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Fahrbericht Suzuki Swift: Ganz oder gar nicht

Die sechste Generation des Suzuki Swift steht am Start: kürzer, leichter, geräumiger und – in der Topversion – auch sicherer. In puncto Ausstattung lässt er zwei Möglichkeiten: alles oder nichts.

Wer mit den Jahren etwas runder wird und in die Breite geht, lässt es meist ruhiger angehen. Nicht so der Suzuki Swift. Mit neuen Proportionen und nach einer 120 Kilo-Diät hat der japanische Clio, Corsa & Co-Konkurrent auch in der sechsten Generation nichts von seiner Spritzigkeit verloren. Im Gegenteil, mit quirligem Turbo-Dreizylinder, ausgewogenem Fahrwerk sowie zeitgemäßer Sicherheits- und Komfortausstattung empfiehlt sich Suzukis Kleinwagen-Bestseller ab Mai als frische Alternative für Pizzaboten, Arzneikuriere und Pflegedienste.

Wenig Ähnlichkeit mit den Modell-Brüdern

Wobei Suzukis Designer auf Markenidentität offensichtlich nicht viel geben. Teilt der neue Swift doch weder irgendwelche Merkmale mit den zuletzt vorgestellten Modellbrüdern Vitara, SX4 S-Cross, Celerio und Baleno – mit Ausnahme des Markenlogos vielleicht – noch sieht er dem Vorgänger irgendwie ähnlich. Allein die Form mit vergleichsweise voluminösem Vorderwagen und großer Frontscheibe, nach hinten leicht abfallendem Dach und schwarzer A-Säule könnte man als typisch Swift durchgehen lassen.

Was nicht heißt, dass der 3,84 Meter lange Kleinwagen eine schlechte Figur macht. Einen Zentimeter kürzer, drei flacher und vier breiter wirkt die Karosse, flankiert von betonten Radhäusern und stark konturierter Schulterlinie, nun sogar noch etwas dynamischer. Auch die vertikal platzierten Scheinwerfer, in der Topversion auch mit LED-Technik samt Tagfahrlichtleisten, unterstreichen die schlanke Optik. Etwas irritierend erscheinen allein der neue Grill, der in seiner sechseckigen Form sehr an Hyundai-Modelle erinnert sowie die hinteren Türgriffe, die wie bei der Alfa Giulietta in die C-Säulen integriert sind und den nur noch als Fünftürer angebotenen Swift wenigstens wie einen Dreitürer aussehen lassen.

Viel Platz und ein modernes Cockpit

Trotz neuer Maße und Rundungen gibt es dank neuer Plattform und auf 2,45 Meter gestrecktem Radstand innen mehr Platz für Mensch und Gepäck. Zwei Zentimeter mehr zwischen den Achsen und ein neues Packaging bedeuten vor allem größere Kopffreiheit für die Fondpassagiere und 265 Liter Kofferraumvolumen. Klappt man die Lehnen um, entstehen sogar 947 Liter – und eine Stufe im Ladeboden.

Im Cockpit dominieren Rundinstrumente und schwarzes Hartplastik, kontrastiert mit weißen Blenden und matten Chrom-Applikationen. Blickfang ist jedoch – wenn auch nur in der Top-Ausstattung – ein Sieben-Zoll-Touchscreen, über den das gesamte Infotainment inklusive Navigation und Smartphone-Anbindung via Bluetooth oder auch Apple CarPlay und Android Auto gesteuert wird.

Die neue Plattform macht nicht nur mehr Platz, sondern den Swift auch leichter. Um ganze 120 auf 915 Kilogramm hat der neue Swift gegenüber dem Vorgänger abgespeckt, was sowohl auf der Straße wie an der Zapfsäule zu spüren ist. Sportlich agil lässt sich der Swift

mit strammem Fahrwerk und direkter Lenkung durch den urbanen Spurenslalom oder Kurven über Land treiben. Selbst bei Highspeed auf der Autobahn bleibt der kleine Japaner vergleichsweise gelassen, auch wenn man sich hier ständig dabei ertappt, in den sechsten Gang schalten zu wollen. Den gibt es aber (noch) nicht. Es sei denn, man ordert die Sechsstufen-Automatik, die es allerdings nur für den neuen 1.0 Boosterjet-Benziner gibt.

