Mitsubishi Outlander Plug-in Hybrid 9 Bilder Zoom

Fahrbericht Mitsubishi Outlander: Mitsubishis Teilzeit-Stromer

Mitsubishi hat dem Outlander ein Facelift gegönnt. Über 130 Änderungen flossen in das überarbeitete Allrad-SUV ein, dazu zählt neben einer verbesserten Ausstattung nun endlich auch ein attraktiveres Blechkleid.

Warum nicht gleich so? Diese Frage schießt mir beim Betrachten des gelifteten Japaners sofort durch den Kopf. Zwar hatte mich die alternative Antriebsform des Mitsubishi Plug-in Hybrid Outlander bis dato begeistert, aber optisch war mir die dritte Generation viel zu konservativ. Geräumig und komfortabel war er ja, der Outlander, aber so richtig sexy gewiss nicht.

Allen Design-Diskussionen zum Trotz hat sich Mitsubishis Outlander zu einem Erfolgsmodell gemausert. Seit seiner Einführung 2012 konnten die Japaner bisher 100.000 Exemplare in Europa absetzen, wobei der Plug-in Hybrid an der positiven Bilanz nicht ganz unbeteiligt war. Im Gegenteil, gut die Hälfte aller Outlander-Kunden entschieden sich für den Teilzeit-Elektriker mit Strom-Nachladefunktion. Besonders in unseren Nachbarländern Niederlande, Großbritannien, oder etwa Norwegen ging der Plug-in Hybrid weg wie geschnitten Brot. Was nicht zuletzt an der stattlichen Förderung lag. So wurden allein in England besonders umweltschonende Fahrzeuge mit einer Prämie von bis zu 26.000 Euro bezuschusst. Solche Programme kurbeln natürlich den Verkauf an, obwohl sich über den Sinn und Zweck solcher Fördermaßnahmen streiten lässt.

Aus dem frühen Facelift zieht der Outlander seinen Nutzen

Fakt ist, dass sich die Markteinführung bei uns aufgrund der enormen EU-Nachfrage um einiges verzögerte. Hierzulande rollte der Plug-in Hybrid Outlander erst im Mai letzten Jahres in die Mitsubishi-Showrooms. Damit kam er zwar vergleichsweise spät, profitiert jedoch nicht einmal eineinhalb Jahre später von einer umfassenden Überarbeitung. Und die kann sich im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen, denn die Japaner tauschten das langweilige Allerweltsgesicht gegen eine bullige Frontpartie mit Boomerang-Kühlergrill. Wahlweise kann der Outlander mit LED-Scheinwerfern ausgerüstet werden und die altbackenen Chrom-Lampen am Heck wurden gegen moderne, rotgefärbte LED-Leuchten ausgewechselt.

Hinzugekommen sind neu geformte Stoßfänger vorne und hinten, die dem Outlander nicht nur mehr Charakter verleihen, sondern für einen Längenzuwachs von vier Zentimetern sorgen, der auf 4,70 Meter gewachsen ist. Überhaupt wirkt Mitsubishis Midsize-SUV gestreckter und breiter. Dazu tragen die in Wagenfarbe lackierten Seitenschweller, eine silberne Dachreling sowie 18 Zoll-Aluräder im zweifarbigen Speichendesign bei. Optisch hat ihm das Facelift ersichtlich gutgetan hat. Der Outlander ist zu einem ansehnlichen SUV herangereift und trägt, markante, eigenständige Züge. Genauso hätte er von Anfang an kommen müssen.

Wesentlich mehr Wertigkeit, aber leichte Bedienschwächen

Aufgewertet wurde außerdem der Innenraum. Die Sitze sind nun straffer gepolstert und gewähren in der ersten Reihe mehr Halt. Weiterhin gibt es den Outlander als Fünf- oder Siebensitzer. Neu sind dagegen die verwendeten Kunststoffe, die die öde Plastiklandschaft seines Vorgängers schnell vergessen lässt. Alles fühlt sich angenehm an, selbst das nagelneue Lederlenkrad verdient seinen Namen zurecht. Es ist griffig und hinterlässt einen hochwertigen Eindruck. Zugelegt hat auch der Alltagsnutzen, denn die ohnehin schon reichlich bemessenen Ablagemöglichkeiten, wurden noch um ein weiteres, praktisches Fach auf der Mittelkonsole ergänzt.

