Jeep Grand Cherokee 10 Bilder Zoom

Fahrbericht Jeep Grand Cherokee: Dem Häuptling das Näschen gepudert

Mit neuentwickelter Achtgangautomatik, einem optimierten Turbodiesel sowie strafferen Gesichtszügen schickt Jeep den gelifteten Grand Cherokee in seinen zweiten Lebensabschnitt.

Unter allen Luxus-SUV gilt der Jeep Grand Cherokee als der Stammesälteste, er ist schon seit 21 Jahren im Geschäft und mit ihm begründeten die Amerikaner damals ein neues Segment. Die vierte Generation befindet sich seit 2010 auf dem Markt. Längst aber schlägt sich der US-Häuptling nicht mehr alleine durch sein On- und Offroad-Reservat. Im Gegenteil, es tummeln sich viele Dickschiffe vom Schlage eines Audi Q5, BMW X5 oder Mercedes M-Klasse um ihn herum.

Nach Nordamerika ist aber gerade Deutschland für die Allrad- und Geländeprofis der zweitwichtigste Markt. Seit dem Debüt des letzten Grand Cherokee haben sich bei uns die Absatzzahlen nahezu verdreifacht – wer hätte das gedacht. Um die positive Tendenz nicht zu gefährden, knöpften sich die US-Boys ihr Flaggschiff noch einmal vor und renovierten es gründlich. Nur ungern möchte man sich hierzulande das Wasser von anderen abgraben lassen.

Vorne bullig, hinten zahm

Optisch hat der Grand Cherokee eindrucksvoll zugelegt. Die serienmäßigen Bi-Xenon Scheinwerfer mit integriertem LED-Tagfahrlicht (auf Wunsch mit Kurvenlicht) wurden zu schmalen Sehschlitzen umfunktioniert, umso imposanter tritt nun der Kühlergrill mit seinen sieben Lüftungsschlitzen in Erscheinung. Gleichzeitig gab es für die Frontschürze einen Hüftschwung nach oben.

So schaut der Grand Cherokee Jahrgang 2014 nun wesentlich grimmiger in die Welt und wirkt fast wie ein hungriger Grizzly, der scheinbar alles verschlingen möchte, was ihm in die Quere kommt. Weniger bullig, ja fast schon zierlich im Verhältnis, wirkt dagegen das Heck mit frisch modulierten LED-Rückleuchten samt neu gestalteter Heckklappe. Daran kann selbst das um einiges gewachsene Jeep-Markenlogo am Hinterteil des Grand Cherokee nur wenig ausrichten.

Luxuriöses Ambiente mit anschmiegsamen Materialien

So einen geräumigen Dienstwagen sehen Firmenbosse gern, denn mit anschmiegsamem Leder, offenporigen Hölzern und Alcantara-Dachhimmel geht es im gelifteten Grand Cherokee innen nun auch richtig edel zu. Darüber hinaus gab es für das Dreispeichenlenkrad und die dahinterliegenden Instrumente ein Update. Diese sind zu einem TFT-Display zusammengefasst, die der Fahrer individuell umkonfigurieren kann, etwa den eingeblendeten Analogtacho gegen eine Digitalanzeige austauschen. Na gut, wer es mag.

Riesengroßer Monitor als zentrales Bedienelement

Ebenso brandneu ist der 21,3 Zentimeter große Touchscreen-Monitor oberhalb der Mittelkonsole. Er beinhaltet das Navi und das Entertainmentsystem sowie viele weitere Funktionen. Dadurch reduziert sich die Anzahl an Tasten und Knöpfen auf das Minimum. Wer beispielsweise die Sitze kühlen oder aufheizen möchte, muss sich zunächst einmal umständlich durch Untermenüs durchwühlen. Die Suche erfordert – zumindest anfangs – viel Konzentration, kann nerven und lenkt unnötig vom Verkehrsgeschehen ab. Damit folgt auch Jeep einem schier unaufhaltsamen Trend, wie er inzwischen bei vielen modernen Autos üblich ist. Wir sind der Meinung: Weniger heißt nicht gleichzeitig mehr, das sabotiert nur den Bedienkomfort.

Klangewaltiger Konzertsaal mit 825 Watt und mehr Sicherheit

Absolut begeistern kann dagegen die High-End-Audioanlage von Harman/Kardon, die in der gefahrenen Ausstattungsvariante Summit oder beim 468 PS starken Topmodell SRT serienmäßig an Bord ist und mit 19 Lautsprechern sowie 825 Watt in einen kristallklaren Konzertsaal auch anspruchsvolle Ohren begeistert. Und zur Crashvorsorge dient nun eine adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Kollisionswarner, der im Ernstfall mit heftigem Bremseingriff zumacht.

Neue Achtgang-Automatik, Topdiesel mit mehr Kraft

Vier Prozent mehr Leistung und Drehmoment erhielt der Dreiliter-Turbodiesel, der in seiner stärksten Ausbaustufe nun 250 PS leistet, aber gut zehn Prozent weniger schlucken soll. Hat der Grand Cherokee zudem eine Luftfederung an Bord (Serie bei Overland und Summit) senkt sich seine Karosserie bei Autobahntempo um 13 Millimeter ab, damit der Koloss weniger heftig gegen den Wind anstemmen muss. Weiteres Sparpotential wird dagegen verschenkt, denn auf eine Start Stopp-Funktion verzichtet Jeep bei all seinen fünf angebotenen Motorisierungen generell.

Für unseren gefahrenen 250 PS-Diesel geben die US-Boys durchschnittlich 7,5 Liter (CO2: 198 g/km) an, die aber auf unserer Runde gute drei Liter darüber lagen. Dafür entschädigt der kultiviert und leise laufende V6-Selbstzünder mit einem bärigen Drehmoment von 570 Nm bei 2.000 Umdrehungen pro Minute. Das verwandelt den immerhin 2,5 Tonnen schweren Ami zwar nicht in ein Rennpferd, sorgt aber auf jeden Fall für genügend Durchzugskraft. Dazu passt auch das neue von ZF entwickelte Achtstufen-Automatikgetriebe, welches mit sanften, ruckfreien Schaltvorgängen glänzt und den bisherigen Fünfgang-Automaten, noch aus der Liaison mit Daimler stammend, schnell vergessen lässt.

Ob On- oder Offroad: Der Grand Cherokee mag weiterhin beides

Speziell auf unbefestigtem Terrain sorgt beim Grand Cherokee sein permanenter Allrad mit zuschaltbarer Geländereduktion, Mitteldifferenzial und elektronisch geregelter Hinterachs-Sperre für allseits guten Grip, während die Luftfederung eine Bodenfreiheit von bis zu 28 Zentimeter ermöglicht.

Damit kommt der Grand Cherokee abseits befestigter Pisten nahezu überall durch, aber das konnte der Alte auch schon mit Bravour. Wenn noch ohne elektronische Bergauf- oder Bergkontrolle "Selec-Speed-Control", die es beim Neuen erlaubt ohne Betätigung des Gas- beziehungsweise Bremspedals durch schwieriges Gelände zu kriechen. So wird schnell klar, dass der Grand Cherokee trotz Elektronikhilfen nicht zu einem weichgespülten Stadtindianer ermattet ist, sondern ihm die technische wie optische Auffrischung im Großen und Ganzen sogar richtig gut getan hat.

Autor

Foto

Jeep

Datum

26. Juli 2013
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