Erdgasflotte, Bundestagsabgeordnete Zoom

Deutsche Umwelthilfe: Politiker fahren sparsamere Dienstwagen

Der diesjährige Dienstwagen-Check ergab: Spitzenpolitiker setzen auf sparsamere Limousinen. Doch scheinbar sind nicht alle bereit, diesen Weg einzuschlagen und ihre Vorbildrolle wahrzunehmen.

Immer mehr deutsche Spitzenpolitiker sind mit sparsameren und klimafreundlicheren Dienstwagen unterwegs. Das ergab der aktuelle Blick unter die Motorhauben der politischen Elite, den die Deutschen Umwelthilfe (DUH) seit 2007 alljährlich vornimmt. Insgesamt 18 "Grüne Karten" für ein glaubwürdiges Klimabewusstsein bei der Dienstfahrzeugwahl verteilte der Verein in 2013. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl um mehr als das Dreifache gestiegen.

Mercedes E 300 Bluetec Hybrid ist beliebt

Der Anstieg sei vor allem auf den Merce-des Benz E 300 Diesel-Hybrid zurückführen, der sich auf Landesebene steigender Beliebtheit erfreut und insgesamt neun Mal im Einsatz ist. In der aktuellen Version verbraucht er im Normzyklus nur 4,4 Liter (116 Gramm CO2/km) und ist mit der Effizienzklasse A+ ausgezeichnet. Grün bekommt nur, wer den EU-Zielwert von 130 Gramm CO2-Ausstoß pro 100 Kilo-meter einhält oder unterbietet.

Acht Ministerpräsidenten sind mit Spritschluckern unterwegs

"Wir stellen fest, dass die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Politiker-Limousinen seit dem Start der Erhebun-gen deutlich schneller zurückgehen als die Emissionen aller in Deutschland neu zugelassenen Autos", sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen. des 7. Dienstwagen-Checks in Berlin. Den hat die DUH zwischen Januar und März 2013 unter 171 Spitzenpolitiker auf Bundes- und Landesebene durchgeführt. Die Politiker haben also ihre Lehre aus den Rügen der vergangenen Jahren gezogen. Doch der positive Trend könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Mehrheit des politischen Spitzenpersonals nach wie vor mit übermotorisierten und zu viel Sprit schluckenden Limousinen unterwegs ist. Die Hälfte aller Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer habe dafür die "Rote Karte" erhalten. Die gibt es, wenn der geltende CO2-Zielwert von 175 g/km deutlich überschritten wird. Insgesamt sahen 28 Regierungspolitiker bei Bund und Ländern diese Farbe für ihre Dienstwagen und stellten damit ihre klimapolitische Ignoranz zur Schau.

Volker Bouffier ist noch im 500 PS starken Audi A8-Benziner mit 12 Zylindern unterwegs

Die größten Klima-Schmutzfinken unter den Regierenden kommen aus Bayern, Hessen und Niedersachsen. In Niedersachsen fand jedoch ein Regierungswechsel statt. Die veröffentlichten Ergebnisse spiegeln noch den Wagenpark des Ende Januar abgewählten schwarz-gelben Kabinetts in Hannover wider. Die neue rot-grüne Landesregierung habe bereits angekündigt, dass sie zukünftig mit einer weniger klimaschädlichen Flotte unterwegs sein wird. Neue Dienstwagen seien bereits bestellt. Hier wird sich im kommenden Jahr zeigen, ob Wort gehalten wurde. Volker Bouffier in Hessen dagegen lässt sich im langen Audi A8 6.3 FSI mit zwölf Zylindern kutschieren. Diesen Luxus leisten sich nicht einmal mehr die Vorstandsvorsitzenden großer Unternehmen.

Hamburg ist am sparsamsten unterwegs

Großes Lob erhielt der Hamburger Senat. Als erstes Landeskabinett unterschreiten die Hamburger mit durchschnittlich 128 Gramm CO2 pro Kilometer den EU-Zielwert. Dieser Wert liegt sogar niedriger als der Durchschnitt aller in Deutschland im letzten Jahr neu zugelassenen Pkw (142 g/km). Keiner der Senatorinnen und Senatoren ist dafür im Kleinwagen unterwegs. Alle bedienen sich geräumiger Limousinen mit Spitzengeschwindigkeiten zwischen 212 und 250 km/h.

Von den 128 Gramm CO2-Ausstoß ist das Bundeskabinett noch weit entfernt. Der Durchschnittswert beträgt hier 168 g/km. Im Vergleich zu den 252 Gramm, die sich bei der Ersterhebung vor sechs Jahren ergeben hatten, sei der Fortschritt aber bemerkenswert. Fast alle Bundesminister haben damit die "Gelbe Karte" für Motorisierung, Spritverbrauch und Klimagas-Ausstoß ihrer Fahrzeuge verdient. Rot gab es nur einmal, Grün kein Mal. Die Dienstwagen der Bundeskanzlerin sowie des Finanz-, Außen-, Innen- und Verteidigungsminister hat die DUH aufgrund der stärkeren Panzerung und Sicherheitsvor-kehrungen nicht zur Bewertung herangezogen.

Die Grünen fahren am sparsamsten

Bleibt ein Blick auf das Ranking der Spitzenpolitiker nach Parteizugehörigkeit. Hier landen die Spitzenpolitiker der Grünen vor denen der Linken und der SPD auf dem ersten Platz. An vierter Stelle rangieren die FDP-Minister, gefolgt von den CDU-Vertretern. Das Schlusslicht bilden die Spitzenpolitiker der CSU.

Die DUH erstellt den Dienstwagen-Check, um die Volksvertreter an ihre Vorbildfunktion zu erinnern und langfristig die Modellpolitik der Autokonzerne zu beeinflussen. Resch nannte es einen Erfolg der alljährlichen DUH-Erhebungen, dass einerseits immer mehr Politiker bewusste Entscheidungen bei der Auswahl ihrer Dienstwagen treffen und andererseits die Premium-Hersteller mittlerweile eine breite Palette komfortabler Dienstwagen mit moderater Motorisierung anbieten. Ausreißer nach oben seien heute unverständlich. Es gebe für Politiker kein Argument mehr einen Klimakiller als Dienstwagen zu bestellen.

Dienstwagen-Vergleich ausgewählter Parteien  

Nach Parteien geordnet rangiert Bündnis 90/Die Grünen mit 17 ausgewerteten fahrenden Politikern auf Platz eins. Der CO2-Ausstoß beträgt nach Angaben des DUH 145 g/km. Rang zwei belegt Die Linke mit einer CO2-Bilanz von 150 g/km und vier fahrenden Politikern. Auf Rang drei platziert sich die SPD mit einem CO2-Ausstoß von 159 g/km und 67 gezählten Politikern mit Dienstwagen.

Die FDP kommt mit zwölf Politikern auf 167 g/km CO2. Die CDU - mit 49 fahrenden Politikern - kommt auf 176 g/km CO2. Auf dem letzten Platz tummeln sich die CSU mit 177 g/km CO2 und zwölf gewerteten fahrenden Politikern.

 

Autor

Foto

Alex Tossi

Datum

11. April 2013
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle Tests +++
+++ Alle News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • Branche
  • Auto
  • Management
  • ecoFleet
  • Recht/Steuer
  • Service
  • Firmenauto des Jahres