Renault Kadjar 9 Bilder Zoom

Fahrbericht Renault Kadjar: Galliens neuer Staubwedel

Mit dem Kadjar meldet sich Renault mit einem Kompakt-SUV zurück. Seine Gene stammen vom Nissan Qashqai, vom Japaner kommt auch der Allrad. Dennoch macht der Franzose vieles anders. Wir haben den Kadjar 4x4 mit 130 PS-Diesel ausprobiert.

Kompakte SUVs liegen voll im Trend und boomen unaufhaltsam, aber das wissen Sie ja bereits. Beinahe hätte Renault die stetig steigende Nachfrage glatt verschlafen. Recht spät sprangen sie auf den Zug auf um sich eine dicke Scheibe abzuschneiden, doch endete der erste Versuch ziemlich glücklos. Damals hieß der Stammhalter Koleos, der von der Renault-Tochter Samsung eilig nach Europa herbei beordert wurde. Hierzulande fand der klobig anmutende Südkoreaner wenig Freunde, denn er hatte nicht viel vorzuweisen. Der Koleos verkaufte sich nur in homöopathischen Dosen und unter Dienstwagenfahrern fand er so gut wie gar nicht statt.

Trotz Japan-Genspender – der Kadjar ist ein Franzose

Der Neue soll es jetzt richten und beim Kadjar scheint es, als hätten die Franzosen alles richtig gemacht. Diesmal wählten sie einen erfolgreichen Genspender von Allianzpartner Nissan aus: den Qashqai. Den hat Renault zwar geklont, den Kadjar jedoch viel Eigenständiges verpasst. Vom Japan-SUV stammt die Technik inklusive Allrad, der Rest ist typisch französisch. Das zeigt sich schon auf den ersten Blick. Der 4,50 Meter lange SUV ist richtig schick und greift mit seinem geschwungenen Design die aktuelle Formensprache von Renault auf.

Moderne Technik und ein ansprechendes Ambiente

Auch sonst ist der Kadjar up-to-date. Auf Wunsch leuchtet er Straßen mit modernen Voll-LED-Scheinwerfern und Kurvenlicht aus, die Rückleuchten strahlen ebenso mit der stromsparenden LED-Technologie und als Beschlagschutz gegen nasskalte Tage gibt es eine beheizbare Windschutzscheibe. Innen verbreitet der Kadjar eine wohnliche Atmosphäre. Wohin das Auge auch blickt, gibt es aufgeschäumte Kunststoffe und eine saubere Verarbeitung oben drauf.

Die Sitze bieten genug Oberschenkelauflage und das Platzangebot ist selbst hinten für lange Personen noch großzügig. Mit einem einfachen Zug am Hebel lässt sich das Kofferraumvolumen von 472 auf 1.478 Liter erweitern. Dann klappen die Rücksitzlehnen nach vorn und es entsteht eine nahezu ebene Ladefläche. Als praktisch erweist sich dabei der doppelte Boden. Der kann senkrecht hochgestellt werden, damit das Gepäck von Vielfahrern oder Handelsvertretern nicht verrutscht. Und für diejenigen die ab und an auch mal langes Ladegut unterbringen müssen, gibt es eine umklappbare Beifahrerlehne.

Individuell einstellbare Digital-Instrumente

Analoge Anzeigen sind im französischen SUV passé, stattdessen gibt es ein gut ablesbares TFT-Display für Geschwindigkeit und Drehzahl, links und rechts daneben befinden sich zwei getrennte LED-Anzeigen für Wassertemperatur und Tankinhalt. Auch ist das Ganze mehrfach konfigurierbar. Im Design vierfach, bei der Farbwahl sind es fünf Möglichkeiten. Gleichzeitig verändert sich das Layout am Siebenzoll-Multimedia-Touchscreen. Den hätte Renault aber ruhig etwas höher im Blickfeld des Fahrers positionieren können, ansonsten lässt sich das sogenannte R-Link2 durch Zoomen oder Blättern einfach bedienen. Ebenso können die Kommandos per Sprache oder vom Lenkrad aus erfolgen.

Der 130 PS-Diesel hat es nicht leicht mit dem Kadjar

Drei Motoren sind beim Kadjar im Angebot – allesamt bewährte Aggregate aus dem Renault-Motorenregal. Neben dem 1,2 Liter-Benziner mit 130 PS, gibt es einen Turbodiesel mit 1,5 Litern Hubraum und 110 PS sowie den 1,6-Liter-Motor mit 130 PS. Grundsätzlich ist der kräftigste Diesel eine gute Wahl. Der Vierzylinder gefällt mit hoher Laufkultur, bleibt auch bei hohem Tempo schön leise und verfügt über ausreichend Kraft. Bei Überholmanövern oder an Steigungen wünscht man sich allerdings mehr Leistungsreserven, denn der Allrad-Kadjar ist mit 1,6 Tonnen kein Leichtgewicht und der Motor will fleißig gedreht werden. Apropos Allrad. Der Antrieb erfolgt variabel und ist über den Drehschalter auf der Mittelkonsole von Frontantrieb bis hin zur Sperrfunktion einstellbar. Ist die letzte Stufe gewählt, rollt der Kadjar auf unwegsamem Terrain mühelos über Stock und Stein. Eine reichlich bemessene Bodenfreiheit von 20 Zentimetern sorgt zudem für genügend Luft unter dem Blech.

Im Komfort liegen seine Stärken

Und wie fährt er sich auf normalem Asphalt? Ein Kurvenräuber á la Ford Kuga ist der Renault Kadjar nicht. Dazu ist seine elektromechanische Lenkung zu indirekt und schwergängig, auch ist das Fahrwerk eine Spur zu weich. Dafür glänzt der Qashqai-Klon wiederum mit einem sehr geschmeidigen Federungskomfort, der auf derbem Straßenbelag spürbar feinfühliger ausfällt als beim Nissan-Schwestermodell. Die Sechsgangbox kann im Renault überzeugen, belegt aber ebenso unseren Gesamteindruck, dass der Kadjar 4x4 mehr für´s gemütliche Cruisen gemacht ist. Sie lässt sich leichtgängig schalten, weist jedoch lange Wege auf.

Allrad nur beim Top-Diesel

Den Allradantrieb gibt es ausschließlich für den stärksten Diesel mit 130 PS und auch erst ab der zweithöchsten Ausstattungsstufe XMOD. Dann sind für den Kadjar 4x4 mindestens 25.118 Euro fällig, dafür bringt er aber schon einige Fahrerassistenten mit. Dazu zählen Spurhaltewarner, Verkehrszeichenerkennung, Einparkhilfe sowie ein automatisches Fernlicht. Darüber hinaus kann der Kadjar optional mit einem Totwinkelwarner oder der City-Notbremse ausgestattet werden.

Foto

Renault

Datum

12. Juni 2015
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