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Fahrbericht Mercedes GLE Coupé: Rutsch mir doch den Buckel runter

Große Räder, flache Dachlinie und ein dicker Hintern: Mercedes hat jetzt auch sein Sport-SUV. GLE Coupé heißt es, tritt extrem bullig auf und bläst mit starken Motoren zum Angriff auf den BMW X6.

Sie bevorzugen praktische Autos und legen Wert auf Understatement? Dann kommt das neue Mercedes GLE Coupé schon mal nicht in Frage. Kofferraum, Rundumsicht? Alles Nebensache. Beim GLE Coupé zählt das Design, die erhabene Sitzposition, das Gefühl von Überlegenheit auf der Straße. Die Mischung aus SUV und Coupé hat schon beim BMW X6 die Autofahrer gespalten. Die einen lieben ihn, die anderen schütteln nur den Kopf. Die Verkaufszahlen des X6 zeigen aber: Es gibt verdammt viele, die auf große SUV-Coupés abfahren. Klar, dass da Mercedes mitmischen will. Parallel zur Modellpflege des GLE – ehemals M-Klasse – startet der Hersteller deshalb das zugehörige Coupé.

An die wuchtigen Proportionen des dicken BMW haben wir uns inzwischen gewöhnt. Vielleicht kommt uns der Mercedes auch deshalb gar nicht mehr außergewöhnlich vor. Irgendwie wirkt der flachgedrückte SUV auf seinen riesigen 21-Zöllern sogar in sich stimmig. Egal wo wir mit dem Schiff aufkreuzen, die Passanten drehen sich um, staunen, bewundern. Keine Spur mehr von Sport-SUV-Verweigerern.

Neue Designsprache von Mercedes

Die Neugierde kann auch darin begründet sein, dass wir mit dem GLE Coupé das ganze Repertoire an neuen Designformen spazieren fahren, welche Mercedes in letzter Zeit hervorgebracht hat. Da wäre die bullige Front mit riesigem Kühlermaul und großer Querstrebe. Und das wuchtige Heck mit schmalen Rückleuchten und durchgehender Chromspange – kennen wir schon vom S-Klasse Coupé.

Dagegen muss der normale, überarbeitete GLE seine kantigen Rückleuchten behalten. Neben dem sportlicheren Viertürer wirkt er deshalb geradezu rückständig, fast so, als stünden neue und alte Generation nebeneinander. Weil das Coupé zudem in allen Richtungen größer ausfällt, stört die Rückbänkler auch die abfallende Dachlinie nicht.

Abgesehen vom höhlenartigen Sitzgefühl im Coupé gleichen sich die beiden SUV-Brüder im Innenraum. Das neue Multimediasystem hat einen nach oben hin frei stehenden Tablet-Display, der über den Drehdrücksteller mit überlappendem Touchpad gesteuert wird. Leder, weiche Kunststoffe und schicke Zierelemente: Der GLE ist für Finger und Augen gleichermaßen ein Genuss.

Das Coupé ist mehr als 10.000 Euro teurer

Ob das Coupé wegen des moderneren Outfits mehr Käufer findet? Da gibt es einen kleinen Haken: Mit 56.050 Euro netto kostet das Coupé wesentlich mehr als der normalen GLE (ab 45.352 Euro). Das Coupé sieht nämlich nicht nur sportlicher aus, es soll auch flotter fahren. Unter der wuchtigen Haube stecken deshalb nur starke Motoren, die eben auch teurer sind. Den Einstieg markieren ein Dreiliter-Diesel mit 258 PS (GLE Coupé 350d) und ein 333 PS starker V6-Benziner (GLE Coupé 400). Beide Sechszylinder sind übrigens serienmäßig mit einer Neungang-Automatik und permanentem Allradantrieb ausgerüstet – der GLE ist der erste Mercedes mit dieser Kombination.

