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Fahrbericht Renault Espace: Kurskorrektur

Die Neuauflage des Renault Espace präsentiert sich wesentlich flacher als bisher. Er ist zwar nicht mehr so geräumig, hat aber dafür mit unter anderem Allradlenkung und vielen Fahrerassistenten ordentlich zugelegt.

Wie sich die Zeiten ändern: Der einstige europäische Trendsetter Renault Espace hat sich vom geräumigen Van zum sportlichen Crossover gewandelt. Den Umbruch bei der Formensprache und dem damit verbunden geringeren Raumvolumen für Mensch sowie Gepäck begründen die Franzosen mit schwindenden Verkaufszahlen im einst so beliebten Segment. Traditionelle Vans sind weniger gefragt, Crossover-Modelle oder SUV liegen dagegen mit steigender Tendenz hoch im Kurs, deshalb mussten die Gallier ihren Raumkreuzer praktisch ganz neu erfinden. Schließlich lebt man ja von Stückzahlen.

Geringeres Raumangebot als beim Vorgänger

Unter seinem geduckten Blechkleid bietet der neue Espace Platz in Hülle und Fülle. Mit dem geräumigen Raumwunder – so wie es bei seinen Vorgängern immer der Fall war – ist es aber vorbei, denn es fehlt der fünften Generation vor allem an Höhe. Von diesem Manko ist vorne durch die ungewohnt tiefe Sitzposition nur wenig zu spüren, wer aber den Fond entert und gut und 1,80 Meter überschreitet, merkt sofort, dass die Luft nach oben arg dünn wird. Da tröstet es nur wenig, dass sich die Kniefreiheit auf der verschiebbaren Fondreihe gegenüber dem Vorgänger erhöht hat und für mehr Bewegungsfreiheit sorgt.

An der Länge hapert es dem neuen Crossover hingegen nicht, denn die ist mit 4,86 Metern genauso groß wie beim letzten XXL-Grand Espace. Der Neue ist um gut 250 Kilo leichter und es gibt ihn nur in einer Karosserieversion. Dabei soll es auch zukünftig bleiben, denn eine weitere Variante, so wie man es vom Vorgänger her kannte, ist nicht geplant. So bleibt es bei einem Radstand, der sich aber auf üppige 2,88 Meter erstreckt.

Sieben Sitze weiterhin im Programm

Optional lässt sich der Espace weiterhin zum Siebensitzer aufrüsten. Das zusätzliche Mobiliar gibt es für 672 Euro netto und dient allenfalls zur Notunterkunft, denn ganz hinten wird es für ausgewachsene Kollegen richtig eng. Zudem reduziert sich dann das Kofferraumvolumen von 680 auf magere 247 Liter. Die Variabilität präsentiert sich völlig verändert. Die Einzelsitze in Reihe zwei und drei können nicht mehr ausgebaut werden, sie verschwinden dafür bei Nichtbedarf galant im Wagenboden.

Dazu genügt ein einfacher Knopfdruck, entweder direkt vom Gepäckabteil aus oder aus dem Cockpit. Das ist gleichermaßen praktisch wie bequem. Dann wird der Espace zum kleinen Transporter, schluckt maximal bis zu 2.101 Liter an Gepäck und darf über 700 Kilo an Gewicht mitschleppen. Auf Wunsch öffnet und schließt die Heckklappe jetzt auch elektrisch.

Aufgeräumter Innenraum mit reichlich Ausstattung

Der Innenraum wurde komplett überarbeitet. Die Instrumente wanderten von der Mittelposition unterhalb der Windschutzscheibe endlich direkt hinters Lenkrad. Das Cockpit-Layout lässt sich in mehreren Stufen konfigurieren, gleiches gilt für die farbenfrohe Ambiente-Beleuchtung im Innern. Und auf dem neuen, ausfahrbarem Head-up-Display sind alle wichtigen Informationen im direkten Blickfeld des Fahrers zusammengefasst.

Die Ausstattung des Crossover-Galliers kann sich ebenfalls sehen lassen und umfasst bereits in der Basisversion Life allerhand Nützliches. So sind LED-Scheinwerfer, ein Audio-Infotainment inklusive Navi, die Klimaautomatik, oder der Tempomat in der werksseitigen Grundausrüstung schon mit drin. Ein riesiges Handschuhfach mit einem Fassungsvermögen von zwölf Litern gehört mit dazu.

