Alles über Mercedes S-Klasse
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Fahrbericht Mercedes S-Klasse: Fahrer denkt, Auto lenkt

Ende Juli kommt die neue S-Klasse auf den Markt, mit einem ganzen Sortiment an neuen Assistenz- und Komfortsystemen. FIRMENAUTO war mit der Luxuskarosse schon unterwegs.

Zu meinen frühesten Auto-Erinnerungen gehört eine Fahrt im 450 SEL. Es muss im Sommer 1974 gewesen sein, als der Vater des besten Klassenkameraden uns Pimpfe im nagelneuen Mercedes von Stuttgart an den Bodensee chauffierte. Sein Geschäfts- war auch sein Privatwagen. Und so räkelten sich zwei 13-jährige auf den weichen, grünen Velourspolstern der Rückbank, während draußen die Schwäbische Alb vorüberzog und der Motor das sonore Lied der acht Zylinder summte. Nie hätte ich, der Sohn aus führerschein- und damit autolosem Haushalt, damit gerechnet, dass ein Auto so luxuriös sein könnte. Reisen roch für mich nach Eisenbahn und nicht nach Holz und Leder. Und so bewunderte ich die vielen verchromten Schalter und ließ verzückt immer wieder das Fenster auf und zu surren.

"S" steht für Sonderklasse

Fast 40 Jahre später sitze ich wieder in einer S-Klasse. Der neuesten, die wieder das geballte Wissen der Mercedes-Ingenieure in sich vereinigen soll. Denn "S" stand damals wie heute, fünf Modellgenerationen später, für Sonderklasse. Oder, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche es beim ersten öffentlichen Auftritt der Luxuskarosse formulierte: "Kein anderes Auto steht so für das Markenversprechen von Mercedes."

Mercedes will mit dem Flaggschiff Maßstäbe setzen. "Luxus ist einer der stärksten Innovationsträger", sagt Thomas Weber, Technikvorstand von Daimler. Diesen Anspruch erfüllt auch die neue S-Klasse mit Sicherheit. Sie ist das aerodynamischste Auto der Luxusklasse, mit einem cw-Wert von 0,23. Sie ist das erste Auto ohne eine Glühlampe. Deren Arbeit haben 500 LED übernommen. Und sie ist das Auto mit den meisten Assistenzsystemen.

Über 20 der elektronischen Helfer sollen dafür sorgen, dass die Passagiere beispielsweise ihr Ziel unfallfrei erreichen. Darunter die neueste Version des Abstands-Tempomats Distronic. Sie hält nun nicht nur den gewünschten Abstand zum vorausfahrenden Auto und bremst im Stau komplett ab, sondern hilft dem Fahrer durch sanften Lenkeingriff, die Spur zu halten – ein erster Schritt zum autonomen Fahren. Droht das Auto nach rechts in den Graben oder womöglich in den Gegenverkehr zu steuern, lenkt es herzhaft gegen und bremst im Notfall auch ab.

Sensoren überwachen das Auto rundherum

Rundherum überwachen Kameras, Ultraschall- und Radarsensoren das Auto. Sie erkennen beispielsweise, wenn ein anderes Auto von hinten aufzufahren droht. Schon vor dem Aufprall legt das Auto dann die Bremsen an und zieht die Gurte straff. Und bei dem für den S 500 erhältlichen Magic Body Control-Fahrwerk scannt eine Stereokamera die Straße vor dem Auto nach Erhebungen ab. Wird eine Stolperschwelle erkannt, stellt das Fahrwerk die Stoßdämpfer weicher, bevor sie die Stelle erreichen.

Hat das Rad die Erhebung überrollt, wird die Federung blitzschnell per Öldruck verhärtet und das Rad dadurch auf den Boden gepresst. Mit verblüffendem Ergebnis: Das Auto gleitet völlig unbeirrt über das Hindernis hinweg wie eine Sänfte. Der Unterschied zum bereits hervorragenden, luftgefederten Serienfahrwerk ist bemerkenswert. Allerdings lohnt es sich nur in Regionen, in denen die Straßenbauer dazu tendieren, mit Stolperschwellen den Verkehr auszubremsen. Denn bei Schlaglöchern ist auch das netto 4.250 Euro teure Zauberfahrwerk machtlos.

Rollendes Wohnzimmer oder Büro auf Rädern

Womöglich haben die Ingenieure schon deshalb so viel Energie in die Fahrwerktechnik gesteckt, weil die lange S-Klasse auch die Lücke im Daimler-Modellprogramm schließen muss, die der Maybach hinterlässt. Kunden, die sich vorwiegend chauffieren lassen, will man mit einem ausgeklügelten Wellness-Paket im Innenraum bei der Stange halten. Luxus findet sich in der S-Klasse auf allen Plätzen. Alleine fünf Rückbank-Konfigurationen bietet Mercedes an, bis hin zu einem Liegesitz mit Beinauflage und Airbag im Sitzpolster.

