Alfa Romeo Stelvio 10 Bilder Zoom

Fahrbericht Alfa Romeo Stelvio: Wie gut ist Alfas erster SUV?

Jetzt bringt auch Alfa Romeo ein SUV auf den Markt. Der sportliche Stelvio ist eine Alternative zu BMW X4 und Jaguar F-Pace. Wie gut sich das neue Sport-SUV fährt, zeigt die erste Testrunde.

Selten trifft ein Name den Charakter eines Autos so passend wie bei Alfas neuem SUV. Stelvio ist die italienische Übersetzung für das Örtchen Stilfs am Stilfser Joch. Der Gebirgspass ist mit 2.757 Metern der höchste Italiens. Und es ist der zweithöchste asphaltierte Alpenpass – danke Wikipedia. Gebirge und SUV? Passt immer. Das Stilfser Joch ist aber auch bekannt für seine kurvenreichen Panoramastraßen. SUV, Kurven? Passt beim Stelvio ebenfalls – behaupten zumindest die Kollegen von Alfa. Glauben heißt nicht wissen, also testen wir das selbst. Natürlich am Stilfser Joch. Ab in den Flieger nach Zürich. Vom Airport aus geht’s mit der Mietwagen-Giulia zum Treffpunkt mit den Alfisti in den Alpen. Die Fahrt in der Giulia kommt uns gelegen. Sie stimmt uns auf den Stelvio ein. Die beiden teilen sich die neue „Giorgio“-Plattform samt Motoren und Technik.

Gelungener Mix aus Sportlichkeit und Eleganz

Der größte Unterschied dürfte eben sein, dass der Stelvio deutlich mehr Platz bietet. Muss er auch. Alfa weigert sich, von der Giulia einen klassischen Kombi aufzulegen. Somit ist der Stelvio die vorerst einzige familientaugliche Alfa-Lösung. Trotz coupéförmigem Karosserieschnitt ist es im 20 Zentimeter höher gebauten Stelvio deutlich luftiger um die Köpfe als in der Giulia. Der SUV ist zudem breiter als die Limousine, was vor allem auf der Rückbank spürbar wird. Ins Heck passen 525 Liter Gepäck. Vom Kofferraum aus lässt sich die Rückbank per Fingerzug an seitlichen Hebeln umlegen. Auf fast ebenem Ladeboden rutschen dann 1.600 Liter Gepäck hinein. Gut gelöst, ist die niedrige Ladekante auf Oberschenkelhöhe. Was fluchen zierliche Damen an so manchem Sport-SUV nicht immer, wenn sie schwere Einkaufstüten oder den Kinderwagen ins wuchtige Heck hieven müssen.

Das SUV hat eine sportliche Coupéform.

Wir sind aber ohne Kind und Kegel hier. Zeit für den Schlüsseltausch. Nach Türgriff und Lenkrad greifend, winden wir uns aus den engen Sportsitzen der Limousine heraus und rutschen in bequemer Höhe in den SUV. Wobei wir auch hier den Hintern leicht über die Sitzwangen lupfen müssen, im Stelvio sind die gleichen Ledersportsitze verbaut. Mit schmalem Gesäß und Otto-Normal-Kreuz sind wir schon gut eingekeilt. Stabileren Autofahrern sei vom Kreuzchen bei der Konfiguration daher abzuraten. Mit den Serien-Ledersitzen sitzen Sie ebenfalls bequem und die hat Alfa ja auch schon eng geschnitten. Der Umstieg von Giulia auf Stelvio fällt ansonsten leicht. Im Grunde ist der Innenraum eine Kopie aus der Giulia. Lediglich das mit feinem Leder bezogene Armaturenbrett samt schicken Echtholz-Dekorleisten ist flacher geschnitten. Das Cockpit wirkt dadurch breiter.

Großer Splitscreen mit scharfer HD-Grafik

Nach drei Stunden Fahrt mit der Giulia von Zürich in die Alpen beherrschen wir das baugleiche Stelvio-Cockpit aus dem Effeff. Herz des ganzen ist der HD-Bildschirm mittig des Armaturenbretts. Kein Touchscreen wie bei so vielen neuen Autos. Die Inhalte auf dem in der Diagonale 22 Zentimeter messenden Displays steuert der Fahrer über einen schicken Drehregler. Auf dem breiten Bildschirm ist genügend Platz für eine Splitscreen-Ansicht. Sprich: zwei unterschiedliche Inhalte wie Navi und Radio gleichzeitig darzustellen. Die Grafik ist scharf, die Tomtom-Navikarte allerdings zu schlicht, es fehlen die Details. Bei anderen Premium-Marken bekommen wir hier mehr zu sehen.

