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E-Flotte: Bäcker unter Spannung

Die Großbäckerei Schüren in Hilden setzt ausschließlich auf alternative Antriebe. Die Transporter-Flotte ist mit Erdgas und Strom unterwegs.

Wenn Nacer Boussoul, Fahrer bei der Hildener Großbäckerei Schüren, Torten transportiert, schaltet er inzwischen vor dem ersten Tritt auf das Gaspedal sicherheitshalber in den Eco-Betrieb. Das garantiert ihm, die kostbare Fracht unbeschadet in eine der 18 Filialen in und um Düsseldorf zu bringen. „Bei dem rasanten Antritt kann die Fracht schnell aus dem Gleichgewicht geraten und ihre Form verlieren.“
Dass mit dem Drehmoment des Nissan e-NV200 nicht zu spaßen ist, hat der Botenfahrer bereits leidvoll feststellen müssen. Eco ist in diesem Fall nicht nur Programm für den umweltschonenden Transport des feinen Backwerks, sondern auch für den Betrieb, in dem pro Tag mindestens 10.000 Brötchen und 3.000 Brote gebacken werden, denn Bäckermeister Roland Schüren setzt in seinem Unternehmen auf nachhaltiges Wirtschaften und hat deshalb seine Flotte vollständig auf alternative Antriebe umgestellt. Trotz der Größe seines Betriebs legt er Wert auf die Feststellung, dass „unsere Produkte noch immer streng handwerklich produziert werden.“

Neun Elektrofahrzeuge und neun Erdgas-Transporter versorgen die Filialen des Unternehmens am Niederrhein. Die Filialbetreuer erledigen ihre Dienstfahrten mit drei elektrisch angetriebenen Nissan e-NV200, , und für die Auszubildenden der Bäckerei stehen zwei Renault Twizy bereit, „damit sie unabhängig von den öffentlichen Verkehrsmitteln am frühen Morgen ihren Arbeitsplatz erreichen können“, erklärt der Bäckermeister und studierte Betriebswirt Roland M. Schüren. Wer noch keinen Führerschein besitzt, wird mit einem E-Roller oder E-Bike mobilisiert. Jüngster Zugang zur Elektroflotte sind drei elektrifizierten Kleintransporter von Nissan, die seit März im Dienste der Frische unterwegs sind und speziell für die Aufgabe als Backwerk-Transporter umgebaut wurden. Im Heck befindet sich nun eine den Hygiene-Vorschriften entsprechende Landefläche für Brötchen, Brote und Kuchen. Auf den längeren Distanzen setzt Schüren neun mit Erdgas angetriebene Sprinter ein.

Mit den E-Transportern schaffen die Fahrer bis zu 160 Kilometer

Der e-NV 200 nutzt die Technik des weltweit meist verkauften Elektroauto, dem Nissan Leaf. Allerdings wurden rund 30 Prozent der Teile für den Einsatz als Transporter neu entwickelt. Als Nutzfahrzeug erreicht der4,50 Meter lange e-NV 200 ein Ladevolumen von 4,2 Kubikmeter – Platz für viele Brötchen, Brote und Torten. Neben dem Van bietet Nissan auch die fünfsitzige Pkw-Version Evalia an. Als Reichweite gibt Nissan 170 Kilometer an. Bei Bäcker Schüren „erreichen unsere Fahrer je nach Jahreszeit und Fahrweise zwischen 120 und 160 Kilometer“, bilanziert Schüren. Der 109 PS starke Elektroantrieb beschleunigt den Transporter auf maximal 123 km/h, und zwischen Null und 100 km/h vergehen dank des vom ersten Moment an bereitstehenden Drehmoment von 254 Nm 14 Sekunden.

Alle Elektromobile beziehen bei Bäcker Schüren ihre Energie aus erneuerbaren Quellen und nutzen dabei die hauseigene Photovoltaik-Anlage, die sich über alle Bereiche des Betriebs erstreckt und in die Schüren 280.000 Euro investiert hat. Die Leistung wurde im Rahmen des Ausbaus von 29 auf 155 kW verbessert. „Sobald Hersteller auch Lieferwagen der Sprinter-Klasse mit elektrischem Antrieb anbieten, werden wir die Erdgas-Fahrzeuge nach und nach aussortieren“, erklärt Schüren die Strategie für die nächsten Jahre. Privat ist der erfolgreiche Unternehmer mit einem Tesla Model S unterwegs. Die aktuell durch die Erdgas-Transporter verursachten CO2-Emissionen werden durch Ausgleichmaßnahmen neutralisiert.

