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Fahrbericht Mercedes C-Klasse: Der Jung-Dynamiker

Luftfederung, modernste Assistenzsysteme und ein Interieur fast wie in der S-Klasse: Mit der neuen C-Klasse bläst Mercedes zum Angriff auf Audi A4 und 3er BMW. Darüber hinaus setzt sich die Stuttgarter Mittelklasse-Limousine eindrucksvoll mit fahrdynamischen Talenten in Szene.

Die ersten Kilometer mit der nagelneuen C-Klasse dienen noch der Eingewöhnung. Der 170 PS starke Turbodiesel im C 220 Bluetec säuselt leise sein Lied. Die Nadel des Drehzahlmessermessers verharrt bei moderaten 2.000 Touren, soeben hat die Siebengangautomatik die nächst höhere Fahrstufe butterweich eingelegt. Wir gleiten mit dem Newcomer sanft über den mit Bodenwellen gespickten Asphalt. Alles tadellos. Typisch Mercedes halt.

Aber dann zeigt die Landstraße ihre Tücken. Kurven, davon sogar jede Menge. Mal weit, mal in S-Form, mal eng und auch ganz schön eng. Mal sehen was die neue C-Klasse so drauf hat, denn Fahrspaß ist jetzt angesagt. Ein kleiner Drehknopf auf der Mittelkonsole verändert die Charakteristik von Fahrwerk, Motor, Getriebe und Lenkung in fünf Stufen. Schnell ist der kleine Drehregler auf scharf gestellt. Und zwar von Komfort auf Sport+.

Zielgenaue Lenkung

Wer hätte es gedacht, die Mittelklasse-Limousine verwandelt sich in Nullkommanichts vom rückenfreundlichen Cruiser zum beflissenen Athleten. Die C-Klasse wirft sich tatkräftig in das Geschlängel, spricht auf Gasbefehle spontaner an und nimmt Serpentinen in überraschend sportlicher Manier. Selbst die neue elektromechanische Lenkung folgt zielgenau jedem Impuls. Die Performance beeindruckt, denn nie zuvor gibt sich die C-Klasse so fahraktiv wie heute und beherrscht den Spagat aus Komfort und Dynamik wie aus dem Effeff. Dr. Jekyll und Mr. Hyde lassen grüßen.

Bei der Neuauflage der vierten C-Klasse haben die Schwaben alle Register gezogen. Schließlich hat sich der kleine Benz über die Jahre mit über 8.5 Millionen verkauften Einheiten inzwischen zum Verkaufsschlager gemausert und ist das wichtigste Modell im Portfolio. Außerdem liegt der Dienstwagenanteil mit gut 20 Prozent beim Mittelklassemodell enorm hoch. Da darf bei einem Modellwechsel nichts dem Zufall überlassen werden.

Weltpremiere in der Mittelklasse: Luftfederung mit fünf Stufen

Im Gegenteil. Mercedes möchte mit der C-Klasse neue Kaufanreize schaffen sowie jüngere Kunden ins Boot holen und hat ihr dafür viel Feines aus der Oberklasse spendiert. Erstmalig ist neben dem regulären Stahlfahrwerk auch eine Luftfederung lieferbar. Mit diesem im Fahrzeugsegment einzigartigen Feature rollt unser gefahrener Testwagen nicht nur harmonisch ab, sondern ermöglicht über den sogenannten Agility-Control-Drehschalter die stufenweise Metamorphose bis zur sportlichen Limousine. Vier feste Programme (Comfort, Eco, Sport, Sport+) sowie eine freie vom Fahrer wählbare Konfiguration (Individual) sind möglich. Kostenpunkt für das tolle luftgefederte Fahrwerk: mindestens 1.190 Euro netto. Als Grundvoraussetzung müssen allerdings Alu-Räder, sofern nicht serienmäßig, noch mitbestellt werden.

Stereokamera erkennt Fußgänger

In Sachen aktive Sicherheit standen S- und E-Klasse reihenweise Pate. So dient die in der Windschutzscheibe untergebrachte Stereokamera als hilfreiche Erweiterung für die Assistenzsysteme. Die C-Klasse erkennt Fußgänger oder Hindernisse und bremst in brenzligen Situationen autonom bis hin zum Stillstand herunter. Pre Safe Plus soll dagegen die Gefahr von einem Heckaufprall minimieren, denn jetzt wird auch der Verkehr hinter der C-Klasse erfasst und warnt den Hintermann vor einem drohenden Crash mit einem schnell pulsierenden Warnblinker. Die Liste der zumeist aufpreispflichtigen Sicherheitsfeatures reicht vom autonomen Staupiloten Distronic Plus inklusive Lenkungskorrektur bei Stop&Go über LED-Scheinwerfer bis hin zum hochauflösenden Head-up Display. Nach S- und E-Klasse ist nun auch das Angebot an elektronischen Helfern bei der C-Klasse mehr als riesig und lässt sich beliebig fortsetzen.

