Fiat Tipo Kombi 22 Bilder Zoom

Kaufberatung Fiat Tipo: Italienischer Preisbrecher

Der Fiat Tipo ist der neue Preisbrecher in der Kompaktklasse. Dass billig auch gut sein kann, zeigt der Modellcheck des Kombis. Wir nennen Stärken und Schwächen des Italieners und sagen, welche Ausstattung er als Firmenwagen haben sollte.

Mit dem Tipo meldet sich Fiat in der Kompaktklasse zurück. Dort wollen die Italiener lange nach den weniger erfolgreichen Modellen Stilo und Bravo endlich wieder Fuß fassen. Diesmal könnte es besser laufen. Das Konzept ist stimmiger und ein verlockend günstiger Preis könnte vor allem kostenbewusste Flottenbetreiber ins Fiat-Lager locken. Den Tipo gibt es in drei Karosserievarianten, die alle Platz in Hülle und Fülle mitbringen. Die Stufenhecklimousine startet bei preiswerten 11.955 Euro, der Fünftürer ist nur 860 Euro teurer und als Kombi geht der Tipo für schlanke 13.655 Euro über den Ladentisch. Das ist eine klare Ansage in der hart umkämpften Golf-Klasse, in der die meisten Konkurrenten höhere Preise aufrufen.

Aber was taugt der italienische Billigheimer und welche Varianten und Extras sind zu empfehlen? Also erst mal einsteigen und genauer hinschauen.

Hart im Geben, robust im Nehmen

Nett ist der Fiat eingerichtet. Auch modern, mit gut ablesbaren Instrumenten samt umfangreichem Bordcomputer, dessen Daten auf ein kleines Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser gespielt werden. Natürlich erwarten wir in dieser Preisklasse kein Luxus-Ambiente, weshalb die harten Kunststoffe für uns in Ordnung gehen. Die Oberflächen sind zwar nicht geschmeidig, aber alles erfüllt seinen Zweck und wirkt wirklich robust. Darüber hinaus glänzt der Fiat mit einer passgenauen Verarbeitung. Nur das recht hart gepolsterte Mobiliar will nicht so ganz überzeugen. Besonders die Vordersitze sehen besser aus, als sie sind. So fehlt es langbeinigen Personen an ausreichender Schenkelauflage, und richtigen Seitenhalt geben sie auch nicht. Und wer nach einem Fahrerwechsel die Sitzlehne neu justiert, meckert über die viel zu grobe Rasterung

Ebenso müssen sich Neuankömmlinge im Fiat an so manche andere Eigenheit gewöhnen. Um den Scheibenwischer einzuschalten, muss man an dem Lenk­stock­hebel drehen. Typisch Fiat eben. Radio­sen­der oder Lautstärke lassen sich von dem Multifunktionslenkrad aus ein­stel­len. Wenn man weiß, wo die Tasten sind. Die verstecken sich nämlich auf der Rückseite des Volants. Im Alltag ist das dennoch kein Problem, man muss nur wissen, wie’s geht.

Auch das üppige Raumangebot überzeugt. Vorne fühlen sich Großgewachsene wohl und hinten reicht das Gebotene bis zu einer Körpergröße von knapp über 1,80 Metern. Ärgerlich ist nur, dass sich die Kopfstützen im Fond nicht hoch genug ausziehen lassen.

Große Klappe, viel dahinter

Nicht nur die Passagiere haben genügend Platz, auch jede Menge Ladegut lässt sich unterbringen. Der Kofferraum schluckt 550 Liter und liegt vom Volumen her auf einem guten Level. Topfebene 1.650 Liter werden es nach dem Umlegen der asymmetrisch geteilten Rücksitzlehnen. Man merkt, dass sich die Entwickler Gedanken um Alltagstauglichkeit machten.So hilft die niedrige, von einer Kunststoffleiste geschützte Ladekante dabei, wenn man schweres Gepäck in den Kofferraum wuchten muss. Und unter dem höhenverstellbaren, doppelten Ladeboden verbirgt sich ein großes Staufach. Richtig praktisch: Beim Ein- und Ausladen bleiben beide Hände frei da, da der Deckel in seiner obersten Position einrastet.

Der Flottenmanager kann beim Tipo zwischen drei Ausstattungslinien wählen: Pop, Easy und Lounge. Das Basismodell Pop bringt schon Klimaanlage, Radio, höhenverstellbaren Fahrersitz oder die beim Kombi praktische Dachreling sowie den doppeltem Ladeboden im Kofferraum. Erst ab dem zweiten Niveau ­Easy ist dagegen werksseitig die dritte Kopfstütze hinten montiert. Auch bietet die Ausführung Easy mit einem Fünfzoll-Touchscreen und Bluetooth oder dem erwähnten Multifunktionslenkrad mehr Annehmlichkeiten.

