Alles über Elektroautos im Praxistest
Smart Forfour ED 13 Bilder Zoom

Fahrbericht Smart Fortwo/Forfour ED: So fährt der Elektroflitzer

Jetzt gibt’s auch den viersitzigen Smart als Elektroauto. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum der kleine Stromer so viel besser ist als sein Vorgänger.

Energieversorger, City-Kuriere, Pflegedienste – der Elektro-Smart ist längst in Flotten heimisch. Vor allem nach dem Update, das der letzten Generation einen stärkeren Motor und mehr Reichweite verschaffte. Das Auto kommt an, weil es so mini ist und in jede Parklücke passt. Zumindest, so behauptet man bei Smart, ist das für jeden zweiten Fahrer der Kaufgrund. Andererseits entschied sich auch jeder zweite potenzielle Kunde gegen den elektrischen Stadtflitzer, weil er nur zwei Sitze hat. Dieses Manko beendet nun die vierte Generation des elektrischen City-Flitzers, die am 10. März 2017 zu Preisen ab rund 18.500 Euro (alle Preise netto) beim Händler steht. Denn jetzt elektrifiziert die Marke auch den größeren Forfour (18.991 Euro).

An der Technik hat sich nichts grundlegend geändert. Die Lithium-Ionen-Batterien sitzen wieder unter dem Boden, wo sie eine massive Rahmenkonstruktion bei einem Unfall schützen sollen. Das Rennen um die größte Reichweite macht die Marke nicht mit, selbst wenn Renault beim Zoe nun 300 oder Opel für den Ampera-E sogar über 500 Kilometer angeben. 160 Kilometer schafft der Zweisitzer nach Norm, 155 Kilometer der Forfour. Das ist kaum mehr als bisher, würde aber für alle innerstädtischen Einsätze völlig genügen, heißt es. In Wirklichkeit, so verraten die Ingenieure, passt in den Sandwichboden gar keine größere Batterie. Jedenfalls bedeutet das in der Praxis, dass man spätestens nach rund 120 Kilometer eine Steckdose suchen sollte.

An einer normalen Haushaltssteckdose wird der 17,6 kWh große Akku in sechs, an einer mit 16 Ampere abgesicherten Dose in 3,5 Stunden auf 80 Prozent geladen. Deshalb sollte man besser gleich den Schnelllader bestellen. Der kostet rund 1.250 Euro und damit nur noch halb so viel wie bisher. An öffentlichen Ladestationen ist der Speicher dann bereits nach 45 Minuten wieder gefüllt. Mit etwas Glück findet man sogar Stationen, an denen man kostenlos zapfen kann. Aldi Süd beispielsweise verschenkt den Strom an 53 Standorten.

Fahren konnte er schon immer gut, jetzt federt der Smart ED auch anständig

Cooles Interieur, viele Farben, gutes Raumangebot, Mini-Wendekreis, die E-Versionen von Fortwo und Forfour unterscheiden sich nicht von den Modellen mit Benzinmotor. Erstaunlicherweise wirkt der Zweisitzer etwas höherwertig als der von Renault und eng mit dem Twingo verwandte Forfour. Dessen Hartplastik-Innenraum und die dünnen Türchen zeigen, wo die Controller den Rotstift angesetzt hatten. Beim Fortwo spürt man den wahren Fortschritt im direkten Vergleich zum Vorgängermodell. Dessen straffes Fahrwerk malträtiert die Rücken der Insassen ordentlich und schüttelt sie kräftig durch. Der Umstieg in den neuen Smart ist eine echte Wohltat. Beide Varianten federn wirklich anständig. Schlaglöcher bringen sie ebenso wenig aus der Ruhe wie Gullideckel.

Geschenkt, dass die Leistung des Motors um 6 PS stieg. Geschenkt, dass der Fortwo gute 11 Sekunden auf 100 km/h braucht, der Forfour einen Wimpernschlag länger. An der Ampel hängt man mit dem Elektroauto jeden Verbrenner ab und wem die 81 PS für die Fahrt durch die City nicht genügen, hat das Prinzip Elektromobilität nicht verstanden. Wobei der Smart mit etwas Anlauf auch 130 km/h schnell rennt, ohne dass man sich unwohl fühlen müsste.

