Honda Civic 17 Bilder Zoom
Foto: Honda

Fahrbericht Honda Civic: Die Länge macht’s

Der Honda Civic hatte immer was von fliegender Untertasse. So futuristisch schaut der Neue nicht mehr aus, eher richtig sportlich. Was vor allem an den Proportionen liegt.

Junge, bist du groß geworden! Mit 4,52 Metern Länge steigt der neue Civic fast schon von der Kompakt- in die Mittelklasse auf. Honda streckte ihn um satte 14 Zentimeter, baute ihn zudem etwas breiter und flacher. Das kleine Design-Einmaleins geht auf, die neuen Proportionen verleihen ihm deutlich mehr Dynamik. Aus der Knutschkugel im Ufo-Look ist so ein richtig sportlicher Fünftürer geworden.

Auch der neue Civic soll polarisieren

Soweit, so gut. Aber müssen die riesigen Pseudo-Lufteinlässe im Stoßfänger wirklich sein? Die schwarzen Kunststoffflächen lassen keinen Luftstrom durch, sie sollen lediglich Eindruck schinden. Gleiches Spiel am Heck. Eine Spalte hier, eine scharfe Kante da und dann eben wieder riesige schwarze Kunststoffplatten, die Luftauslässe suggerieren. Mit Sport-Ausstattung ragen gar dicke, verchromte Doppelendrohre aus dem Diffusor. Übertrieben? Geschmacksache. Auf jeden Fall Kalkül. Wie beim Vorgänger will Honda auch mit dem neuen Civic die Autogemeinde spalten. Polarisieren. Das klappt. Während wir uns mit dem neuen Sport-Look noch nicht ganz anfreunden können, liebäugeln auf unserer Spritztour schon einige Passanten mit dem Honda, drehen sich neugierig um und schauen uns lange nach.

Vielleicht warten sie aber nur auf ein lautes Zischen oder heißeres Brabbeln, was man bei diesem Auftritt ja durchaus vermuten kann. Wenn der Civic aber wie in unserem Fall mit seinem 129 PS starken Einliter-Turbomotörchen anrückt, knattert er nur leise dreizylindrig. Bitte jetzt nicht falsch verstehen: Der kleine Motor läuft kultiviert. Ein Kompaktwagen ist damit ausreichend motorisiert, mit Sechsgang-Schaltung macht das Fahren sogar Spaß. Kurzum: Der 129-PS-Benziner an sich passt, aber passt er eben auch zu einem Auto, das so ausschaut, als käme es frisch vom Tuner?

1,5-Liter-Vierzylinder mit 182 PS

Zum Glück hat uns Honda noch den stärkeren 1,5-Liter-VTEC mitgebracht. Ebenfalls per Turbolader aufgepeppt, bringt es der Vierzylinder auf 182 PS. Serie ist eine Sechsgang-Schaltung. Optional bietet Honda für beide Benziner ein stufenloses CVT-Getriebe an. Dessen neue Steuerungssoftware simuliert Schaltvorgänge und unterdrückt weitestgehend das sonst so störende Dröhnen des Motors beim Beschleunigen. An den Komfort eines Doppelkupplungsgetriebes kommt das CVT-Getriebe allerdings nicht ran. Aber hey, dafür kostet es auch nur 1.092 Euro netto.

Für die nächste Ausfahrt bestehen wir dennoch auf den Handschalter. Per Startknopf springt der Turbobenziner an, ganz leise. Vom tiefen Sportsitz aus grenzt uns rechter Hand die hohe Mittelkonsole ein. Der niedrigere Schwerpunkt ist nur möglich, weil der Benzintank vom Fahrzeugboden nach hinten an die an sich übliche Position wanderte. Dafür musste Honda die beliebten Magic Seats über Bord werfen – ein Mechanismus, bei dem sich die Fondbank wie Kinositze zusammenklappen ließ. Praktisch bleibt der Fünftürer dennoch: 487 Liter Kofferraumvolumen bietet kein VW Golf und nicht einmal der Skoda Octavia. Liegen die Rücksitzlehnen flach, flutschen bis zu 1.267 Liter Gepäck über den ebenen Ladeboden. Dank verlängertem Radstand bekommen selbst größere Kollegen ihre Beine auf der Rückbank gut unter.

Fast alles läuft über den großen Touchscreen

Im Cockpit geht’s sachlicher zu als früher. Mittig sitzt der sieben Zoll große Touchscreen, über den der Fahrer so ziemlich alles bis auf die Klimaanlage steuert. Sogar die Lautstärke des Radios, was während der Fahrt nicht immer ganz einfach ist. Alternativ drückt der Fahrer auf die Lenkradtasten. Die wirken leider etwas billig, auch die Navi-Grafik reißt uns nicht vom Hocker. Smartphones lassen sich via Apple Car Play oder Android Auto koppeln, dienen also auch als Ersatz-Navigation. Das Mobiltelefon lädt derweil kabellos.

Jetzt aber los. Zweiter, dritter, vierter Gang: Den knuffigen Schaltknauf durch die kurzen Gassen zu drücken, macht richtig Laune. Ab 1.900 Touren liegt das maximale Drehmoment von 240 Nm an. Und der Civic 1.5 VTEC hält es bis 5.000 Umdrehungen. Gleichmäßig saugt er sich das Drehzahlband hoch, knurrt dabei kernig. Wer sportlich fährt, flippert zwischen drei- und fünftausend Touren. Das geht natürlich auf den Verbrauch. 5,8 Liter Super stehen im Datenblatt. Dreht man die Zahlen um, kommt man dem Realverbrauch schon näher.

Gelungen ist Honda auch die Lenkung: nicht zu weich und schön direkt. Passend zum Fahrwerk. Wer will, kann mit dem Civic zackig ums Eck jagen. Auf Geraden federt er derweil weich genug. Ein gelungener Mix. Optional bietet Honda erstmals adaptive Dämpfer mit einem Sport-Modus an. Der Civic rollt dann deutlich härter ab, gibt Unebenheiten nahezu ungefiltert weiter. Das hat ein bisschen was von Rennsport-Feeling.

16.798 Euro netto Euro verlangt Honda für den Einstiegs-Civic mit Dreizylinder-Benziner. An Komfortfeatures hat er dann noch nicht viel drin. Dafür Assistenzsysteme wie City-Notbremse, Spurhalte- und Fernlichtassistenten, Verkehrszeichenerkennung oder etwa den Abstandstempomaten, die sich andere Hersteller allesamt teuer bezahlen lassen. Auf den angekündigten 1,6-Liter-Diesel müssen Sie sich noch bis 2018 gedulden. Der Kombi hängt gar noch völlig in der Schwebe. Sicher ist dafür, dass auf den Fünftürer eine Limousine folgt. Die tritt im Übrigen nicht ganz so sportlich aggressiv auf wie der Fünftürer.

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Datum

8. Februar 2017
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