Das Cockpit hat Alfa von der Giulia übernommen.

Richtig gehört: Premium. Aufgrund der feinen Materialien aber auch wegen der exklusiven Ausstattungsoptionen und den Fahrerassistenten darf sich der Stelvio zur Elite zählen. Das rechtfertigt dann auch den stolzen Preis. Alfa ruft für die Einstiegsversion (2.2 Diesel Q4) 39.915 Euro netto auf. Ein vergleichbarer BMW X4 xDrive 20d kostet nur 600 Euro mehr. Gut, der Stelvio hat noch die serienmäßige Achstufen-Automatik von ZF als Ass im Ärmel. Das gleiche Getriebe kostet im BMW fast 2.000 Euro Aufpreis. Zum Marktstart Mitte März bietet Alfa den Stelvio alternativ mit einem 280-PS-Turbobenziner für 41.176 Euro an. Allrad und Automatik sind hier ebenfalls Serie. Etwas später will Alfa einen günstigeren Einstiegsdiesel mit 180 PS und Hinterradantrieb nachschieben sowie eine Quadrifoglio-Version mit typischem Kleeblatt als Sportabzeichen und 510 PS unter der Haube, die selbst einen Porsche Macan Turbo in den Schatten stellen soll.

Moderne Technik macht den Stelvio zum Kurvengeschoss

Stärke alleine reicht dafür allerdings nicht aus. Damit der Stelvio trotz seiner 6,5 Zentimeter mehr Bodenfreiheit annähernd die Performance einer Giulia auf den Asphalt bekommt, pflanzten die Italiener ihrem SUV Radaufhängungen im Vierlenker-Prinzip an der Hinterachse ein. Die sorgen für eine höhere Aufstandsfläche der Reifen, was bewirkt, dass der Stelvio enge Kehren auf unserer Passstraße eindrucksvoll umzirkelt. Vom Städtchen Bormio aus brausen wir mit dem 210 PS starken Selbstzünder die "Strada del Passo dello Stelvio" hinauf. In die 47 scharfen Kehren wirft sich der Alfa schonungslos hinein. Links, rechts, links, rechts.

Den Alpenpass bewältigt der Stelvio mit Bravour.

Den Stelvio setzte Alfa von Beginn an auf Diät. Mit jeder Menge Leichtbauteile aus Aluminium und Kohlefaser bringt er lediglich 1,6 Tonnen auf die Waage. Also nur 200 Kilo mehr als die Giulia. Die Leichtigkeit spürt man ihm an. Gerade am Kurvenausgang, wenn der Allrad die Vorderräder mit einschaltet und der 2,2-Liter-Diesel seine 470 Nm auf alle vier Räder loslässt, schießt er schnurstracks aus Harnadelkurven heraus. Die Automatik waltet und schaltet punktgenau. Wir kommen gar nicht auf die Idee, an den Schaltpaddles zu zupfen. Obwohl uns Alfa die viel zu groß dimensionierten Wippen hinterm Lenkrad ständig vor die Nase hält. Die Paddles sind alleine deshalb schon unpraktisch, weil sie sich nicht mit dem Steuer mitdrehen. Wir lassen also schalten und fahren damit mehr als zufrieden. Bei jeder Kurve baut sich aufs Neue Vorfreude auf. Wir zelebrieren das Ein- und Ausfahren. Schneiden ein wenig die Gegenspur und lassen das filigrane Lenkradgestänge durch die Finger gleiten. Nach den ersten Kurven wird klar, warum Alfa uns einen Stelvio mit Sportsitzen aussuchte.

Autor

Foto

Alfa Romeo

Datum

17. März 2017
Dieser Artikel stammt aus Heft Firmenauto 05/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
5 4 3 2 1 5 5 2
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle Tests +++
+++ Alle News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • Branche
  • Auto
  • Management
  • ecoFleet
  • Recht/Steuer
  • Service
  • Firmenauto des Jahres