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Fahrbericht BMW Active Hybrid 5: Teures Vergnügen

Der BMW Active Hybrid 5 kombiniert Fahrspaß mit Sparsamkeit. Punktabzug gibt es beim Preis.

Ein paar Zentimeter vor, ein paar Zentimeter zurück und dann langsam vom Supermarkt-Parkplatz Richtung Straße. Während ich den BMW aus der Parklücke rangiere, schaut mein Beifahrer  etwas verwirrt aus der Wäsche. "Wie, der soll 340 PS haben?" Zugegeben, wäre ich nicht schon seit ein paar Tagen mit dem BMW Active Hybrid 5 unterwegs, würde ich das jetzt wohl auch nicht glauben. Immerhin bewegen wir uns die paar Meter völlig geräuschlos vorwärts. Kein V6-Grummeln, kein Zittern der Auspuffrohre bei Gasstößen. Allein der 55 PS starke Elektromotor schiebt uns in Schlangenlinien um die Einkaufswagen. Erst als wir den Fünfer auf die Straße bewegen und ich den rechten Fuß Richtung Bodenblech drücke, springt der Drei-Liter-Ottomotor in gewohnter Klangkulisse hinzu. Aus dem Augenwinkel erkenne ich nun ein respektvolles Nicken meines Beifahrers.
Es dauert aber nicht lange und der Drehzahlmesser schnellt wieder Richtung null - die E-Maschine hat erneut das Kommando übernommen. Das Wechselspiel geht den ganzen Stadtverkehr durch. Bei normaler Fahrweise ist der mitarbeitende Benziner nur an der tanzenden Drehzahlnadel zu bemerken - leise und ohne die Insassen zu schütteln, setzt er seine Kräfte ein. Laut BMW schafft der 5er-Hybrid bis zu vier Kilometer bei höchstens 50 Sachen rein elektrisch. Auch auf der Autobahn koppelt sich der Otto bis Tempo 160 ab und lässt den Fünfer segeln. In der Praxis funktioniert das reibungslos.

Der E-Motor spart Sprit und erhöht die Power

An der Zapfsäule gibt sich der Teilzeit-Stromer aber deutlich durstiger, als es BMW verspricht. Die Münchner geben einen kombinierten Verbrauch von 6,4 Litern auf 100 Kilometern an. Unser Testwagen genehmigte sich selbst auf der eher defensiv ausgelegten Normrunde ganze 9,3 Liter.

Zieht man allerdings wiederum in Betracht, dass es der 1,9-Tonner auf stolze 340  PS Systemleistung bringt, geht der Wert völlig in Ordnung. Zumal das E-Motörchen nicht nur zum Spritsparen dient, sondern sein Drehmoment, das schon von Beginn an voll anliegt, auch in einer Art Boost-Funktion bei der Beschleunigung beisteuert. Benziner und E-Motor stemmen so zusammen 450 Nm auf die Kurbelwelle. Von null auf Tempo 100 sprintet die Limousine in 5,9  Sekunden.

Vom leichten Übergewicht (150 Kilo) des Active Hybrid 5 gegenüber dem 535i spüren wir in Bezug auf das Fahrverhalten nichts. Leichtfüßig spurtet der Hybrid aus Kurven heraus. Lenkung, Schaltdynamik und die optionalen adaptiven Dämpfer werden über den Fahrerlebnisschalter – von Eco Pro über Comfort bis Sport+ - der aktuellen Gemütslage angepasst. Nur bei der Beladung des Kofferraums müssen Hybrid-Fahrer Abstriche machen. Während der Elektromotor noch platzsparend im Gehäuse der Achtgang-Automatik untergekommen ist, verkleinert die Lithium-Ionen-Batterie das Kofferraumvolumen deutlich um 175 Liter auf 375.

Deutlich höherer Einstiegspreis als beim 535i

Eine größere Schwachstelle entdecken wir beim Blick in die Preisliste. 52.857 Euro verlangt der Münchner Hersteller für den Hybrid-Hammer. Rund 10.000 Euro mehr als für den 535i. Immerhin wird der Hybrid standardmäßig mit einer Achtgang-Automatik, 17-Zöllern und einer Vierzonen-Klimaautomatik ausgestattet. Auch das große Navigationssystem Professional samt 10,2 Zoll großem Bildschirm baut BMW serienmäßig ein.

Nicht ganz ohne Grund: Wird dem Active Hybrid 5 ein genaues Ziel vorgegeben, analysiert das System vorausschauend, welcher Fahrmodus der wirtschaftlichste ist. Geht es einen Berg hoch und gleich danach wieder herunter, überwindet der BMW die Steigung vorzugsweise mit Elektro-Kraft. Bergab werden die Akkus durch häufigeres Bremsen wieder aufgeladen. Oder das Navi berechnet, ab wann in der Zielzone rein elektrisch gefahren werden kann - so wie in unserem Fall: Wir nähern uns langsam der Zielstraße und der Benziner koppelt sich auf den letzten hundert Metern wieder ab. Im reinen E-Betrieb rangieren wir in die Parklücke. Im Augenwinkel erkenne ich wieder ein respektvolles Kopfnicken meines Beifahrers.

* Bei 20.000/40.000 km pro Jahr, 60/36 Monate Laufzeit.

Quelle Betriebskosten. Dekra, Stand: September 2012

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12. September 2012
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