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Fahrbericht Chevrolet Malibu: Ungleicher Zwilling

Mit dem Chevrolet Malibu steigt die koreanisch-amerikanische GM-Tochter ins europäische Mittelklassegeschäft ein. Die technische Basis liefert hierfür der Opel Insignia.

Unter den Liebhabern amerikanischer Fahrzeuge ist der Chevrolet Malibu ein fester Begriff. Das amerikanische Mittelklassemodell ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten schon seit 1964 auf dem Markt und war bei uns – wenn auch nur in homöopathischen Dosen – vereinzelt vorzufinden. Die soeben neu vorgestellte achte Generation gibt es jetzt auch ganz offiziell in Europa und will mit einem günstigen Preis-Leistungsverhältnis für Furore sorgen. Mit den mächtigen US-Kreuzern samt Sprit fressenden V8-Motoren von einst hat das neue Modell zum Glück nichts mehr gemeinsam, denn die technische Plattform stammt vom Opel Insignia. Preislich liegt der Malibu sogar gut zehn Prozent unter seinem deutschen Genspender und ist bei weitem umfangreicher ausgestattet. Los geht's bei netto 25.202 Euro, Fuhrparkmanger könnten eigentlich jetzt schon Jubeln, allerdings gibt es den Chevrolet nur als viertürige Stufenhecklimousine. Ein praktischer Kombi ist nicht geplant.

Der 4,87 Meter lange und in Südkorea gefertigte Malibu entpuppt sich als Meister der Tarnung. Von Außen deuten nur sehr wenige Details auf die bestehende deutsche Patenschaft hin, denn bei der Gestaltung der zeigt er viel Eigenständiges. Die Front- und Heckpartie, verziert mit voluminösem Kühlergrill sowie unterteilten Heckleuchten, trägt eindeutig US-amerikanische Züge. Und wer den Malibu einmal geentert hat, kann sich über jede Menge Bewegungsfreiheit freuen. Genauso ordentlich dimensioniert erweist sich das Gepäckabteil mit 545 Litern, welches sich durch Umklappen der asymmetrisch geteilten Rücksitzlehnen erweitern lässt. Kleiner Wermutstropfen: Die hohe Ladekante erschwert das Be- und Entladen.

Der Innenraum selbst präsentiert sich aufgeräumt und mit teilweise aufgeschäumten Materialien auch recht ansehnlich. Die blau beleuchteten Instrumente wirken etwas verspielt, lassen sich aber gut ablesen und sind dem aktuellen Camaro Coupé nachempfunden. Auf den Vordersitzen sitzt es sich bequem und man findet schnell eine geeignete Position hinterm Lenkrad. Allerdings gewährt das Mobiliar nur wenig Seitenhalt und Großgewachsene würden sich von ihm mehr Oberschenkelauflage wünschen.

Dafür wurde beim Malibu nicht an Ablagemöglichkeiten gespart. Davon hat der Malibu genug. Selbst dort, wo man überhaupt keine vermutet: hinter dem Bildschirm des Navis. Wird der mittlere Knopf unter der Infotainment-Einheit gedrückt, schwingt das schmale Touchscreen-Display nach oben und gibt ein großes, brauchbares Staufach frei. Für Wohlgefallen sorgt die üppige Ausstattung des Basismodells, die mit unter anderem elektrisch verstellbaren Vordersitzen, einem sieben Zoll großen Navi, einer Klimaautomatik und Alu-Rädern erfreulich komplett ist. Da Bluetooth, ein Aux- und ein USB-Anschluss ebenfalls zur Standartausrüstung gehören, fasst sich die Liste der lieferbaren Optionen sehr kurz. Lediglich Metallic-Lack (412 Euro) steht im Angebot, das war's schon. Auf moderne Fahrerassistenzsysteme verzichtet der Chevrolet jedoch. Unverständlich, da der Malibu auf der gleichen sogenannten Epsilon-Plattform wie der Opel Insignia rollt und es für Chevy nur einen kleinen Griff ins GM-Konzernregal bedeutet hätte.

Wer zudem beim Malibu das gleiche ausgewogene und harmonische Fahrverhalten des Rüsselsheimers erwartet, wird enttäuscht. Nur träge reagiert der Chevrolet auf Lenkbefehle und das auf der Hinterhand poltrige Fahrwerk legt ein schwammiges Fahrverhalten an den Tag. Zudem ist das Motorenangebot mit nur einem Benziner und einem Turbodiesel sehr übersichtlich. Der 2,4-Liter Ottomotor wirkt in Anbetracht seiner stolzen Leistung von 167 PS merklich zugeknöpft und kann nicht überzeugen. Wesentlich mehr Spaß vermittelt dagegen der von Opel in Kaiserslautern gebaute Zweiliter-Turbodiesel. Seine 160 PS treten munter an und verfügen über ordentliche Kraftreserven. Der kernig klingende Selbstzünder soll im Schnitt nur 5,1 Liter schlucken. Mit der schnellen sowie ruckfreien Sechsstufenautomatik sind es sogar nur 0,3 Liter mehr. Neben seiner vollständigen Ausstattung und dem günstigen Preis weitere Pluspunkte für den US-Koreaner. Die unausgegorene Performance hinsichtlich Lenkung und Fahrwerk muss man allerdings mögen. Hier herrscht – genauso wie bei den Assistenzsystemen – noch reichlich Spielraum für Verbesserungen. Wie es besser geht, beweist Opel.

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Chevrolet

Datum

17. September 2012
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