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Fahrbericht Hyundai i10: Eine Klasse für sich

Mehr Platz, mehr Komfort und bessere Materialien: Der neue Hyundai i10 ist der Kleinstwagenklasse in vielen Punkten entwachsen – künftig aber fast 400 Euro günstiger.

Einen Seitenhieb Richtung Wolfsburg kann sich Hyundai-Deutschland-Chef Markus Schrick nicht verkneifen. Mit spitzbübischem Grinsen berichtet er von der IAA, als VW-Boss Martin Winterkorn am Hyundai-Messestand vorbeischlenderte und den neuen i10 "eine halbe Stunde von außen, innen und sogar unten" kritisch beäugte. Überrascht von der guten Qualität sei der Volkswagen-Chef mit seiner Vorstands-Truppe wieder abgezogen. Für Schrick Bestätigung genug, um den VW Up offen als Hauptkonkurrenten zu nennen.

Flottes Design, braves Cockpit

Optisch deutlich aufgepeppt steht der neue i10 ab Mitte November bei den Hyundai-Händlern. Markentypischer Hexagonal-Grill, scharf gezogene Seitenkanten und ein Dachkantenspoiler: Den einst biederen i10 verwandelt der Autobauer in einen modernen und flotten Kleinstwagen.

Innen geht’s sachlich und nüchtern zu. Die klassischen Rundinstrumente fallen groß aus und lassen sich gut ablesen. An der Mittelkonsole befinden sich die nötigsten Bedienknöpfe. Dementsprechend schnell finden wir uns hinterm Steuer zurecht. Die Sitze sind angenehm weich und gut geschnitten. Damit der i10 nicht zu brav und konservativ wirkt, tunkt Hyundai Armaturenbrett, Türverkleidungen und Sitzflächen großflächig in knallige Farben.

Viel Platz im Fond

Über die weit aufschwingenden Hintertürchen schlängeln wir uns auf die zweifarbige Rückbank und staunen über das üppige Platzangebot. Für einen nur 3,67 Meter langen Kleinstwagen (13 Zentimeter länger als der VW Up) bietet der ausschließlich als Fünftürer erhältliche i10 äußerst viel Beinfreiheit. Erst ab 1,85 Meter Körpergröße kleben die Knie der Hinterbänkler am Vordersitz. Überm Scheitel bleibt sogar bei Großgewachsenen noch Luft. Und das, obwohl sich der neue i10 mit sportlicherer Haltung um vier Zentimeter duckt.

Im Kofferraum bringt der kleine Koreaner 252 Liter Gepäck unter – laut Hersteller mehr als alle anderen in dieser Klasse. Bei umgelegter Rückbank (60:40) bleibt zwar eine störende Stufe stehen, dafür erweitert der Koreaner das Kofferraumvolumen auf 1.046 Liter. Ausreichend Platz für Pizza-Service, mobile Pflegedienste und Co., die Hyundai mit dem i10 im Visier hat.

Zwei Benziner mit 67 und 87 PS

Genug gedrückt, gesessen und geklappt, jetzt geht’s auf die Straße. Große Fensterflächen und Außenspiegel erleichtern beim Spurwechseln und Einparken den Überblick. Komfortabel federt der i10 Unebenheiten weg. Der Schalthebel gleitet sanft durch die Fünfgang-Box. Zum gelassenen Fahrvergnügen trägt zudem die gute Geräuschdämmung bei.

Nur der neue Dreizylinder-Benziner dringt mit knurrender Stimme in den Innenraum. Weil sich das 67 PS starke Einliter-Motörchen nur widerwillig aus dem Drehzahlkeller müht, muss es ständig auf Touren gehalten werden. Der 20 PS stärkere und altbekannte Vierzylinder-Benziner (87 PS) erweist sich als bessere Wahl. Das 87 PS starke 1.2-Liter-Triebwerk geht lebendiger und leiser zur Sache – verbraucht mit 4,9 Litern lediglich 0,2 Liter mehr. Die 1.0 blue-Variante mit Start-Stopp-Automatik begnügt sich mit 4,6 Litern.

8.361 Euro netto Einstiegspreis

Den Sparpreis von 8.361 Euro netto bietet Hyundai allerdings nur für den Dreizylinder ohne Start-Stopp an. Zum Serienumfang gehören Bordcomputer, Zentralverriegelung und ein höhenverstellbares Lenkrad. Der Vierzylinder startet erst in der zweithöchsten Ausstattungslinie Trend bei 10.184 Euro. Mit an Bord sind dann unter anderem CD-Radio mit USB-/Aux-Anschluss, Klimaanlage, elektrische Fensterheber und – in dieser Klasse eher untypisch – ein beheizbares Lederlenkrad.

Auf warme Hände könnten wir allerdings gut verzichten, wäre in der Aufpreisliste dafür ein in der Tiefe einstellbares Lenkrad aufgeführt. Das Lenkrad steht weit vom Oberkörper weg, ist nicht optimal auf jede Körpergröße einstellbar. Einen weiteren Punktabzug gibt es für die schlaffe Lehnenverstellung der Vordersitze. Gut möglich, dass Herrn Winterkorn bei seiner Sitzprobe zumindest ein kleines Lächeln übers Gesicht gehuscht ist.

Autor

Foto

Uli Sonntag

Datum

17. Oktober 2013
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