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Dienstwagen der Kirche: PS-Protz der katholischen Bischöfe

Dienstwagencheck der Deutschen Umwelthilfe: Katholische Bischöfe zeigen wenig Bescheidenheit, im Gegensatz zu den evangelischen Kirchenoberhäuptern.

Jedes Jahr im Dezember bewertet die Deutsche Umwelthilfe, mit welchen Dienstwagen die 52 obersten Manager in göttlichem Auftrag unterwegs sind. Gefragt wird nach Motorisierung, Spritverbrauch und CO2-Emissionen der personengebundenen Fahrzeuge. Die Entscheidung von Papst Franziskus, den Wagenpark seines Vorgängers aufzulösen und auf sparsamere und weniger prunkvolle Fahrzeuge umzusteigen, scheint die überwiegende Anzahl seiner katholischen Statthalter in Deutschland zu ignorieren. Alle von der DUH verteilten roten Karten gingen an Vertreter seiner Kirche.

Bei den protestantischen Kirchenleitern setzte sich hingegen der Trend zu grünen Karten erfreulicherweise fort: Die Mehrzahl ist mit klimaverträglicheren Autos unterwegs. Die Zahl der grünen Karten stieg von 14 auf 24, während die Zahl der „Gelben Karten“ geringfügig von 20 auf 19 sank. Insgesamt gab es 2014 nur acht rote Karten – das sind fünf weniger als im Vorjahr.

Bescheidener Bischof Bohl

Positiver Spitzenreiter ist, wie auch schon vor zwei Jahren, Landesbischof Jochen Bohl von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen. Dessen Mercedes E 300 BlueTEC Hybrid stößt nur 99 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Damit hat er sich im Vergleich zum Vorgängerfahrzeug noch einmal um zehn Gramm verbessert. Die dunkelrote Karte gab es für den Bischof Franz-Josef Overbeck aus Essen. Sein Dienstwagen, ein VW Phaeton, liegt mit 224 g CO2/km etwa 70 Prozent über dem geltenden EU-Klimaschutzgrenzwert.

„Der Essener Bischof Overbeck hat immer noch nicht verstanden, dass auch die obersten Manager mit göttlichem Auftrag irdische Klimaschutzregeln zu befolgen haben“, so Resch weiter. Die Auskunft verweigerten in diesem Jahr erneut die Bistümer Augsburg, Mainz und Regensburg und sahen dafür rot. Die Bistümer Görlitz und Essen antworteten im Gegensatz zum Vorjahr.

Im sparsameren Dienstwagen unterwegs ist beispielsweise Bischof Friedhelm Hofmann von der Diözese Würzburg. Er hat den CO2-Ausstoß seines kirchlichen Schlittens mit der Wahl eines Mercedes E 300 Bluetec von 159 g CO2 im Vorjahr auf nun 107 g CO2/km gesenkt.

Freiburg: Im Ford Mondeo zu den Schäfchen

Positiv zu bewerten sind auch die Entwicklungen in der Erzdiözese Freiburg: Erzbischof Stefan Burger hat das mit einer roten Karte beurteilte Fahrzeug seines Vorgängers Robert Zollitsch gegen einen Ford Mondeo Turnier mit einem CO2-Ausstoß von 128 g CO2/km getauscht. Auch Bischof Gerhard Feige aus dem Bistum Magdeburg verbessert sich von 163 g/km auf 124 g/km. Kardinal Woelki, der erst vor kurzem von Berlin zurück ins Erzbistum Köln wechselte, hat sich offenbar des Wagens seines Vorgängers Kardinal Meisner entledigt und ist nun ebenfalls maßvoller unterwegs.Die beste Gesamtflotte hinsichtlich des Klimaschutzes fährt die Evangelisch-lutherische Landeskirche auf mit einem Durchschnittswert von 99 g CO2/km. Schlusslicht ist das Bistum Görlitz.

Interessant ist ein Blick auf die Entwicklung der Spritverbräuche und damit verbunden die Klimagasemissionen über die vergangenen vier Jahre hinweg: Im Durchschnitt verbesserte sich der CO2-Ausstoß der bischöflichen Dienstlimousinen seit Beginn der Abfrage im Jahr 2011 von damals 172 g auf 135 g CO2/km. Auffällig ist auch, dass die katholischen Oberhäupter den evangelischen Kollegen beim Klimaschutz weiter hinterherfahren. Betrug der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Dienstwagen evangelischer Kirchenoberhäupter im Jahr 2011 noch 169 g CO2/km, so liegt er in diesem Jahr mit 125 g CO2/km unter dem aktuell gültigen EU-Grenzwert – eine Verbesserung um 26 Prozent. Die katholischen Bischöfe verbesserten ihren Durchschnittswert nur um 18 Prozent – von 174 g CO2/km im Jahr 2011 auf nun 143 g CO2/km.

Ist der Papst kein Vorbild?

In einem Jahr zeigt sich, ob die katholische Kirche mehr auf ihren Oberhirten hört. Papst Franziskus hatte bereits vor über einem Jahr angehenden Priestern gesagt: „Mir tut es weh, wenn ich einen Priester oder eine Schwester mit dem neuesten Automodell sehe: Das geht doch nicht!“ Das Fahrrad sei ein angemessenes Fortbewegungsmittel. Wenn es denn ein Auto sein müsse, dann doch bitte ein bescheidenes Modell. Während sein Vorgänger Papst Benedikt XVI. noch eine Phaeton-Luxuslimousine mit einem 12-Zylinder-Motor bevorzugte ist Papst Franziskus demonstrativ auf einen sparsamen Ford Focus umgestiegen.Selbst bei seinem Besuch in Istanbul im November 2014 ließ er gegen den Willen der Sicherheitsbeamten die gepanzerte Staatslimousine links liegen und stieg in einen bescheidenen Mittelklasse-Renault.

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Datum

5. Dezember 2014
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