Hyundai H350 15 Bilder Zoom

Fahrbericht Hyundai H350: Im großen Stil

Hyundai wagt sich ins 3,5-Tonnen-Segment. Wie die Pkw ist auch der H350 von und für Europa konzipiert. Stellt sich die Frage: Kann Hyundai auch große Transporter? Exklusive Testfahrt.

Rums, flop. Rums, flop. Schon auf den ersten Metern stellen wir den H350 ungewollt auf eine Härteprobe. Die früher mal weißen Asphalt-Bremsschwellen auf den Straßen im türkischen Antalya sind so sehr mit abgeriebenem Reifengummi überzogen, dass sie die schwarze Teerfarbe angenommen haben. Und wir rumpeln ohne diese zu sehen mit Tempo 50 drüber. Umso erstaunter sind wir, wie gelassen Hyundais 3,5-Tonner die abrupte Erhöhung selbst unbeladen wegsteckt. Die Blattfedern an der starren Hinterachse spannen sich über 1,5 Meter und federn den 2,2-Tonner polterfrei über die Bodenwellen hinweg.

Handlicher Transporter mit kraftvollem Diesel

Auch auf den nächsten Testkilometern untermauert der H350, dass die Koreaner ihr Soloprojekt vom großen Lastesel mit Bedacht angegangen sind. Der Transporter folgt leichtfüßig unseren Lenkbefehlen. Mit seinem kleinen Wendekreis lässt er sich spielend durch das türkische Verkehrschaos manövrieren. Große Fensterflächen in der großzügig dimensionierten Fahrerkabine erleichtern uns die Übersicht.

Der 150 PS starke 2,5-Liter-Turbodiesel (Euro5), den die Koreaner schon im kleineren H1 einsetzen, rundet den positiven Fahreindruck ab. Ohne zu murren, schwimmt der H350 bei knapp über 1.000 Touren im Verkehr mit. Der VTG-Lader baut das Drehmoment von 373 Nm früh auf. Auf Gasbefehle reagiert der Hecktriebler prompt und klettert das Drehzahlband mühelos hoch. Vom Motor ist derweil kaum etwas zu hören, was an der guten Dämmung liegt.

Die Sechsgang-Schaltung gefällt mit kurzen, knackigen Schaltwegen. Der sechste Gang ist weit gespreizt, um auch Autobahnstrecken niedertourig zu bewältigen. Laut Hyundai gönnt er sich im Schnitt 8,1 Liter aus dem 75-Liter-Tank. Eine schnell ansprechende Start-Stopp-Automatik hilft serienmäßig beim Spritsparen. Wer mehr Power braucht, greift zur leistungsstärkeren Version des 2.5 CRDi mit 170 PS und 422 Nm Drehmoment.

Kastenwagen in zwei Längen und Hochdach

Zum Marktstart im Juni bietet Hyundai zunächst einen Kastenwagen in zwei Längen
(5,52 und 6,20 Meter) und Hochdach (2,69 Meter) sowie ein Fahrgestell als Basis für Kofferaufbauten an. In den nächsten Monaten will der Hersteller das Angebot mit Branchenlösungen ab Werk im Einrechnungsgeschäft ausbauen. 2016 folgt eine Busvariante mit 14 Sitzen.

In der kürzeren Transporter-Version mit 3,44 Meter Radstand verteilt der H350 auf 3,10 Meter Ladelänge 10,5 Kubikmeter Fracht, die mit 14 Ösen am Boden festgezurrt wird. Gegen Aufpreis biete Hyundai Ladungssicherungssysteme mit Verzurrschienen sowie ein Ladeschutzsystem und Regaleinbau vom Zulieferer Bott an.

Der lange Kastenwagen (3,67 Meter Radstand) bringt 70 Zentimeter mehr Laderaumlänge mit, das Volumen steigt auf 12,9 m³ – in Fracht umgerechnet, entspricht dies fünf Europaletten. Die nimmt der H350 sowohl über die Hecktüren (bis 270 Grad Öffnungs-winkel) auf als auch quer durch den 1,28 Meter Spalt der bis ins Hochdach ragenden rechten Schiebetür. Eine Schiebetür auf der Fahrerseite ist nicht erhältlich. Die maximale Nutzlast liegt bei 1.282 Kilo (kurzer Radstand) beziehungsweise 1.178 Kilo (langer Radstand). Wem das nicht reicht, der kann zusätzlich bis zu drei Tonnen Gewicht an den Haken nehmen.

Der Kastenwagen kostet ab 30.980 Euro

Beim Design gehen die Koreaner keine Risiken ein und schenken dem H350 ein seriöses Gesicht, das Vertrauen und Professionalität ausstrahlen soll. Das Cockpit ist ebenfalls konservativ gehalten und bietet alles, was der Kurier-Fahrer an seinem Arbeitsplatz benötigt: Ein im Pkw-Stil gehaltenes Armaturenbrett, bequem erreichbare Bedienhebel, elektrische Fensterheber, ein Bordcomputer sowie 25 Ablagen.

Die Arbeit erleichtern zudem aufpreispflichtige Extras wie Schwingsitz, Armlehnen, Klimaanlage, Tempomat, Radio samt Bluetooth-Freisprecheinrichtung, ein Navigations-system inklusive 8-Zoll-Touchscreen sowie eine Rückfahrkamera, die wahlweise das Bild im Rückspiegel oder auf dem Navi-Display anzeigt. Der größte Teil der Sonderausstattung ist erst ab der Profi-Variante buchbar (ab 32.550 Euro). Die Einstiegsvariante Eco startet ab 30.980 Euro. Ein vergleichbar ausgestatteter Ford Transit liegt mit 32.450 Euro etwas drüber. Hyundai lockt zudem mit drei Jahren Garantie ohne Kilometerbegrenzung.

Beim Thema Sicherheitsausstattung bringt der H350 die üblichen Features mit. Neben ABS, ESP und Fahrerairbag sowie Brems- und Berganfahrassistent ist eine dynamische Stabilitätskontrolle serienmäßig. Gegen Aufpreis gibt es einen Spurverlassenswarner, der den Fahrer akustisch warnt. Hat unser Testwagen sogar an Bord, doch wie die Bremsschwellen sind auch die Fahrbahnlinien auf den türkischen Straßen wegradiert.

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Hyundai

Datum

21. Mai 2015
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