Und dann gibt’s noch die AMG-Modelle mit 367 bis 585 PS, die Mercedes gleich zum Marktstart Mitte Juli mit ins Rennen schickt. In Bezug auf Power und CO2-Bilanz ist das Coupé also weit entfernt vom 204 PS starken Vierzylinder im normalen GLE 250d, der mit einem Normverbrauch von 5,4 Litern (140 g CO2) die umweltfreundliche SUV-Variante darstellt und damit vor allem bei Flottenmanagern auf die Liste rückt. Apropos Umweltfreundlich: Auch den Plug-in Hybriden (GLE 500e) gibt es nur für den zivilen GLE. Der Hybride ist mit 62.100 Euro zwar nicht unbedingt preiswert, mit einem CO2-Wert von gerademal 78 Gramm zumindest aber auf dem Papier grüner als so mancher Kleinwagen.

GLE Coupé 350d serienmäßig mit Allrad und Neungang-Automatik

Zurück zum Coupé: Denn wer es sich leisten kann und keinen grünen Stempel auf der Stirn hat, der hat mit der sportlicheren GLE-Variante wesentlich mehr Freude am Fahren. Schon mit dem Einstiegsdiesel legt das Coupé eine Performance an den Tag, die man von SUV kaum gewohnt ist. Die 620 Nm genügen, um den SUV flott in Schwung zu bringen. Das der GLE 2,3 Tonnen auf die Waage bringt, glaubt man kaum. Überholmanöver auf der Landstraße? Auch auf kurzen Geraden kein Problem. Die Neungang-Automatik schaltet flink und fast unbemerkt die Gänge durch.

Zum wahren Sport-SUV verwandelt sich das GLE Coupé aber erst in einer der AMG-Varianten. Weil Mercedes gerne zeigt, was der Neue kann, schicken sie uns gleich im Top-Modell GLE Coupé 63 S auf die Straße. V8-Biturbo, 585 PS und 760 Nm. Klingt gewaltig und fühlt sich auch so an. Das Gaspedal leicht antippen genügt, damit der GLE einen kraftvollen Satz nach vorne macht. Den Sprint auf 100 km/h legt er in 4,2 Sekunden zurück. Wild fauchend natürlich und heißer brabbelnd, wie es sich für einen AMG gehört. Der Geräuschpegel liegt aber im Rahmen, so lange man nicht die Sport+-Taste wählt und der GLE jeden Gangwechsel nach unten mit knallendem Zwischengas quittiert.

Sportliche Kurvenlage dank Luftfederung und stufenloser Dämpfung

Der GLE schießt nicht nur im Eiltempo über die Autobahn, er schlängelt sich auch in Windeseile um Kurven. Im Sport-Modus saugt die Luftfederung und stufenloser Dämpferkennung den SUV förmlich an den Boden. Obwohl wir fast auf Augenhöhe mit Transporter-Fahrern sind, liegt der GLE dennoch satt auf der Straße und eilt wankstabil durch Kurven.

Im Comfort-Modus wiederum, zeigt der GLE, dass er auch die sanfte Tour drauf hat. Während unser Beifahrer seinen Mittagsschlaf nachholt und schlummernd immer tiefer im Sportledersitz versinkt, walzen wir mit den 325er Schlappen über die Autobahn und genießen es, wie ehrfürchtig die Vordermänner beim Blick in den Rückspiegel auf die Mittelspur springen.

Und weil das GLE Coupé auch eine ganze Reihe an Assistenten mitbringt, ist der dicke SUV auch im engen Stadtverkehr leicht zu fahren. Die schlechte Übersicht machen technische Helfer wie ein Totwinkelwarner und der aktive Spurhalteassistent wett. Wer ihn nicht mit der Rückfahrkamera in Parklücken bekommt, kann das Rangieren auch komplett dem GLE überlassen. Was er leider nicht kann: Die Einkäufe und den Kinderwagen selbst in den Kofferraum wuppen. Vor allem die Muttis, die gerne SUV fahren, dürfte das stören, reicht den meisten die Ladekante doch bis zum Bauchnabel. Bei der Karre dürfte es aber nicht lange dauern, bis ein männlicher Beobachter zur Hilfe eilt.

Autor

Foto

Daimler

Datum

26. Juni 2015
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