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Fahrbericht Range Rover: Der neue Range Rover stellt sich vor

Er klettert besser als jeder SUV und ist komfortabel wie eine Oberklasse-Limousine: Nach zwölf Jahren präsentiert Land Rover einen neuen Range Rover. FIRMENAUTO war damit unterwegs – im Gelände und auf der Straße.

Es kommt nicht allzu häufig vor, dass Land Rover zur Probefahrt eines neuen Range Rover lädt. Auf gerade mal drei Modellgenerationen beschränkt sich die Historie des seit 1966 gebauten Geländewagens bis dato. Anfang 2013 löst Nummer vier den seit 2001 gebauten und intern L322 genannten Range Rover ab. Nach dem Ende 2011 erfolgreich gestarteten Evoque entspringt er als zweites neues Modell dem 1,3 Milliarden Euro schweren Technologie-Investitionsprogramm der Briten.

Da ist für Understatement kein Platz. Der neue Range Rover sei schlicht „das beste Automobil der Welt“. Meint jedenfalls Peter Gress. Der ist aber erstens kein Engländer und zweitens Markenmanager von Land Rover Deutschland. In dieser Funktion muss er den zwischen 75.000 und 95.500 Euro netto teuren SUV Geschäftsführern und Selbstständigen als Firmenwagen schmackhaft machen. Da braucht es schon eine Handvoll harter Fakten, damit die nicht weiterhin Audi Q7, Porsche Cayenne oder BMW X6 treu bleiben.

Der neue Range Rover bringt 420 Kilo weniger auf der Waage

Leichtbau beispielsweise. Satte 420 Kilo hat der Fünfmeter-Koloss abgespeckt. 180 Kilo gehen auf die Vollaluminium-Karosserie, die nun weniger wiegen soll als die eines BMW 3er. Der Rest ist Feinschliff und der Verzicht auf zwei Zylinder. Denn ganz im Trend der Zeit setzt man auch in der Luxusklasse aufs Downsizing, und so beschränkt sich der Einstiegsmotor mit sechs Zylindern. Angesichts 258 PS und massiven 600 Nm Drehmoment, die der Dreiliterdiesel stemmt, dürfte das aber nur Leistungsfetischisten schmerzen. Mehr Motor braucht man auch in einem so großen Auto nicht. Der Sechszylinder ist in jedem Drehzahlbereich für souveräne Fahrleistungen gut. Zumal die Abspeckkur zumindest formal auch dem Verbrauch zugutekommt: 7,5 Liter Normverbrauch sind für einen fünf Meter langen und leer bereits 2,2 Tonnen schweren SUV ein guter Wert. Sollte der noch immer zu viel verbrauchen: 2013 folgt eine Hybridversion des Start-Stopp-Diesels mit 39 PS starkem E-Motor. Der soll die Fahrleistungen des TDV6 aufs Niveau eines Achtzylinders heben.

Ein Marktanteil von gut zehn Prozent für den Benziner erwartet

Bis dahin kann die Gasfraktion aber auch gleich beim bewährten V8-Diesel bleiben und sich an 339 PS, 700 Newtonmeter und einem bärigen Klang erfreuen, der allerdings nur als dezentes Säuseln in den hervorragend gedämmten Innenraum dringt. Zu guter Letzt wäre da noch der von einem Kompressor befeuerte brachiale Fünfliter-Benziner. Dessen Fahrer dürfte angesichts 510 PS und 5,4 Sekunden von Null auf 100 und 250 Sachen nicht erst an der Zapfsäule Schnappatmung bekommen. Erstaunlicherweise erwartet Gress im Dieselfahrenden Deutschland für den Benziner einen Marktanteil von gut zehn Prozent.
Nun geht es dem Käufer eines SUV aber nicht nur um den Vorwärtsdrang der Maschine. Speziell in der Oberliga haben Komfort und Ausstattung nochmals einen höheren Stellenwert, schließlich soll der Chef entspannt ans Ziel kommen. Und da lässt sich der luftgefederte Range nichts vormachen: Baumsterben war gestern – die Briten legen im Innenraum großflächig feinstes Holz aus. Und für die Rundum-Belederung musste wohl mehr eine Kuh ihr Leben lassen. Wind- und Abrollgeräusche werden ausgesperrt und Schlaglöcher erahnt man mehr als dass man sie spürt. So geschmeidig ist man sonst nur in Oberklassenlimousinen unterwegs.