100 Kilo leichter als der größere Baleno

Der knurrige Dreizylinder-Turbo mit 111 PS kam erstmals im Baleno zum Einsatz, scheucht den gut 100 Kilogramm leichteren Swift mit seinen kräftigen 170 Newtonmeter Drehmoment noch einen Tick schneller auf Landstraßentempo und maximal bis 195 km/h. Dabei soll er sich nach Norm mit 4,6 Liter (104 g/km CO2) begnügen. Erstmals kombiniert Suzuki den Benzin-Direkteinspritzer wahlweise auch mit seinem Mild-Hybridsystem SHVS, in dem ein integrierter Startergenerator samt Lithium-Ionen-Batterie den Verbrenner beim Start und Beschleunigen elektrisch unterstützt. Nicht um ihn schneller zu machen, sondern um ihn zu entlasten und damit Sprit zu sparen. Auf der Rolle konnte Suzuki den Verbrauch damit auf 4,3 Liter (97 g/km CO2) drücken.

Der aus dem Vorgänger bekannte 1,2-Liter-Dualjet-Vierzylinderbenziner mit 90 PS bleibt als Einstiegsmotor im Programm. Künftig zwar ohne SHVS, aber dafür immer noch, als einer der wenigen Kleinwagen überhaupt, wahlweise mit einem variablen Allradantrieb, der die Kraft bei Bedarf automatisch an die Hinterräder leitet.

Mehr Assistenzsysteme als üblich

Ebenso ungewöhnlich im Klassenvergleich sind die vielen Assistenzsysteme, die mit Kamera, Laser- und Radarsensoren vor ungewolltem Spurwechsel und aufkommender Müdigkeit des Fahrers warnen, automatisch zwischen Abblend- und Fernlicht wechseln sowie den Abstand einhalten und bei drohender Kollision nach optischer und akustischer Vorwarnung notfalls selbstständig den Anker werfen. Das funktioniert leider so gut, dass der Wagen sogar im städtischen Stop&Go beständig losplärrt, wenn der Vordermann nicht schnell genug die Spur wechselt oder an der Ampel zu langsam in die Puschen kommt. Allerdings sind alle Systeme nur mit dem Turbobenziner und in der Top-Ausstattung zu haben.

Womit wir beim kniffligsten Teil des neuen Swift-Auftritts sind: der Preisgestaltung. Weil Suzuki weder Einzeloptionen noch Pakete anbietet, heißt es beim neuen Swift: Entweder alles oder nichts – oder jedenfalls nicht viel. Los geht’s mit dem 90-PS-Vierzylinder ab 11.588 Euro (alle Preise netto). Allerdings ohne Klimaanlage und Radio, nicht mal eine Laderaumabdeckung oder eine teilbare Rücksitzlehne ist in der Basic-Version mit drin. Das alles gibt es erst in der Version Club, inklusive Funkfernbedienung, verstell- und beheizbare Außenspiegel und LED-Tagfahrlicht.

Der Dreizylinder-Turbo wiederum steigt erst ab 14.235 Euro in der Comfort-Ausstattung ein, zusätzlich mit Sitzheizung, Smartphone-Anbindung, Rückfahrkamera und 16-Zoll-Alufelgen. Nur in dieser Version gibt es auch den Vierzylinder mit Allradantrieb für 14.487 Euro. Die Assistenz-Armada schließlich ist exklusiv und nur komplett der höchsten Ausstattung Comfort+ ab 16.336 Euro vorbehalten. Hier gehört außerdem noch der 7-Zoll-Touchscreen inklusive Navigationssystem, LED-Scheinwerfer und das Mild-Hybrid-System für den Turbo dazu. Wenn auch nicht in Verbindung mit dem Automatikgetriebe, für das dann nochmal 588 Euro fällig werden. Große Beträge für so ein kleines Auto.        
 

Autor

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Suzuki

Datum

5. April 2017
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