Vor allem aber hat der Easy das Multimediasystem namens Uconnect Live an Bord. Dahinter verbirgt sich ein Radio mit fünf Zoll großem Touchscreen oben auf der Mittelkonsole, das sich für 630 Euro um ein Navisystem sowie die Rückfahrkamera erweitern lässt. Der Navi-Prozessor ist zwar nicht der Schnellste und lässt sich Zeit, wenn er eine Route berechnet. Doch das von Tom Tom gelieferte System arbeitet zuverlässig und leitet sicher ans Ziel.

Trotzdem lohnen sich die 840 Euro für den Tipo Easy nur dann, wenn man keine weiteren Extras möchte. Einige lassen sich zwar dazuordern, doch unterm Strich fährt man dann mit der Topversion Lounge günstiger.

Als Lounge ist der Tipo die beste Wahl

Die bringt für verhältnismäßig günstige 840 Euro viele nützliche Dinge serienmäßig mit, unter anderem Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer mit Abbiegefunktion, Alu-Räder und einen größeren Bildschirm. Außerdem lassen sich dann Smartphones über den USB-Anschluss einbinden. Dann stehen ein Inter­net­radio, die eigene Musik-Playlist bis hin zu Verkehrsmeldungen in Echtzeit zur Verfügung. Darüber hinaus können ­Apple-User die Sprachsteuerung ­Siri nutzen und die virtuelle Dame per ­Knopfdruck am Lenkrad nach dem Wetterbericht oder den Börsenkursen fragen. Die Smartphone-Vernetzung funktioniert aber nicht nur mittels Apple Carplay, sondern gelingt auch über Android Auto. Das Navi kostet dann 832 Euro, inklusive DAB-Radio.

Aber eigentlich hat der Tipo andere Prioritäten: Er ein Kompakter mit hohem Praxisnutzen zu besonders preiswerten Konditionen. Trotzdem bietet Fiat für die Lounge-Version sogar Lederpolster an. Den Hauch von Luxus gibt es inklusive Sitzheizung vorne zu einem moderaten Aufschlag von nur 718 Euro. Und wer weitere 1.050 Euro ins Lounge Business Paket investiert, erhält zudem eine Rückfahrkamera mit Parksensoren hinten und hört Radiosender in digitaler DAB-Qualität. Zusätzlich kann sich der Fahrer die Lordosenstütze elektrisch einstellen. Dieses Top-Paket ist Ihnen zu teuer und eigentlich möchten Sie gar nicht so viel Schnickschnack? Kein Problem, es gibt noch drei weitere Pakete für den Lounge, die in abgespeckter Form um einiges günstiger sind. So dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Wenig weitere Extras und Sicherheit

Bei anderen, gängigen Extras muss der Tipo allerdings passen. Gespann-Fahrer werden eine ab Werk verbaute Anhängekupplung vermissen. Da muss selbst der Fiat-Partner des Vertrauens in das Zubehör-Regal greifen. Ein Schiebe- oder Pano­rama­dach ist auch nicht zu bekommen. Genauso mager fällt das Angebot an Fahrassistenten aus. Der klassenübliche Spurhalter fehlt ebenso wie ein Totwinkel-Warner. Fiat beschränkt sich auf die City-Notbremse und einen radargestützten Tempomaten, der zuverlässig den Abstand zum Vordermann einhält. Beides findet sich im Sicherheitspaket Plus (412 Euro), das in keinem Firmenwagen fehlen sollte.

Womit wir beim Fahren angekommen sind. Zwei Benziner und zwei Diesel mit einer Leistung von jeweils 95 und 120 PS müssen reichen. Wir empfehlen speziell für den schwereren Kombi den stärkeren Selbstzünder, der sich mit 1,6 Liter Hubraum leichter tut als der Einstiegsdiesel mit nur 1,3 Liter Hubraum. Außerdem wird er bereits in der Easy-Ausstattung ausgeliefert. Kostenpunkt: 17.185 Euro. Allerdings kommt der 120-PS-Motor nur etwas zaghaft in Fahrt. Bis sich der Tipo-Neuling an dieses Turboloch.

Plus

Günstiger Preis, dadurch geringer Wertverlust, geringe Betriebskosten, gutes Platzangebot, großer Kofferraum, schicker Innenraum, einfache Bedienung, durchzugskräftiger Dieselmotor, sichere Fahreigenschaften, vier Jahre Garantie

Minus

Diesel mit Anfahrschwäche, völlig unrealistischer Normverbrauch, unpräzise Schaltung, schwammige Lenkung, steifbeiniges Fahrwerk, zu wenig Fahrerassistenten lieferbar, Verstellbereich der hinteren Kopfstützen zu gering, leichte Schwächen in der Bedienung

Dieser Artikel stammt aus Heft Firmenauto 05/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

Autor

,

Foto

Marc Frauendorf

Datum

25. April 2017
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