Der Espace beweist eine Menge Liebe zum Detail

Überhaupt haben sich die Franzosen bei der Gestaltung im Innern viel Mühe gegeben. Das merkt man nicht nur an den hochwertigen Materialien, die sich richtig gut anfühlen, sondern auch an der offenen Mittelkonsole, die scheinbar frei im Raum schwebt und problemlos als Designer-Möbelstück durchgehen könnte. Auf ihr thront ein kleiner, nicht minder durchgestylter Wählhebel, darüber befindet sich ein senkrecht emporragender 8,7-Zoll großer Touchscreen als zentrales Bedienelement.
 
Alle Funktionen lassen sich mit den Fingern per Wischen, Tippen und Zoomen wie bei einem Tablet-PC intuitiv ansteuern. Weniger überzeugen können dagegen die beiden Cupholder im unteren Teil der Mittelkonsole. Statt kleiner 0,5 Liter-Flaschen einen sicheren Halt zu gewähren, dienen sie nämlich den Flaschen schon nach der ersten Kurve als Raketenabschussbasis und lassen sie in den Fußraum schleudern. Nicht gerade ein Sicherheitsgewinn.

Lobenswerte Bedienung ohne unnötigen Schnickschnack

Andere Dinge wurden dagegen wesentlich besser durchdacht und gelöst, denn sie folgen nicht dem unaufhaltsamen Trend der Voll-Digitalisierung wie bei so manch anderem Wettbewerber. So gibt es im Espace für Heizung und Klimatisierung groß dimensionierte Drehregler und Knöpfe. Sehr vernünftig, dadurch lässt sich die Temperatur wesentlich schneller einstellen und erspart das lästige Durchklicken durch die unendlichen Weiten der Untermenüs. Besser kann man es eben einfach nicht machen und heutzutage leider keine Selbstverständlichkeit.

Gleiches gilt für die Sitzheizungsschalter, die sich erstmals bei einem Renault dort befinden wo sie auch hingehören, nämlich nicht tief unterm Mobiliar versteckt, sondern griffgünstig auf der Konsole liegend. Auch die neue Massagefunktion für die bequemen Vordersitze erweist sich als angenehm, die den Rücken gestresster Außendienstler während ihrer Terminhatz sanft durchknetet. Dafür muss wiederum der senkrecht stehende Touchscreen bemüht werden, was aber nicht wirklich stört, da dieses Luxusgut nicht ständig gebraucht wird. Auch an genügend Fahrerassistenzsysteme haben die Franzosen gedacht. Von der Notbremse, über den Spurhalter bis hin zum adaptiven Abstandsradar ist alles für den Espace lieferbar.

Kleine Motoren mit viel Power

Bei der Motorisierung folgt Renault dem Downsizing-Prinzip. Drei aufgeladene 1,6-Liter sind mit einer Leistung von bis zu 200 PS beim Benziner im Angebot. Die beiden Diesel leisten 130 beziehungsweise 160 PS. Letzterer rollt serienmäßig mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe vor und schnurrt leise wie kultiviert sein Lied. Der derzeit kräftigste dCi im Programm hat schon bei niedrigen Drehzahlen ausreichend Kraft und kommt mit dem gut 1,7 Tonnen schweren Crossover gut zurecht. In 9,9 Sekunden ist der Franzose auf Tempo 100, Spitze: 202 km/h.

Das Werksversprechen von 4,7 Litern haben wir nicht geschafft, gut zwei Liter mehr sollte man einkalkulieren. Über die sogenannte Multi-Sense Funktion kann das Ansprechverhalten von Motor, Getriebe sowie adaptivem Fahrwerk verändert werden. Dann gleitet der Espace entweder im Eco-Modus oder nimmt die nächste Biegung im dynamisch-straffen Sport-Programm.

Allradlenkung mit Doppelfunktion

Grundsätzlich bleibt er aber immer ein komfortabler Reisewagen, daran ändert auch die aufpreispflichtige Hinterradlenkung 4Control wenig. Sie bringt aber dennoch zwei Vorteile mit sich. Bei hohem Tempo schlagen die Hinterräder in gleicher Richtung zur Vorderachse ein, das bringt mehr Agilität. Beim Rangieren agieren die Hinterräder entgegengesetzt zu den Vorderrädern. Das sorgt für einen kleinen Wendekreis, der in Verbindung mit der Hinterradlenkung um fast einen Meter geringer ausfällt als regulär. Er beträgt mit 4Control bei 11,1 Metern, was für ein Fahrzeug mit einer Länge von knapp unter der fünf Metern immer noch ein respektabler Wert ist.

Autor

Foto

Renault

Datum

7. April 2015
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