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Fahrbericht Ford Mondeo: Gepäckträger für sportliche Außendienstler

In den USA ist der neue Mondeo schon seit zwei Jahren unterwegs, jetzt kommt er endlich nach Europa und sogar als Hybrid-Ableger. Damit trifft er nahezu zeitgleich auf seinen härtesten Widersacher, den ebenfalls neuen VW Passat. Ob sich das lange Warten auf den Kölner gelohnt hat, klärt der Fahrbericht.

Ja, er kommt spät, aber das nicht ohne Grund: Eigentlich sollte die vierte Generation des Mondeo schon letztes Jahr debütieren und seinen 2007 gestarteten Vorgänger in den wohlverdienten Ruhestand schicken. Wegen der Schließung des belgischen Ford-Werks in Genk musste jedoch die europäische Mondeo-Produktion ins spanische Valencia verlegt werden. Das hat hinsichtlich Organisation und Logistik viel Zeit in Anspruch genommen. Auch die Markteinführung erfolgt in Etappen. Die ersten Fahrzeuge rollen im November zu uns, offiziell startet er hingegen erst im Februar 2015. Den Mondeo gibt es als fünftürige Limousine, als Kombi Turnier – der machte bisher einen hohen Marktanteil von rund 80 Prozent aus. Eine Stufenheckversion gibt es auch, die bleibt in Deutschland einzig dem Mondeo Hybrid vorenthalten.

Der Mondeo bleibt ein Riese

Richtig schick sieht er aus, der neue Mondeo. Er trägt scharf geschnittene Kanten und ist etwas flacher als sein Vorgänger. Mit seinem breiten Kühlergrill nebst seinen sehr schmalen Scheinwerfern wirkt der Neue fasst wie ein Sportwagen-Ableger aus der Schmiede von Aston Martin. Das bringt optisch viel Dynamik. Der Mondeo ist stolze 4,87 Meter lang, damit sprengt er beinahe das Mittelklassesegment. Gleiches gilt für den Radstand von 2,85 Metern, der gegenüber dem neuen VW Passat um sechs Zentimeter länger ist.

Gepäckabteil beim Turnier OK, ansonsten sehr viel Platz

Der Kofferraum beim Mondeo Turnier schluckt mit 525 bis 1.630 Litern nicht soviel wie der Klassenprimus Passat Variant (650-1.780 Liter), was aber immer noch sehr ordentlich ist. Dafür gibt es im Innenraum mehr als genug Platz für alle fünf Insassen. Davon sogar reichlich, denn das Platzangebot ist selbst beim coupéhaft anmutenden Fünftürer großzügig und wird vom Turnier naturgemäß in Sachen Kopffreiheit sogar noch überboten. Da die Rückenlehnen der Vordersitze eine geschickte Aussparung aufweisen, fällt der Knieraum bei beiden Modellen sogar noch etwas üppiger aus als bei seinen nicht minder spendablen Vorgängern. Wer möchte, schlägt hinten die Beine locker übereinander und genießt die feudale Weite. Vorne umschließen den Fahrer die in unserem Testwagen verbauten Sportsitze fest und geben viel Halt. Das erfreut den Außendienstler gleichermaßen wie seine mitfahrenden Kollegen.

Leichte Schwächen bei der Handhabung

Das solide anmutende Cockpit hinterlässt insgesamt einen ansprechenden Eindruck, jedoch leistet sich der Mondeo kleinere Schwächen im Detail. So wurde die Mittelkonsole von ihrer Knöpfchenflut zwar sichtbar aufgeräumt, die übrig geblieben senkrechten Tasten für die Klimaregelung sehen aber alle gleich aus. Das erfordert von Neuankömmlingen im Mondeo bei der Bedienung eine Eingewöhnungszeit. Eine eindeutigere Tastatur-Kennzeichnung wäre besser gewesen. Außerdem muss zur Luftverteilung, die in einem Untermenü versteckt ist, immer der große Touchscreen bemüht werden.

Ebenso wenig zweckmäßig erweist sich die etwas verspielte Instrumentierung mit bis zu drei kleinen LCD-Farbdisplays. Sie wirkt überfrachtet, erfordert unnötige Konzentration und lenkt unnötig ab. Auch der verwendete Material-Mix enttäuscht ein wenig. Während an Cockpit und Türen aufgeschäumte Kunststoffe ein wohnliches Ambiente versprühen, wirkt der harte Deckel des Handschuhfachs dagegen sehr einfach sowie einem Mittelklasseauto unwürdig. Und die stämmigen Innenverkleidungen der A-Säulen suggerieren zwar ein gutes Sicherheitsgefühl, sie schränken aber schlichtweg das Blickfeld des Fahrers ein.

Erster mit Gurtairbags im Segment

Dagegen leistet sich der Mondeo bei der grundsätzlichen Sicherheit keine Schwächen. Im Gegenteil, er hat neben einem serienmäßigen Fahrerknieairbag etliche Assistenzsysteme mit im Portfolio und legt sogar noch anständig einen drauf. Denn die Kölner bieten als erster Hersteller in der Mittelklasse ein Gurtairbag-System für den Mondeo an. Das Sicherheitsfeature für die Außenplätze im Fond soll bei einem Aufprall das Verletzungsrisiko im Brust- und Halsbereich minimieren und kostet netto 252 Euro extra. Richtig lobenswert, das bietet sonst nur die S-Klasse von Mercedes. Abgerundet wird das Angebot beim Mondeo mit LED-Scheinwerfern. Die gibt es zusammen im Paket mit einer elektrisch öffnenden Heckklappe einschließlich schlüsselloser Fernbedienung (Key free) zum Preis von 1.386 Euro.

