Audi RS6 Avant 15 Bilder Video Zoom

Fahrbericht: Audi RS6 Avant Quattro: Familienkombi im Renntrimm

Er ist verdammt schnell, verdammt teuer – und trotzdem völlig alltagstauglich. Vielleicht werden gerade deshalb die meisten Audi RS6 Avant als Firmenwagen verkauft.

Sie sind selbstständig oder Firmenchef, technikverliebt, Familienmensch und bringen ein überdurchschnittliches Einkommen nach Hause? Klarer Fall, Sie sind der typische Käufer eines Audi RS6 Avant. Wobei dieser Idealkunde der Marketingexperten mindestens 90.000 Euro netto locker machen muss, bevor er einen der schnellsten Lastentransporter aller Zeiten als Firmenwagen sein eigen nennen darf.

Porsche-Killer für den Fuhrpark

Das Fahrerlebnis lässt sich mit drei Buchstaben beschreiben: WOW! Nun ist es keine sonderliche Kunst, mit 560 PS beeindruckende Leistungen aufs Parkett zu legen. Natürlich fasziniert der Audi RS6 Avant durch seinen brachialen Antritt, der je nach Ausstattung vier oder fünf Passagiere samt großzügigem Reisegepäck in nur 3,9 Sekunden auf 100 km/h katapultiert. Selbst der Porsche 911 Carrera 4S braucht mit 4,7 Sekunden etwas länger und zieht erst in der Spitze an dem auf 250 km/h limitierten RS6 vorbei.

Sportliches Komplett-Paket

Doch im Grunde ist das Komplett-Paket aus rennwagenähnlichen Fahrverhalten, hohem Nutzwert und hervorragendem Langstreckenkomfort, das vor allem Vielfahrer dazu bringt, 40.000 Euro mehr als für den teuersten zivilen Audi A6 Avant, den 3.0 TDI Quattro nach Ingolstadt zu überweisen. Ganz nebenbei: So schlecht läuft der mit seinen 313 PS und 250 km/h Spitze nun auch nicht gerade.

Weniger Zylinder, mehr Durchzug

Mit dem neuen RS6 bekommt der Kunde nun ein Auto, das statt zehn nur noch acht Zylinder vorweisen kann und dem Audi zudem 20 PS Leistung geklaut hat. Wirklich schmerzen wird das aber niemanden, denn in Sachen Beschleunigung und Durchzugskraft lässt der Neue den Vorgänger alt aussehen. Schon bei 1.750 Umdrehungen wuchtet der mit einer Achtstufen-Automatik kombinierte Vierlitermotor 700 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle, 50 Nm mehr als der Vorgänger. Ein Liter weniger Hubraum, vier Zylinder, die sich bei geringer Last abschalten und vor allem eine Rundum-Diät, die 100 Kilo Gewicht einspart, senken den Verbrauch von 14,0 auf 9,8 Liter. Allerdings darf man hier eher von eine kosmetischen Korrektur ausgehen. Es erfordert schon ein gehöriges Maß an Selbstkasteiung, will man in der Praxis auch nur annähernd in die Nähe des Normverbrauchs kommen. Oder Selbstdisziplin: Dieses Auto reagiert so sensibel auf jeden Millimeter Gaspedaldruck, dass man eigentlich immer jenseits des erlaubten Tempolimits fährt.

Dank Luftfederung auch komfortabel unterwegs

Was nicht heißt, dass man mit dem RS6 immer rasen muss. Zwar hat Audi unter der Alukarosserie ein strammes und um 20 Millimeter tiefer gelegtes Sportfahrwerk verbaut. Das verleiht dem Auto eine Kurvendynamik, die speziell in Sportstellung weit über die Ansprüche des Otto-Normalfahrers hinausgeht. Die Luftfederung lässt sich aber auch auf „Komfort“ stellen und spricht dann äußerst sensibel und rückenschonend an. Sollten Ambitionen nach neuen Rundenrekorden auf der Nordschleife aufkommen, empfiehlt sich die verschärfte Plus-Variante des Sportfahrwerks (800 Euro) mit Dynamic Ride Control. Dessen dreifach einstellbare Dämpfer sind über Kreuz miteinander verbunden. In schnellen Kurven stützt es das belastete, kurvenäußere Vorderrad stärker ab und reduziert so die Seitenneigung.

Dynamikpaket für Tempo 305

Weiter steigern lässt sich der Spaß mit Keramikbremsen (6.932 Euro), Dynamiklenkung (966 Euro) oder elektronischem Hinterachsdifferenzial (882 Euro). Am besten ordert man gleich das 10.840 Euro teure Dynamik-Paket. Dann läuft der Audi 305 km/h Spitze und lässt die 911er-Fraktion endgültig hinter sich. Sollte das doch das Budget überfordern, so macht Audi für 1.260 Euro den Motor bis 280 km/h auf. Die Rennsporttechnik tarnt sich zwar im zivilen Kombi-Look. Doch gewaltige Öffnungen neben dem Wabenkühler, über die sich der Biturbo die Luft gleich hektoliterweise reinschnorchelt, breite Schweller sowie ausgestellte Radläufe deuten an, was Sache ist unterm Blech.

Edle Materialien und technische Finessen

Innen macht der RS6 ebenfalls auf Muskelmann. Fein abgesteppte Sitzen mit breiten Seitenwangen, jede Menge Karbon- Alu- und Klavierlackdekors sowie das unten abgeflachte Lenkrad lassen echtes Sportwagen-Feeling aufkommen. Eine noble Ausstattung bis hin zum Soundsystem gibt’s serienmäßig, aber auch jede Menge Extras wie Nachtsichtassistent oder Head-up-Display sind erhältlich. In Vollausstattung, wie sie bei Firmenwagen oft üblich ist, kommen dann schnell 130.000 Euro und mehr zusammen.

Nur als Kombi erhältlich

Übrigens wird es die RS-Version des Audi A6 nur noch als Kombi geben. Und auch nur in Europa. Für den Rest der Welt steht schon der RS7Sportback in den Startlöchern. Man darf gespannt sein, welchen Musterkunden sich die Marketingstrategen hier zurechtschnitzen.

Autor

Foto

Audi

Datum

10. Mai 2013
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