C-Klasse ist größer und trotzdem leichter

Frei nach dem Motto „S geht auch kleiner“ sieht das Heck der C-Klasse dem der S-Klasse zum Verwechseln ähnlich. Die Karosserie legte in allen Dimensionen zu und ist mit 4,69 Metern gegenüber dem C-Vorgänger um zehn Zentimeter in der Länge gewachsen. Auch der Radstand profitiert mit einem Plus von acht Zentimetern vom Zuwachs und weist nun 2,84 Meter auf.

Die Vorderachse wurde neuentwickelt, zudem drückt an der Karosserie der Einsatz von Aluminium das Gewicht. Im Vergleich zur alten C-Klasse sind es bis zu 100 Kilo. Das sind nicht nur beste Grundvoraussetzungen für Fahrspaß, sondern sorgt unter anderem auch dafür, dass alle C-Klassen mit Dieselmotor die Energieeffizienzklasse A+ erfüllen. Deshalb wurde auch der Tank verkleinert und fasst im Normalfall lediglich 41 Liter, denn das spart zusätzliches Gewicht ein. Langstreckenfahrer brauchen aber nicht gleich zurückschrecken, denn der Kraftstoffbehälter ist für Flottenkunden und fasst 66 Liter. Privatleute müssen dagegen für die Tankvergrößerung bei den Vierzylindern knapp 60 Euro extra hinblättern. Ziemlich uncool.

Edler Innenraum mit viel Detailliebe

Wenig zu meckern gibt es im Innenraum, denn der präsentiert sich penibel verarbeitet. Alles wirkt stimmig wie aus einem Guss und die metallischen Schalterelemente erinnern ebenfalls stark an die S-Klasse. Sie sehen nicht nur schick aus sondern fassen sich auch noch hochwertig an. Vorstandsmitglied Prof. Dr. Weber, seines Zeichen verantwortlich für die Konzernforschung und Entwicklung bei Mercedes, spricht sogar von einer so hohen haptischen Wertigkeit, wie sie bei keinem anderen Wettbewerber in dieser Klasse zu finden ist. Das bestätigen wir gerne mit zustimmendem Kopfnicken, die neue C-Klasse legt in diesem Bereich die Messlatte ganz schön hoch. Auch der dominant aus der Mitte des Cockpits empor ragende Zentralmonitor überzeugt und lässt sich intuitiv über das neue Touchpad auf dem Mitteltunnel bedienen. Nur vom Platzangebot hatten wir uns, aufgrund der vergrößerten Abmessungen, mehr erwartet. Denn: Während es sich vorn angenehm und wie maßgeschneidert sitzt, geht es hinten für große Mitfahrer über 1,80 Meter ganz schön eng zu. Auch sorgt der kleine Türausschnitt im Fond für Verrenkungen beim Ein- und Ausstieg. Und das Kofferraumvolumen legte im Vergleich zum Vorgänger mit 480 Liter nur um magere fünf Liter zu. Was sich noch verschmerzen lässt, wenn die Öffnung nicht so schmal geraten wäre. So klein, das größeres Gepäck genau zirkuliert werden muss.

Nur drei Motoren zum Verkaufsstart, Kombi kommt im Herbst

Zur Markteinführung sieht die Motorenpalette mit einem Turbodiesel und zwei Benzinern noch übersichtlich aus. Alle Motoren erfüllen die Euro6 und sind mit Start-Stopp-Funktion. Los geht´s mit dem 156 PS starken Benziner C 180 für 28.200 Euro, der C 200 mit 184 PS beginnt bei 30.600 Euro und der gefahrene C 220 Bluetec kostet 32.500 Euro. Für die empfehlenswerte Siebengang-Automatik verlangt Mercedes 2.100 Euro.

Im Sommer wird das Dieselangebot mit dem C 250 Bluetec (204 PS) noch erweitert und als neuer Basisdiesel kommt der C 200. Er schöpft aus 1,6 Litern Hubraum 136 PS, stammt in den Grundzügen von Renault und wurde von Mercedes tiefgreifend überarbeitet. Spannend geht es im Herbst weiter, denn dann startet der Dieselhybrid C 300 Bluetec mit satten 500 Nm Drehmoment. Anfang 2015 gibt es vom Dieselhybriden noch einen Plug-in-Ableger. Wann die ultimative AMG-Version kommt, ist dagegen noch offen. Fehlt eigentlich nur noch der obligatorische Kombi. Der kommt aber wesentlich früher als erwartet, denn das neue T-Modell der C-Klasse soll schon in diesem September debütieren.

Autor

Foto

Daimler

Datum

12. März 2014
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