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Fahrbericht Infiniti Q50: Neuer Konkurrent für Audi, BMW und Mercedes

Ist in der Mittelklasse rund um Audi A4, 3er BMW oder Mercedes C-Klasse noch Platz für ein weiteres Premiummodell? Infiniti meint ja und schickt den Q50 ins Rennen um die Gunst der Firmenwagenfahrer.

Audi A4, 3er BMW, Mercedes C-Klasse – wenn Käufer eines Mittelklasse-Firmenwagens aus dem Premiumsegment wählen können, haben sie die Qual der Wahl. Kombi oder Limousine, Hybrid oder Diesel – aber Japaner? Die Frage stellt sich eher selten. Dass die Übermacht der deutschen Hersteller auf dem Markt der Firmenwagen kaum zu knacken ist, haben Toyota, Lexus und Nissan oft genug zu spüren bekommen. Trotzdem wagt Infiniti, die Nobeltochter von Nissan, mit dem Q50 einen neuen Versuch. Vom "Beginn einer neuen Ära" schwärmen die Manager der Marke, die bisher nur große Autos mit potenten Sechs- und Achtzylindern anbieten konnte und deren fünf deutsche Händler in den ersten neun Monaten 2013 gerade Mal 450 Autos verkauft haben.

Preislich auf bayerischem Niveau

Der Q50 startet ambitioniert zu Preisen ab knapp 29.000 Euro netto auf BMW- oder Audi-Niveau. Allerdings konnten wir nach unserer ersten Testfahrt feststellen: Größere Schnitzer haben sich die Entwickler des Q50 nicht erlaubt. Im Gegenteil: Die 4,79 Meter lange Limousine – ein Kombi ist nicht geplant – wirkt elegant und sportlich zugleich und zeigt, in welche Richtung sich die Marke in Zukunft optisch bewegt. Vor allem die weit nach hinten gezogene Kabine bringt frischen Schwung in die doch etwas gesichtslose Mittelklasse. Nebenbei gibt sie dem Auto auch noch eine für einen Hecktriebler nahezu optimale Gewichtsverteilung von 53 zu 47 Prozent.

Der Q50 ist zudem das erste Auto in dieser Klasse, das die Lenksäule nur noch für den Notfall an Bord hat. Stattdessen liefern Kabel die Lenkbefehle an die Stellmotoren der Vorderräder. Der Fahrer kann einstellen, ob er lieber leicht- oder schwergängig, straff oder eher indirekt lenken will. Dabei filtert die Steer-by-wire-Technologie auf Holperstraßen Vibrationen und Schläge so effizient heraus, dass nichts davon am Lenkrad ankommt. Was auf Dauer für ermüdungsfreieres Fahren sorgen soll, ließe sich mit einem adaptiven Fahrwerk möglicherweise noch steigern. Ein solches bieten die Japaner allerdings nicht an, obwohl die von uns gefahrenen, straff ausgelegten Sport-Versionen des Q50 mit ihren flachen 19-Zoll-Niederquerschnittsrädern (Serie: 17-Zoll) den Passagieren einiges abverlangt.

Hybridantrieb mit 364 PS

Andererseits passt das stramme Fahrwerk zur Charakteristik des Antriebs. Zumindest, wenn unter der langen Motorhaube ein Hybridmotor arbeitet. Dieser weitgehend vom M35h übernommene Sechszylinder richtet sich weniger an Spritsparer denn an Fahrer, die im Geschäftswagen Spaß an viel Leistung haben. Immerhin rennt der 364 PS starke Hybride in nur 5,1 Sekunden von auf 100 km/h und zeigt damit sogar dem Porsche Panamera Hybrid die Rücklichter. Dabei schaltet das System wie schon im M35h souverän und nicht wahrnehmbar zwischen dem 302 PS starken Benziner und dem 67 PS starken Elektromotor hin und her.Ein Allradantrieb ist für 1.000 Euro Aufpreis zu haben.

Für die breite Masse der Dienstwagenfahrer ist aber der 170 PS starke Diesel die interessantere Variante. Der Motor ist ein alter Bekannter. Er wird samt Getriebe – sowohl Handschaltung als auch Siebengang-Automatik - von Daimler beigesteuert, wo er schon lange unter anderem im Mercedes C 220 CDI Dienst tut. Dass Infiniti den Motor an die sportlicheren Ansprüche der Marke angepasst hat, ist kaum spürbar. Der Vierzylinder erweist sich auch im Q50 als ehrlicher Handwerker. Unter Druck schwingt er sich auch mal zu Höchstleistungen auf. Aber so richtig wohl fühlt er sich eher, wenn man ihn nicht allzu viel abverlangt.

Kofferraum fällt im Klassenvergleich mager aus

Trotzdem passt er gut zum Charakter des Autos, das sich mit angemessenem Raumangebot und sehr gut gedämmter Karosserie als angenehmes Langstreckenauto erweist. Einzig der nur 400 Liter kleine Kofferraum (Hybrid: 310 Liter) könnte sich als Manko erweisen, zumindest wenn öfters Kollegen oder die Familie mitfährt. Die wichtigsten Assistenzsysteme wie Totwinkelwarner, Radartempomat und aktiver Spurhalteassistent mit Lenkeingriff gibt es nur Paket für 2.185 Euro. Mit dabei ist auch ein Kollisionswarner mit Notbremsfunktion. Er überwacht Geschwindigkeit und Abstand des vorausfahrenden Autos und reagiert sogar, wenn dessen Vordermann plötzlich bremst.

Bedient wird das Ganze relativ selbst erklärend über klassische Knöpfe sowie zwei Touchscreens, die im oberen Teil des hochwertig verarbeiteten Cockpits sitzen. Auf dem oberen Bildschirm läuft die Navigation (2.016 Euro), über den unteren Monitor lässt sich das Auto konfigurieren. Als erste Online-Funktionen bietet Infiniti Google Search und Facebook, weitere Apps sollen folgen.

So eng der Markt in der Mittelklasse ist – mit seinem etwas extravaganteren Auftreten könnte der Infiniti noch eine Lücke finden. Fahrer, die sich aus der breite Masse abheben wollen, müssen dafür nicht einmal einen weiteren Premiumaufschlag bezahlen – sofern die Marke bald vernünftige Leasing- und Wartungspakete schnürt.

Autor

Foto

Infiniti

Datum

14. Oktober 2013
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