäftsführer beim Telematikanbieter AMV Networks sowie bei Porsche in führenden Positionen tätig. Carsulting berät Unternehmen und Kommunen in den Bereichen vernetzte Mobilität, Digitalisierung, Strategieentwicklung und Prozessmanagement. Dazu kommen Fuhrparkanalysen für Firmen und Workshops für Digitalisierungsstrategien sowie Geschäftsmodelle.

Autor

Foto

Franz Neumayr

Datum

29. Juli 2016
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