Ohne Frage, es lässt sich viel Liebe zum Detail erkennen. An die stellenweise verstreute Schalteranordnung müssen sich Neueinsteiger im Outlander allerdings gewöhnen. So lässt sich der Bordcomputer nicht vom Multifunktionslenkrad aus bedienen, sondern dafür muss erst einmal den dahinter liegende Knopf links am Cockpit gefunden werden. Galanter hätte Mitsubishi auch die Sitz- und Lenkradheizung lösen können. Lobenswert, die beiden Features sind zwar schon ab der zweiten Ausstattungsstufe serienmäßig, warum sich die Bedienungselemente über die gesamte Mittelkonsole verteilen müssen, bleibt aber ein Rätsel. Zumal neben dem Schalter für die Lenkradheizung noch reichlich Platz gewesen wäre, wie die Reihe an Blindschaltern links und rechts daneben aufzeigt.

Der Outlander spricht spontaner an und bietet mehr Komfort

Geblieben ist das Antriebskonzept des Hybriden. Wie gewohnt leistet der Zweiliter-Benziner weiterhin 121 PS und die Elektromotoren an der Vorder- und Hinterachse bringen es auf jeweils 60 kW (82 PS). Für ein direkteres Ansprechverhalten hat Mitsubishi die beiden E-Maschinen und die Motorsteuerung verbessert und dank aufwendiger Geräuschdämmung an Türen, Fenstern sowie im Dachbereich wurde der Outlander noch leiser als zuvor. Das macht sich vor allem beim starken Beschleunigen bemerkbar. Selbst wenn das stufenlose CVT-Getriebe die Drehzahl des Benziners hochjubeln muss, ist es angenehm ruhig im Innern. Und bei höherem Tempo bleiben die meisten Wind und Abrollgeräusche dort wo sie hingehören: draußen.

Wie bei allen Plug-in Hybriden: der Verbrauch nur die halbe Wahrheit

Für den Verbrauch gibt Mitsubishi einen phänomenalen Normwert von 1,8 Litern an, was einem CO2-Ausstoß von nur 42 Gramm pro gefahrenen Kilometer entspricht. Wie aber so oft entsprechen die auf einem Rollenprüfstand ermittelten Werte ausschließlich der Theorie. In der Praxis sollte man eher mit fünf bis sechs Litern Superbenzin rechnen. Hinzu kommen noch gut 13,4 kWh für den Strom, den der Outlander aus seinen Lithium-Ionen Akkus zieht.

Zwar schluckt der Mitsubishi deutlich mehr Sprit als angegeben, trotzdem ist der Wert für ein Zwei Tonnen schweres SUV immer noch beachtlich und liegt mit dem 150 PS starken Outlander Diesel auf Augenhöhe. Rein elektrisch schafft es der Plug-in Hybride im Idealfall übrigens bis zu 52 Kilometer weit und maximal mit einer Geschwindigkeit von 120 km/h. Das Aufladen an einer regulären 230 Volt Steckdose benötigt fünf Stunden. Schnellladen geht wesentlich flotter, dann ist das Speicherdepot innerhalb von 30 Minuten zu 80 Prozent wieder befüllt.

Bidirektionales Laden eröffnet neue Möglichkeiten

Für Hausbesitzer mit einer Photovoltaik-Anlage ist der Mitsubishi besonders interessant, dann bezieht der Plug-in Hybrid nicht nur besonders sauberen Strom, sondern kann auch die nicht genutzte Energie seines 12 kWh Batteriespeichers wieder abgeben. Darüber hinaus lässt sich der Outlander als mobile Stromquelle anzapfen, um etwa beim Camping elektrische Geräte zu betreiben. Dazu ist allerdings eine Power-Box nötig, die den Gleichstrom des Fahrzeugs in Wechselstrom umwandelt. Die in Japan bereits seit 2012 erhältliche Box, ist aber bei uns noch nicht auf dem Markt. Mitsubishi sucht derzeit noch händeringend nach einem geeigneten Partner für die Technik und den Vertrieb.

Alter Preis zu besseren Konditionen

Das Beste kommt aber zum Schluss. Obwohl der geliftete Plug-in Hybrid Outlander in Sachen Wertigkeit und Komfort um einiges zugelegt hat, bleibt der Einstiegspreis auf dem Niveau seines Vorgängers. So startet der Japaner nach wie vor bei 33.605 Euro netto. Für die Edelversion Top mit unter anderem Leder, Glasschiebedach, Premium-Soundsystem sowie zahlreichen Fahrerassistenten wechseln 42.849 Euro den Ladentisch. Dazu gibt Mitsubishi neuerdings auf jeden Outlander eine fünfjährige Garantie auf´s Auto sowie acht Jahre auf die Lithium-Ionen Akkus im Heck.

Autor

Foto

Axel Wierdemann

Datum

23. September 2015
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