Chademo-Ladestation auf den Hof

In Zukunft sieht Schüren seine Elektroflotte auch als Speichermöglichkeit für den selbstproduzieren Sonnenstrom. „Ideal wäre es, wenn wir unseren vom späten Vormittag bis zum Abend erzeugten Sonnenstrom für die Frühschicht der nächsten Nacht zwischenspeichern könnten“, erklärt Schüren. Das Szenario sieht danach vor, dass die Batterien der Elektro-Transporter am Nachmittag, wenn sie in der Garage stehen, Strom tanken, den sie während der Nacht bis zu einem definierten Punkt an die Backstube abgeben.

Übrig bleibt in diesem Szenario genau so viel Strom, wie am nächsten Tag für die Auslieferungen benötigt wird. An dieser Lösung wird aktuell intensiv gearbeitet. Das Ziel des Unternehmers ist eine „CO2-neutrale Bäckerei aus eigener Kraft“. Bisher kann sich die Bilanz sehen lassen. Verursachte der Betrieb in Hilden im Jahr 2009 noch 940 Tonnen CO2, so lag der Wert im Jahr 2013 bei 176 Tonnen. Gleichzeitig erhöhte sich die Produktion von 1270 auf 1665 Tonnen Backwaren.

„Bisher“, so Schüren, „haben wir keine technischen Probleme mit den Elektrofahrzeugen erlebt. Nur einmal musste ein Fahrer unterwegs eine Ladestation außerplanmäßig ansteuern.“ Zusammen mit den drei neuen Nissan-Kleintransportern übernahm die Großbäckerei auch eine Schnellladestation, die Nissan Kunden spendiert, die mindestens drei e-NV200 erwerben. Die Chademo-Station kostet immerhin rund 10.000 Euro. Roland Schüren hofft bei seinem Engagement für das Klima inzwischen „auf viele Nachahmer“ und ist davon überzeugt, dass „der große Erfolg der Energiewende kurz bevor steht.“

Der Chef fährt Tesla

Aktuell blickt Schüren nach Kalifornien, wo Tesla-Chef Elon Musk seine Maxi-Speicherbatterie für den Hausgebrauch vorgestellt hat, mit der sich der von der Photovoltaik-Anlage erzeugte Strom speichern ließe. „Wir sind an dieser Entwicklung sehr interessiert, um den tagsüber erzeugten Strom nachts in unserer Backstube einsetzen zu können“, blickt Schüren in die Zukunft. Aktuell bietet er seinen Kunden neben frischem Backwerk Strom aus der Photovoltaik-Anlage an. „Wir haben jetzt den Spieß umgedreht. Tankstellen verkaufen Brötchen, und nun können unsere Kunden Strom tanken“, lächelt Schüren. Sein Engagement für nachhaltiges Wirtschaften hat dem Bäckermeister bereits unter die ersten drei für die nachhaltigsten Zukunftsstrategien bei Ausgezeichneten beim deutschen Nachhaltigkeitspreis gebracht. 

Neben der persönlichen Umweltbilanz kann sich auch die Kostenrechnung für die alternative Lieferflotte sehen lassen. „Die Erdgas-Transporter sind gegenüber konventionell angetriebenen Modellen rund 25 Prozent günstiger im Unterhalt, und die Elektromobile schlagen mit 2,75 bis drei Euro pro 100 Kilometer zu Buche“, zieht Schüren Bilanz. „Und im Sommer, wenn der Strom von unseren Solarpanelen erzeugt wird, sinken die Energiekosten auf Null.“ Allerdings nur dann, wenn die Investitionen in die Anlage nicht gerechnet wird. Bei den Wartungskosten liegen die Elektrotransporter ebenfalls günstig. „Die Wartung unseres Opel Ampera, den wir inzwischen abgeschafft haben, hat uns über 30.000 Kilometer gerade mal 95 Euro gekostet.“
 

Foto

Walther Wuttke

Datum

29. Mai 2015
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