Das Motoren-Angebot wird noch erweitert

Zum Verkaufsbeginn ist das Motorenangebot mit drei Benzinern, drei Dieseln sowie dem Hybriden umfassend. Im nächsten Jahr folgen noch Allradversionen, ein Biturbo-Diesel mit 210 PS sowie der aus Fiesta und Focus bekannte Einliter-Dreizylinder mit 125 PS. Auf den sind wir übrigens schon jetzt sehr gespannt, wie er sich im Ford-Flaggschiff schlägt.

Der 180 PS-Turbodiesel ist kräftig und sparsam

Aber zurück zum aktuellen Angebot. Der gefahrene Mondeo Turnier 2.0 TDCi bringt in seiner stärksten Ausbaustufe jetzt 17 PS mehr mit und leistet 180 PS. Der leise und kultiviert laufende Selbstzünder zeigt sich früh einsatzbereit und verfügt mit einem maximalen Drehmoment von 340 Nm bei 2.000 Umdrehungen pro Minute über ordentliche Kraftreserven. Der ermittelte Verbrauch von im Schnitt 6,3 Litern ist – gemessen an der hohen Leistung – völlig in Ordnung. Darüber hinaus ist der TDCi elastisch und lässt sich schaltfaul bewegen, obwohl die Sechsgang-Box mit ihren kurzen und exakten Wegen viel Spaß bereitet. Für Schaltunwillige steht beim Diesel eine Sechsstufen-Automatik für 1.681 Euro bereit, beim Benziner ist es ein Sechser-Doppelkupplungsgetriebe. 

Ein weiteres Filet-Stück: das perfekt abgestimmte Fahrwerk

Neben dem laufruhigen Zweiliter-Diesel ist das Fahrwerk ein weiteres, sehr überzeugendes Highlight. Auf kurvenreichen Strecken klebt der Mondeo förmlich auf dem Asphalt, nimmt Biegungen aller Art nahezu neutral und sehr präzise. Gleiches gilt für die neuentwickelte elektrische Servolenkung, die dem Fahrer viel Rückmeldung vermittelt. Trotz aller Sportlichkeit ist der Mondeo nicht nur etwas für eilige Dienstwagenfahrer, sondern besitzt außerdem einen hohen Fahrkomfort. Selbst derbe Unebenheiten meistert er gekonnt und bügelt sie einfach glatt. Ohne Frage, der Spagat zwischen Komfort und Agilität ist den Kölnern auch beim Mondeo gelungen, das beherrschen sie seit Jahren in Perfektion.

Hybrid nur als Stufenheckversion

Selbst der Mondeo Hybrid weist eine hohe Fahrdynamik auf, obwohl er zum Sparen verdammt ist. Er ist der einzige Viertürer im Programm. Die Gesamtsystemleistung beträgt 187 PS. Für den Antrieb sorgen ein Zweiliter-Benziner mit 177 PS im Verbund mit zwei Elektromotoren. Während eine Elektromaschine den Verbrenner unterstützt, lädt die zweite beim Bremsen die 1,4 kWh Lithium-Ionen Batterien. Die befinden sich im Kofferraum direkt hinter der Rückbank. Das Gepäckabteil fasst immerhin noch 429 Liter, durch die Anordnung der Akkus ist es aber stark zerklüftet. Zur elektrischen Reichweite veröffentlicht Ford übrigens keine Werte, aber ein paar Kilometer schafft es der Mondeo Hybrid im Elektro-Modus. Dann meldet sich der Benziner ruckfrei zu Wort und nimmt leise seine Arbeit auf. Nur 4,2 Liter soll der Hybrid verbrauchen, preislich orientiert er sich mit 29.370 Euro am 150 PS-Diesel in der gehobenen Titanium-Ausstattung.

Attraktive Konditionen für die Flotte

Mit dem Mondeo hat Ford nicht nur Privatkunden im Visier, sondern ganz besonders die Flotte. Schließlich lag der gewerbliche Anteil bei seinem Vorgänger bei über 60 Prozent. Wolfgang Kopplin, Ford-Geschäftsführer für Marketing und Vertrieb, ist sich absolut sicher, dass im Neuen viel Eroberungspotential steckt. Dafür sorgt ein lukratives Paket. So ist der Mondeo ausstattungsbereinigt nicht teurer geworden und die Service-Intervalle für den beliebten Zweiliter-Diesel wurden um 10.000 auf 30.000 Kilometer angehoben. Das senkt, so Kopplin, schon einmal die Wartungskosten um 25 Prozent. Doch bevor jetzt Fuhrparkmanager zum Telefonhörer oder geradewegs zum Bestellformular greifen, sollten sie noch wissen, dass es für kleinere und mittlere Gewerbe eine 0,99 Prozent Finanzierung gibt. Alternativ sollen attraktive Leasingangebote mit einer Fullservice-Zielrate die Flottenverantwortlichen ins Mondeo-Lager hinüber locken.

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Ford

Datum

24. Oktober 2014
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