Rolls-Royce Dawn 9 Bilder Zoom

Fahrbericht Rolls-Royce Dawn: Nach oben offen

Das schönste an Luxus ist, dass man sich damit von der breiten Masse absetzen kann. Wer sich allerdings einen Rolls-Royce Dawn als Firmenwagen leistet, ist schon richtig weit weg.

Bekanntlich macht Geld alleine nicht glücklich, aber es weint sich doch besser auf dem Rücksitz eines Rolls-Royce als in der Straßenbahn. Im Falle unseres Testwagens ist der Rücksitz zwar kein schlechter Platz – gut genug für ein wenig Blues allemal – aber vorne sitzt es sich allemal besser. Zumal man dort einer etwaig traurigen Begleiterin einfacher per Knopfdruck ein paar Sterne zeigen kann, die man ihr gelegentlich vom Himmel holen könnte, wenn es denn das Wetter erlaubt. Anders als beim Rolls-Royce Wraith, dessen Sterne am Dachhimmel schnöder LED-Technik entspringen – dafür sind sie dimmbar – bietet der Dawn aus gleichem Haus himmlische Leuchtkörper gewissermaßen unplugged.

Bei 277.000 Euro geht es erst los

Die rollende Morgendämmerung gehört zur raren Gattung der viersitzigen Luxuscabrios und steht aktuell ziemlich konkurrenzlos da. Ein Bentley Continental GTC ist deutlich enger und sportlicher, zudem auch weitaus billiger, ein Mercedes S-Klasse Cabrio nachgerade ein günstiges Allerweltsauto und der große Bruder Phantom Drophead Coupé wird aktuell nicht mehr gebaut. Natürlich gibt es teurere Fahrzeuge als diesen offenen Rolls. Die Preisliste für den Dawn beginnt schließlich schon bei 277.310 Euro (Alle Preise netto). Unser Testwagen kam mit allerlei "Bespoke" genannten Individualisierungsoptionen auf 347.058 Euro. Bugatti-Kunden zahlen da ja schon mehr an Mehrwertsteuer. Aber die sogenannten Hypercars dieser Welt, egal ob offen oder geschlossen, sind letztlich allesamt kein Wettbewerb für einen Rolls-Royce.

Schon alleine, weil Hast und Eile, mithin jede Form pseudosportiver Gangart, völlig unangemessen scheinen. Natürlich kann ein Dawn auch schnell. Die 571 PS, die säuselnd dem Sechsliter-Zwölfender unter der langen Motorhaube entspringen, sind immerhin genug, dass die Höchstgeschwindigkeit elektronisch auf 250 km/h begrenzt wird. Und wenn es sein muss, ist Landstraßentempo in 4,9 Sekunden erreicht.

Der Weg ist das Ziel

Der Gasfuß wurde von uns aber höchstens mal ganz durchgedrückt, um ein paar lästige Trecker auf ansonsten schönen Landstraßen schneller aus den Augen zu bekommen. Grundsätzlich ist Gleiten angesagt. Eine schöne Yacht rast schließlich auch nicht wie ein Speedboot übers Wasser. Das Einhalten von Tempolimits ist überhaupt kein Problem, wenn man verinnerlicht, das letztlich bei einer solchen Tour der Weg das Ziel ist. Zumal Plätze, die man mit einem Rolls-Royce ohne aufzufallen anfahren kann, in Deutschland rar gesät sind.

Wie in allen Modellen der Marke öffnen sich die Türen nach hinten. Das wirkt im zweitürigen Cabrio besonders schick, verströmt einen Hauch von Art Deco. Ein praktischer Nutzen ergibt sich daraus nicht. Im Gegenteil, zum Schließen der ganz geöffneten Tür bedarf es elektrischer Hilfe, die man auf Knopfdruck an der A-Säule anfordern kann. Enge Parkbuchten sind selbstverständlich zu meiden.

Das Thema Alltagstauglichkeit stellt sich in einem solchen Fahrzeug nur bedingt. Üblicherweise hat der Eigner noch zwei bis drei Autos in der Garage. Wir haben den Dawn trotzdem mit zum Einkaufen genommen, was auf dem Parkplatz des Getränkemarktes für staunende Blicke und neugierige Fragen sorgte. Nebenbei ergab sich die Erkenntnis, dass man mit geöffnetem Verdeck ziemlich genau zwei Kisten in das theoretisch 470 Liter fassende Gepäckabteil platzieren kann. Weder Bier noch Wasserkisten sind flach genug, um unter der üppigen Wanne für das gleichermaßen größte wie schnellste Verdeck in einem viersitzigen Cabrio Platz zu finden. Ein flacher Koffer, ein Kleidersack und zwei Trolleys passen dafür locker rein, so dass man Reisen durchaus mit ein paar Übernachtungen angehen kann.

Fahrerassistenten von BMW

Dazu empfehlen wir gut ausgebaute Landstraßen und ein geöffnetes Verdeck. Auch ohne Windschott zieht es nur sehr wenig, selbst die während der Fahrt von diesem "Frühling" gelieferten einstelligen Temperaturen störten unterwegs kaum. Heizung und Gebläse versehen ihren Dienst, wie es sich für gutes Personal gehört, unauffällig und effizient. Gleiches gilt für all die elektronischen Helfer, die Konzernmutter BMW vom eigenen Topmodell 7er der britischen Tochter spendiert hat. Diesbezüglich gefällt uns die Taste am besten, mit der man den großen Bildschirm durch eine schöne Wurzelholzblende schließen kann. Dass derlei Bedienelemente allesamt aus dem Vollen gefräst sind, versteht sich von selbst. Was aussieht wie Holz, ist Holz, und was aussieht wie Metall, ist welches. Kunststoff wird nur sehr sparsam verwendet. Leder und Holz dafür umso mehr.

Die Sitze zählen eindeutig zu den bequemsten, die man in einem Automobil haben kann. Der Teppich ist so weich, dass er auch gehobenen Badezimmeransprüchen genügen könnte. Zur wohligen Behaglichkeit des Interieurs gesellt sich ein Fahrwerk, dass eiligen Vertretern zu weich sein dürfte, aber eben dadurch alles wegfiltert, was die schnöde Welt an Unebenheiten parat hält. Akustisch lassen sich Abrollgeräusche und dezentes Windpfeifen mit dem Rolls Royce "Bespoke Audio-System“"trefflich verscheuchen. Für Auto und Begleitung singt Billy Joel derweil wohltemperiert "I want you just the way you are".

Autor

Foto

Rolls-Royce

Datum

18. Mai 2017
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