Geländewagen mit Chauffeursqualitäten

Dank des langen Radstands sitzt man auf allen Plätzen wie in der ersten Klasse, wobei sich der Geländewagen sogar als Chauffeurlimousine einsetzen lässt: Für 3.185 Euro Aufpreis sind statt der elektrisch umlegbaren Dreierbank zwei elektrisch verstellbare Einzelsitze samt Massagefunktion erhältlich. Überhaupt lässt die Aufpreisliste wenige Wünsche offen. Zumindest , was die Individualisierungsmöglichkeiten angeht. So bieten die Briten 37 Lackfarben an.

Radartempomat und Totwinkelwarnder ja - Spurhalteassistent nein

Eher mau allerdings sieht es dagegen bei den Assistenzsystemen aus: Radartempomat und Totwinkelwarner gibt es. Doch selbst einen Spurhalteassistenten kann Land Rover nicht bieten. Geschweige denn eine Verkehrszeichenerkennung oder alle die anderen Helfer, die bei der Premium-Konkurrenz längst gang und gäbe ist. Auch in Sachen Navigation hinken die Briten weit hinterher. Die Kartenanzeige ist dürftig, es gibt weder eine Online-Funktion noch einen Hotspot und somit auch keine echten Verkehrsdaten.

Der neue Range Rover punktet mit enormen Kletterfähigkeiten

Dafür punktet der Geländewagen abseits befestigter Straßen. Denn selbst wenn er zumindest hierzulande zu 99 Prozent Asphalt unter die 20-Zoll-Räder nimmt –seine Kletterfähigkeiten sind enorm. So kann der Fahrer die Karosserie mit Hilfe der Luftfederung während der Fahrt auf unterschiedliche Niveaus anheben und je nach Untergrund fünf Fahrprogramme (Schlamm, Schotter/Gras/Schnee, Sand, Felsen sowie normal) anwählen. Oder einfach den Automatikmodus einschalten. Dann überwacht das Offroadsystem bis zu 500 Mal pro Sekunde, was jedes Rad gerade tut und wählt blitzschnell das richtige Programm. Wenn’s gar nicht mehr weitergeht, klettert der Range mithilfe der bis 60 km/h zuschaltbarer Untersetzung, elektronischer Längs- und Quersperren, weiter. Auf Wunsch überträgt ein Sammelsurium von Kameras, wie der Boden unmittelbar vor und neben den Rädern aussieht. Der Fahrer kann also selbst in schwerem Gelände sitzenbleiben und muss nicht aussteigen um die Strecke zu sondieren.
Bis zu 60 Zentimeter kann jedes Rad ein- und ausfedern. Da kann auch die geländegängige Konkurrenz nicht mithalten. Spätestens aber bei der nächsten Flussdurchquerung schwimmt der Range davon: Sofern sein Fahrer die Fenster geschlossen lässt, was sich angesichts 90 Zentimeter Wattiefe doch sehr empfiehlt. In Sachen Offroadfähigkeit hat der Range Rover im internen Land-Rover-Ranking nun den bisher Geländekönig Discovery abgelöst.

Perfekte Mischung aus SUV und komfortabler Limousine

Genau das macht den Range Rover so einzigartig: Große SUV gibt es viele, komfortable Limousinen ebenfalls. Aber die perfekte Mischung aus beiden, die keine Kompromisse eingeht, heißt Range Rover. Das macht den Briten zum idealen Auto für Individualisten, die unter der Woche höchst komfortabel ihre Geschäftsreisen erledigen und am Wochenende die Jagdhütte in den Bergen ansteuern wollen. Denen Komfort und Individualität wichtiger sind als das perfekte Auto von der Stange.

*) Bei 20.000/40.000 km pro Jahr, 60/36 Monate Laufzeit.
Quelle Betriebskosten: Dekra, Stand: Dezember 2012

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18. Dezember 2012
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