Bis zu 56 Motoren schieben Sitze und Lenkrad in jede erdenkbare Richtung, 14 Luftpolster pro Sitz kneten den Rücken auf sechs unterschiedliche Arten kaum schlechter als ein Masseur. Damit die Passagiere dabei nicht ins Schwitzen kommen, fächeln sechs Elektromotoren pro Sitz kühle Luft durch die Lederpolster, während die Klimaanlage den Innenraum aus einem Glasflakon im Handschuhfach mit diversen Parfums und einstellbarer Intensität beduftet. Armlehnenheizung, beheiz- oder kühlbare Becherhalter, eine über 6.300 Euro teure Soundanlage der Edel-Hifi-Schmiede Burmester – wer das nötige Kleingeld hat, kann sich seinen Firmenwagen als rollendes Wohnzimmer oder Büro zusammenstellen.

Comand mit Echtzeit-Verkehrsdaten

Dabei macht Mercedes nun auch mit dem serienmäßigen, erweiterten Comand in Sachen Onlinedienste Boden zu BMW oder Audi gut. Basis ist ein Intel Atom Prozessor, der Rechengeschwindigkeiten wie im Laptop ermöglichen soll. Außerdem können nun auch Mercedes-Fahrer auf Verkehrsdaten in Echtzeit zugreifen oder ein Navigationsziel nur mit Hilfe von Stichwörtern heraussuchen. Das Ganze wird auf zwei TFT-Monitore gespielt, die zusammen einen riesigen Bildschirm mit 30,7 cm Diagonale bilden.Diese glasklare Informationszentrale wirkt fast, als ob sie im geschwungenen Armaturenbrett schwebt.

Die Liste der Neuerungen ließe sich beliebig fortsetzen. Leichtbau – die neue S-Klasse wiegt trotz der umfassenderen Technik bis zu 100 Kilo weniger als der Vorgänger, sowie Effizienz sind ebenfalls Stichworte, auf die man bei Mercedes im Zusammenhang mit der Nobelkarosse ebenfalls gerne verweist. Bis zu 20 Prozent sparsamer wurden die Motoren, unter denen sich natürlich auch weiterhin ein formidabler V8-Benziner findet oder ein Zwölfzylinder, der noch in Planung ist. Doch die wahren Helden der Modellpalette sind die Diesel sowie die Hybriden.

Bis zu 20 Prozent weniger Verbrauch

Wer sich zur Testfahrt im "S" aufmacht, merkt schnell, dass man selbst im Basismodell S 350 nicht nur vernünftig, sondern auch völlig ausreichend motorisiert unterwegs ist. Der V6-Diesel mit 258 PS schiebt den 5,11 Meter langen Zweitonner souverän an, flüstert dabei fast unhörbar unter der isolierten Motorhaube und ließ sich auf unserer 200 Kilometer langen ersten Testrunde mit knapp sechs Litern bewegen. Noch sparsamer geht es mit dem S 300 Bluetec Hybrid, der im Normzyklus mit nur 4,4 Liter Diesel/100 Kilometer angegeben ist (115 g CO2/km) und den die Schwaben ab Herbst 2013 anbieten. Der Hybride mit 204-PS-Diesel plus 26 PS starkem E-Motor zeigt eindrucksvoll: Die Zeiten sind vorüber, in denen eine Luxuslimousine mindestens sechs Zylinder haben musste.

Die Preise für den Luxusliner beginnen in Deutschland bei 67.050 Euro netto. Die Modelle mit 13 Zentimeter längerem Radstand kosten je nach Motor zwischen rund 2.500 und 5.000 Euro Aufpreis. Dabei wird es aber in den seltensten Fällen bleiben. Wer es sich leisten kann, wird seinen Firmenwagen entsprechend aufrüsten. 20.000 Kunden waren noch vor dem offiziellen Verkaufsstart ihrer Lust bereits erlegen und haben die S-Klasse blind bestellt. Damit ist auch das neueste Flaggschiff von Mercedes auf dem Weg, wieder zur weltweiten Nummer Eins ihres Segments zu werden.

Die Lust auf Luxus kann süchtig machen. Und so fällt es mir schwer, nach einem langen Tag mit der S-Klasse den Autoschlüssel wieder zurückzugeben. Wie damals vor 40 Jahren mit dem W 116 hat es Mercedes mit der neuen S-Klasse geschafft, wieder Lust aufs Auto zu machen und die Faszination Fahrzeug am Leben zu erhalten. In der heutigen Zeit ist das nicht zu unterschätzen.

Autor

Foto

Mercedes-Benz

Datum

8. Juli 2013
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