Zoom

EnBW: Alternativ fährt es sich besser

Der Energieversorger EnBW kauft 54 VW E-Golf. Damit gehören knapp 100 Elektro-Autos und viele Gasautos zum Fuhrpark. Diesel sind kein Thema mehr.

Ein Stromanbieter sollte auch beim Thema alternative Antriebe Vorreiter sein. Das finden zumindest die Verantwortlichen der EnBW Energie Baden-Württemberg. Die logische Konsequenz: Unter den 3.600 Firmenwagen des Energieversorgers finden sich 14 Flüssiggas-Autos, 73 mit Erdgas-Antrieb, neun Hybride, vier Wasserstoff- sowie 39 Elektro-Fahrzeuge. Ende Juli kommen 54 weitere E-Autos hinzu, allesamt VW Golf. Laut Norman Scheck, Teamleiter des EnBW-Mobilitätsservice, ist das deutschlandweit der größte Einzelauftrag zur Elektrifizierung einer Flotte in der Privatwirtschaft.

Die E-Autos ersetzen Dieselfahrzeuge, vor allem VW Golf und Ford Focus. Bei drei bis vier Jahren Leasingdauer tauscht Schecks Abteilung rund 1.000 Autos jährlich aus. Auch deshalb werden keine neuen Diesel bestellt. Verträge für Betriebswagen mit teuren Einbauten zur Ladungssicherung und Messgegenständen an Bord laufen ein Jahr länger. 90 Prozent der Autos sind geleast, lediglich Spezialfahrzeuge wie Kabelmesswagen kauft die EnBW. "Da kostet allein die Ausstattung locker 200.000 Euro", erklärt Scheck. Zum Fuhrpark gehören auch 240 Poolfahrzeuge, die Mitarbeiter für Dienstfahrten online buchen können.

EnBW und E-Mobilität: Das gehört schon lange zusammen. "Als ich 1989 als Lehrling hier einstieg, gab es den Golf II als City-Stromer im Fuhrpark", erzählt Scheck. Mit bescheidenen 20 bis 30 Kilometern Reichweite. Erst vor fünf Jahren kam der große Schub für alternative Antriebe: "Da begannen wir, ein Ladenetz aufzubauen." Fahrzeuge zu bestellen sei leicht, die größere Hürde stelle die Infrastruktur dar. Die ist dank staatlicher
Förderung im Großraum Stuttgart hervorragend: Dort stehen bereits rund 370 Ladepunkte für E-Autos. Demnächst kommen 30 weitere Ladestationen dazu. Netze BW, eine 100-prozentige EnBW-Tochter, investiert dafür 500.000 Euro.

Bis 2020 sollen 150 Dienstwagen elektrisch fahren

Die neuen E-Golf sind Teil einer groß angelegten Elektro-Offensive des Unternehmens. Bis 2020 sollen 150 der rund 600 privat genutzten Dienstwagen einen E-Antrieb unter der Haube haben. Bisher werden Renault Zoe, BMW i3, VW E-Golf und E-Up sowie die neuen Fahrzeuge als Betriebswagen eingesetzt. Sie sind zwar Mitarbeitern zugeordnet, aber anders als Dienstwagen nicht für den privaten Gebrauch gedacht.

Trotzdem sollen die Mitarbeiter die Autos zu Hause laden können. Ein Fall für den Unternehmensbereich Time2charge. Thomas Burger, Leiter Mobilitäts- und Officeservice, beschäftigt dabei die zentrale Frage: "Wie kann ein betrieblich genutztes Fahrzeug zu Hause geladen werden, ohne dass der Mitarbeiter dafür bezahlen muss?"

Schon beim Parken müssten die Mitarbeiter grundsätzlich umdenken. "Mein Parkplatz, meine Steckdose, das gibt es nicht", sagt Burger. Bei mehreren Hundert Parkplätzen am Standort mit jeweils einer Ladesäule würde die Gebäudeinfrastruktur zusammenbrechen. Da ist ein ausgeklügeltes Lademanagement gefragt. Und eben Heimladen.

Die Mitarbeiter ziehen aber mit, können sich mit den Stromern gut anfreunden. "Immerhin bieten die Fahrzeuge Vorteile, die unsere anderen Autos nicht haben", sagt Scheck. Sie lassen sich wie Automatik-Autos fahren, und besonders die VW seien mit Details ausgestattet, die es in der Flotte sonst nicht gibt.

Fährt der Mitarbeiter zum ersten Mal mit einem E-Auto, sieht er auf einem in der Ladesäule integrierten Display, wie das Laden funktioniert. Eine dieser Säulen steht zum Beispiel am Stuttgarter Standort. Einfach das entsprechende Modell auswählen und den Anweisungen folgen. Das kommt gut an und erleichtert den Einstieg ins elektrische Fahren.

Hybride als Übergangslösung

Bei den Gas-Fahrzeugen seien die Mitarbeiter schon skeptischer. »Sie haben teilweise Angst vor Gas, da herrscht eine große Barriere«, erklärt der Flottenchef. Trotzdem: Technische Probleme gebe es bei den Fahrzeugen mit alternativem Antrieb nicht, alles laufe reibungslos. Von den Hybriden sind Scheck und Burger allerdings nicht überzeugt: "Wir sehen das als Brückentechnologie und investieren lieber gleich in echte E-Autos."

Mit denen fahren die Mitarbeiter idealerweise rund 100 Kilometer am Tag oder auch mal weniger. So läuft niemand Gefahr, mit leerem Akku stehen zu bleiben. Schon gar nicht im Großraum Stuttgart mit seinen vielen Ladestationen. Dort sind etwa 700 Betriebswagen unterwegs, die vor allem die Monteure nutzen.

Doch 90 Prozent der Flotte bewegt sich in ganz Baden-Württemberg. "Die Fahrprofile unserer Vertriebler passen eben noch nicht, da muss mehr Reichweite her", erklärt Burger.

Die wird aber kommen, da sind sich die beiden Fuhrpark-Experten einig. Wie beim Smartphone wird auch bei der E-Mobilität die Technik in kurzer Zeit rasante Fortschritte machen. Und dann womöglich eine Forderung der Mobilitätsexperten erfüllen: dass die Batterie eines 2016 geleasten E-Golf in das neue Modell von 2020 passt. Aber Fragen wie diese zeigen: Alternative Antriebe treiben uns alle künftig um.

EnBW-Mobilitätsservice

  • EnBW ist nach Eon und RWE das drittgrößte Energieunternehmen Deutschlands
  • Hauptsitz ist Karlsruhe, weitere Standorte finden sich in Stuttgart, Esslingen und Biberach. Dazu kommen eigene Werkstätten
  • Die Flotte umfasst 3.600 Fahrzeuge (Pkw, Nutz- und Spezialfahrzeuge), 90 Prozent der Wagen sind in Baden-Württemberg unterwegs
  • Alternative Antriebe: Wasserstoff (4), Hybrid (9), Flüssiggas (14), Erdgas (73), Elektro (93)

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

15. August 2016
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle Tests +++
+++ Alle News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • Branche
  • Auto
  • Management
  • ecoFleet
  • Recht/Steuer
  • Service
  • Firmenauto des Jahres