Ssangyong Tivoli 10 Bilder Zoom

Fahrbericht Ssangyong Tivoli: Nobody‘s perfect

Der neue Tivoli soll endlich Ssangyongs Billig-Image abschütteln. Günstig ist er dennoch. Zum Schnäppchenpreis ab 16.793 Euro netto gibt‘s den Mini-SUV mit Allrad und Diesel. Gespart haben die Koreaner an wichtigen Extras.

Ssangyong. Noch nie gehört? Da stehen Sie nicht alleine da. Die meisten Autofahrer kommen beim koreanischen Hersteller ins Grübeln. Und wenn doch mal jemand wissend nickt, dann hat er das SUV-Ungetüm Rexton oder den optisch gewöhnungsbedürftigen Crossover-Van Rodius vor Augen. Beide treffen weder den europäischen Design-Geschmack, noch genügen sie den hiesigen Qualitätsansprüchen. Doch es gibt ein Modell aus dem Hause Ssangyong, das durchaus auch hierzulande seine Daseinsberechtigung hat: der Tivoli.

Seit letzten Sommer ist der Tivoli auf dem Markt. In der Klasse der Mini-SUV tritt er unter anderem gegen Opel Mokka, Renault Captur und Peugeot 2008 an. Der Tivoli soll die Marke vom Billig-Image wegführen. Mit tatkräftiger Unterstützung des indischen Autokonzerns Mahindra, der die Koreaner vor rund fünf Jahren aus der finanziellen Patsche half und das nötige Geld in die Tivoli-Entwicklung steckte

Übliche Komfort-Extras sind an Bord

Nun steht er bei uns vor der Verlagstür. In knalligem Flaming Rot. Richtig modern schaut das Mini-SUV aus. Die 18-Zöller machen ihn größer, die breiten hinteren Kotflügel lassen ihn sportlich und muskulös wirken. Und er bringt auch einiges an Komfort-Extras mit, die wir ihm gar nicht zugetraut hätten. Ohne den Schlüssel aus der Jacke zu kramen, öffnet der Tivoli die Türen. Die Außenspiegel klappen dabei elektrisch aus. Rein in die gute Stube. Plopp. Die Tür fällt satt ins Schloss und wir sitzen leicht erhöht auf weichem Leder. Mit etwas schwarzem Klavierlack um den Schalthebel und den sieben Zoll großen Touchscreen mit Tom-Tom-Navigation sowie einfacher Chromoptik am Lenkrad und Armaturenbrett schafft es der Tivoli die weitgehend harten Plastikoberflächen und die simplen Lenkradtasten gekonnt zu kaschieren.

Ganz nett: Der Bordcomputer zeigt uns beim Ausparken sogar an, in welche Richtung die Räder stehen. Schnell noch Lenkrad- und Sitzheizung an, auf den Start-Knopf gedrückt und dann kann’s losgehen. Während uns die Instrumentenringe in unterschiedlichen Farben anleuchten, erwacht der 1,6-Liter-Diesel leise säuselnd zum Leben. Wir rollen durch die Tiefgarage zur Ausfahrt und scannen nochmals ungläubig das Cockpit. Ratter, ratter, ratter. Das alles soll schlappe 24.000 Euro netto kosten? Unser Testwagen ist mit Allradantrieb, 18-Zöllern, Navi, Lederausstattung, elektrischem Schiebedach und Zwei-Zonen-Klimaanlage immerhin nahezu voll ausgestattet. Und obendrein bietet Ssangyong noch fünf Jahre Garantie

Keinerlei Assistenzsysteme

Den Gedanken noch nicht vollends zu Ende gebracht, schießt uns der blecherne Klang der automatischen Türverriegelung durch Bein und Mark. Nachdem zudem die kleine Anfahrschwäche überwunden ist und wir nun auch nicht mehr ganz so euphorisch sind, drückt der Tivoli mächtig aufs Tempo. Im oberen Drehzahlbereich hängt er umso besser am Gas. Beim Fahrwerk wollte es Ssangyong wohl besonders der europäischen Kundschaft recht machen, die Federung fällt sehr straff aus. Für unseren Geschmack zu straff. Wie in einem Sportwagen rumpeln wir über scheinbar katastrophale Straßen. Als Fahrer nimmt man jede Unebenheit im Asphalt war.

Bockig ist auch der erste Gang, der ansonsten anständigen Sechsgang-Box. Er klemmt ab und an und will einfach nicht immer rein. Beim Handling mimt der SUV wiederum den Weichspüler. Es fehlt an Präzision und Rückmeldung, egal ob im Sport- oder Komfort-modus. Und es fehlt auch an Assistenten. Selten hatten wir einen Testwagen, der gar nicht mehr piepst und blinkt im Cockpit. Lediglich eine Rückfahrkamera und eine Berganfahrhilfe bringt der Tivoli mit. Damit fehlen Ssangyong wichtige Argumente, um bei europäischen Autofahrern nicht gleich wieder in Vergessenheit zu geraten

Autor

Foto

Ssangyong

Datum

15. Mai 2016
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