Vernetzung ist auch beim neuen E-Smart ein tragendes Thema. So beobachten Radarsensoren die Umgebung des Autos, erkennen den Abstand zum Vordermann. Beim Ausrollen bremst das Auto deshalb nur so stark ab, dass der richtige Sicherheitsabstand gehalten wird und bei freier Strecke schaltet er in den Segelbetrieb.

Fahrer und Auto vernetzt die sogenannte Smart Control App. Sie informiert über Ladestand, Reichweite oder Reifendruck. Zusätzlich kann der Fahrer Ladezeiten programmieren und so zum Beispiel günstigen Nachtstrom nutzen. Stellt er die Startzeit ein, klimatisiert das Auto den Innenraum oder schaltet rechtzeitig die Sitzheizung ein. Sofern der Akku mindestens 30 Prozent voll ist, klappt das sogar, wenn das Auto nicht an der Steckdose hängt. Auch beim Laden hilft die App. Hat der Besitzer die Vertragsdaten seines Energieanbieters hinterlegt, lädt das Auto über das weit verbreitete Plug and Charge-Profil. Das dafür nötige Vertragszertifikat wird von der Ladesäule in das Fahrzeug übertragen.

Zusätzlich sind weitere Dienstleistungen erhältlich. Beispielsweise die Möglichkeit, sich mit einem oder mehreren Autos ein eigenes Carsharing-System aufzubauen. Als Herzstück dient wie bei Car2go ein hinter der Scheibe angebrachtes Elektronik-Kästchen, das mit dem Smartphone des Nutzers kommuniziert. Zusätzlich bekommt der Käufer Zugriff auf eine von Fleetster maßgeschneiderte Buchungs- und Abrechnungssoftware. Mit deren Hilfe vergibt das Unternehmen ausgewählten Fahrern Zugriffsrechte. Die können die Autos über ihr Smartphone buchen, öffnen und schließen. Selbst unterschiedliche Miet- und Kilometergebühren lassen sich einprogrammieren, was vor allem bei privaten Käufern Sinn ergibt. Nach dem Motto: Die Familie nutzt den Smart kostenlos, die Nachbarn müssen zahlen.

In USA gibt es den Smart nur noch elektrisch

Die Liste der Möglichkeiten soll ständig erweitert werden. Schon jetzt gibt es eine Kooperation mit DHL, bei der Paketzusteller ihre Päckchen in den Kofferraum liefern. Die Smart-Werkstatt könnte das Auto per Ferndiagnose überprüfen, neue Software überspielen und falls sie den Öffnungscode bekommt, das Auto einfach abholen und wieder zurückbringen, ohne dass sich der Besitzer darum kümmern müsste.

Für Smart sind die Elektromodelle die tragende Säule, um weiter erfolgreich zu bleiben. In den USA, in Kanada und Norwegen wird der Smart schon gar nicht mehr mit Verbrennungsmotor angeboten. Und auch in Deutschland soll die Elektroquote kräftig steigen. 4.000 Euro staatlicher Bonus helfen dabei natürlich, zumal der Smart ED dann kaum mehr kostet als ein vergleichbarer Benziner. Vergleichbar heißt: inklusive Automatik, Tempomat, Klimaautomatik, Radio, Winterpaket und mehr. Und auch inklusive Batterie. Die wird man künftig nicht mehr mieten können. Stattdessen bekommt der Käufer für acht Jahre oder bis 100.000 Kilometer die Garantie, dass seine Batterie mindestens 70 Prozent der ursprünglichen Leistung liefert. Da kaum jemand weiß, wie sich die Restwerte von Elektroautos entwickeln, könnte das für Flottenbetreiber zum schlagenden Kaufargument werden.

Foto

Smart

Datum

27. Februar 2017
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