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Fahrbericht Peugeot 508 Blue HDi 180: Steiler Zahn

Peugeot hat seinen König der Löwen überarbeitet. Der 508 zeigt ein anderes Gesicht. Dahinter verbergen sich jetzt auch Euro-6-Motoren. Wir haben den neuen Blue HDi 180 schon mal gestreichelt.

Calandre heißt korrekt übersetzt Kühlergrill, soweit die schulfranzösische Aufarbeitung. Für einen designverliebten Franzosen aber hat dieser Begriff neben seiner technischen vor allem eine ästhetische Bedeutung. Ein Calandre prägt das Gesicht eines Autos. Das Wort Front vermeiden unsere Nachbarn, den Anglizismus Facelift sowieso. Wenn die Peugeot-Designer nun also stolz auf die Änderung des Calandre beim 508 verweisen, meinen sie damit nicht das popelige Austauschen einer Kühlermaske. Sie sprechen stattdessen von einem markanten Eingriff. Der Grill steht nun steil, die Haube liegt dadurch sehr horizontal. Nach drei Jahren Bauzeit erhält die nach wie vor sehr elegante Silhouette somit einen martialischer anmutenden Vorderbau. Mutig.

Die Preise für den 508 starten ab 22.100 Euro

Der Löwe, das Markenlogo, ist von der Haube auf den Kühlergrill gewandert. Als Reminiszenz an die Historie der 5er Baureihe mit den Erfolgsmodellen 504 und 505, heißt es. Die Leuchten sind etwas flacher, erstmals sind Komplett-LED-Einheiten für Tagfahrlicht, Blinker und Nebelscheinwerfer verfügbar. Preislich bewegt sich der Löwe in einem ausgedehnten Revier. Während der Einstiegsbenziner bereits für 22.100 Euro zu haben ist, kostet der von uns gefahrene 2.0 Blue HDi 180 mit neuer Sechs-Stufen-Automatik in "GT"-Ausstattung knackige 35.714 Euro.

Dieser König der Löwen bietet dafür aber einiges. Ein neuer, sieben Zoll großer Berührungsbildschirm legt die beim Vorgänger noch bemängelte Knöpfchenflut trocken. Klima-, Audio- und Navigationsanwendungen lassen sich nun via Touchscreen steuern. Peugeot stellt über einen optionalen USB-Datenstick zudem verschiedene Apps übers Internet zur Verfügung, mit denen sich beispielsweise freie Parkplätze in der Nähe oder Tankstellenpreise in Erfahrung bringen lassen. Als sinnvoller erscheint uns da der jetzt verfügbare, zuverlässig funktionierende Tote-Winkel-Assistent in beiden Rückspiegeln. Wer es gerne komfortabel hat, wird mit Zwei-Zonen-Klimaautomatik (vier Zonen gegen Aufpreis), berührungsfreiem Zugangssystem, einer elektrischen Feststellbremse und vor allem mit dem Panaroma-Glasdach üppig bedient.

Zweiliter-Diesel mit 180 PS und Sechsgang-Automatik

Einen gelungenen Einstand feierte bei unserer ersten Testfahrt der neue Zweiliter-Blue-HDi-Diesel mit 180 PS in Verbindung mit der ebenfalls erneuerten Sechsgang-Automatik samt Start-Stopp-System. Satte 400 Nm drücken hier bei 2.000 Umdrehungen auf die Welle. Die Übersetzungsverhältnisse lassen ordentliche Kraftschübe in allen Fahrsituationen zu. Das Spitzentempo von 226 km/h ist bei heutigen Verkehrsverhältnissen wohl nur ein statistischer Wert. Die Euro-6-Einstufung dagegen sorgt ganz real für ein sauberes Zeugnis. 4,6 Liter Normverbrauch und ein auf 111 Gramm je Kilometer beschränkter CO2-Ausstoß setzen Leistung, Fahrspaß und Ökobilanz somit in ein gutes Verhältnis.


Komfort statt Krawall – diese Erbpflicht französischer Autos erfüllt der 508 durchweg. Besonderheit in der GT-Version: Doppel-Dreiecksquerlenker mit entkoppelten Achsschenkeln führen die Räder an der Vorderachse. Die anderen Modelle haben eine McPherson-Vorderachse und Schraubenfedern mit innen liegenden hydraulischen Stoßdämpfern. Hinten arbeitet eine Mehrlenkerachse, sie sorgt für eine präzise Radführung auch in stramm genommenen Kurven. Spurtreu zieht der 508 seine Bahn, unaufgeregt lässig lässt sich’s auf den guten Halt gebenden Sitzen reisen.

Dass eine Sitzheizung aber erst in der GT-Ausstattung serienmäßig ist (sonst 250 Euro brutto Aufpreis), verdient Kritik. Ebenso, dass die für Wechselfahrer wichtige Memory-Funktion des Fahrersitzes nur als Teil eines opulenten Voll-Leder-Paketes zu haben ist. Zum Nutzwert: Die Zeiten, in denen ein Kombi dieser Klasse in kruder Containeroptik vorzufahren hatte, sind vorbei. Wer schön sein will, muss leiden. So ist das Kofferraumvolumen bei Normalstellung von Rücksitzlehnen und Abdeckung mit 550 Litern sogar geringer als das des kleineren Bruders 308 SW (610 Liter). Im Klassenvergleich seines eigenen Segments aber braucht sich der 508 damit nicht zu verstecken.

Der wichtigste Markt ist China

Es bleibt ein positiver Gesamteindruck. Mit wenigen Designänderungen hat Peugeot den Auftritt seiner obersten Reihe aufgewertet. Neue Motoren machen die Technik zukunftssicher (bei den Benzinern feiert unter anderem der neue Euro 6 THP 165 Premiere) – auch im Hinblick auf vielleicht Steuer- oder Mautbestimmungen. Für den europäischen Markt bleibt es zudem beim französischen Produktionsstandort Rennes. Das ist insofern erwähnenswert, da Peugeot den 508 auch im chinesischen Wuhan baut. 36 Prozent aller bislang verkauften Modelle setzte Peugeot schließlich in China ab. Für den 508 ist das Land damit der wichtigste Absatzmarkt, noch vor Frankreich. Das unterscheidet den 508 dann doch von seinen Urahnen, deren Calandre er nun wieder trägt.

Autor

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Peugeot

Datum

23. September 2014
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