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Fahrbericht Toyota Avensis: Im Herzen ein Bayer

Mit dem überarbeiteten Avensis will Toyota wieder in die Flotten zurück. Ein gutes Argument sind die neuen Euro-6-Dieselmotoren von BMW. Was er sonst zu bieten hat, zeigt der Fahrbericht.

Es ist schon ein paar Jahre her, aber Avensis-Fahrer galten mal als äußerst clevere Autofahrer. Warum? Weil sie einen Dienstwagen zum kleinen Preis ergatterten, der durchaus mit einem Passat mithalten konnte. Heute klopft kein Kollege mehr Avensis-Fahrern anerkennend auf die Schulter. Der Japaner ist deutlich in die Jahre gekommen – optisch wie technisch. Sein letztes Facelift liegt vier Jahre zurück und fiel zudem sehr dezent aus. Konkurrenten wie Hyundai i40, Opel Insignia oder Mazda 6 schossen am Japaner vorbei und stehen bei Flottenmanagern seither höher im Kurs.

Das soll sich nun ändern. Beim neuen Avensis handelt es sich zwar erneut nur um eine Modellpflege, die fällt dafür tiefgreifend aus. Auch die Designer durften endlich ran an die Mittelklasse. Verjüngt und gestrafft steht er da. An der Front trägt er das neue Markengesicht mit frei schwebendem Toyota-Emblem. Gut, dass man ihm die zweite Überarbeitung ansieht. Noch wichtiger ist aber, mit welchen Motoren die Japaner ihrer Mittelklasse neuen Schwung verleihen wollen. Die kommen nämlich von BMW: ein 1,6-Liter-Diesel mit 112 PS und ein Zweiliter-Diesel mit 143 PS.

112 PS sind nicht viel, für den Dienstweg aber ausreichend

Um die wichtigste Frage vorab zu klären: Ja, der kleinere der beiden BMW-Vierzylinder genügt für den 1,5 Tonnen schweren Kombi völlig. Wenn Sie den für Ihr Unternehmen bestellen, werden Ihnen die Kollegen zwar nicht um den Hals fallen, mit seinen 270 Nm Drehmoment bringt er den Avensis dennoch so flott in Schwung, dass sie unauffällig im Verkehr mitschwimmen. Auf den typischen Diesel-Punch im unteren Drehzahlbereich wartet man beim 1,6-Liter-Motor vergeblich, er dreht recht gleichmäßig aus den unteren Drehzahlen heraus.

Zum gemäßigten Temperament des Motors passt das weich abgestimmte Fahrwerk mit neuen Dämpfern. Sehr komfortabel rollt der Avensis dahin, federt über jegliche Bodenwelle gelassen hinweg. Mit verstärktem Dämmmaterial hält Toyota zudem Wind- und Motorgeräusche von unseren Ohren fern. Die Lenkung arbeitet leichtgängig und präzise dazu. Bei so viel Gemütlichkeit hinterm Steuer ärgert es dann auch nicht, dass die Schaltwege der Sechsgang-Box etwas länger sind. Im Gegenteil: Wir genießen es sogar, dass uns der Avensis nach einem stressigen Tag regelrecht entschleunigt und zur Ruhe bringt. Ein Automatik-Getriebe bietet Toyota aber für keinen der beiden Diesel an.

Start-Stopp ist Serie, der Verbrauch liegt bei 4,2 Liter

Der Selbstzünder mit zwei Liter Hubraum geht etwas druckvoller zur Sache und packt mit 320 Nm ab knapp 1.700 Touren spürbar zu. Sportlich fahren lässt sich der Japan-Kombi aber auch mit dem größeren BMW-Motor nicht. Egal, für welchen Diesel Sie sich letztendlich entscheiden: Der Avensis ist und bleibt ein Vernunftauto, das nicht auf Fahrspaß, sondern Sparsamkeit getrimmt wurde. Beide Motoren erfüllen die Euro-6-Norm, verfügen über eine Start-Stopp-Automatik und verbrauchen laut Toyota lediglich 4,2 beziehungsweise 4,5 Liter Sprit.

Bei der Frage nach der richtigen Motorisierung entscheidet daher eher der Preis. Wem der Kombi mit Grundausstattung genügt, der greift am besten zum Einstiegs-Avensis 1.6 D-4D für 23.100 Euro netto. Der Zweiliter-Diesel 2.0 D-4D startet ohnehin erst in der höheren Comfort-Linie ab 26.126 Euro. Zur gut bestückten Serienausstattung mit unter anderem Lederlenkrad, Klima, MP3-/CD-Radio und Notbremsassistent (bis 80 km/h) kommen dann noch Extras wie Licht- und Regensensor, Klimaautomatik, Multimedia-System samt 8-Zoll-Touchscreen sowie Rückfahrkamera hinzu.

Die Business-Line bringt alle wichtigen Extras mit 

Für den Außendienst hat Toyota die Businesslinie zusammengestellt, in der die beiden Diesel-Motoren preislich nur noch 756 Euro auseinanderliegen. Navi, Voll-LED-Scheinwerfer, Verkehrszeichenerkennung sowie Fernlicht- und Spurhalteassistent sind dann ebenfalls an Bord. Gänzlich fehlen Abstandstempomat und Totwinkelwarner. Außerdem verwirrt die Verkehrszeichenerkennung auf dem Kombiiinstrument. Die Kamera an der Windschutzscheibe erfasst häufig eine andere Geschwindigkeits-begrenzung als uns das Navi auf dem Touchscreen anzeigt.

Auch grafisch ist das Multimedia-System alles andere als ein Leckerbissen, dafür einfach in der Bedienung. Am geradlinig angeordneten Armaturenbrett finden wir uns schnell zurecht. Toyota hat hier nur die wichtigsten Knöpfe untergebracht. Lediglich das Lenkrad ist etwas mit Direkttasten überfrachtet. Die Stoffsitze mit Alcantara-Einsätzen sind bequem gepolstert und auch für längere Fahrten geeignet.

Günstiger als die Konkurrenz

Und auch sonst gibt der Avensis eine passable Figur ab. An den Türen und am Armaturenbrett wechseln sich Leder-Applikationen mit weichen Kunststoffen ab. Nur die Hartplastik-Abdeckung um die Schaltkonsole fällt von der Haptik her etwas ab. Wenigstens folgt Toyota nicht dem Mainstream und kleistert die Mittelkonsole wie viele andere Importeure mit schwarzem Klavierlack zu, der Staub und Fingerabdrücke geradezu anzieht. Im Kofferraum hat Toyota einen feinen Teppich statt billigen Filz verlegt. Der fühlt sich nicht nur gut an, sondern verhindert zudem, dass Koffer in Kurven hin und her rutschen. Mit Hilfe der beiden Aluschienen lässt sich das Gepäck zudem fest verzurren.

Ein bisschen mehr Innovation und raffinierte Details hätten wir uns dennoch erhofft: elektrische Heckklappe? Hat er nicht. Taschenhaken oder eine Entriegelung für die Rücksitzlehnen vom Kofferraum aus? Fehlanzeige. Auch das Gepäckrollo passt nicht unter den doppelten Kofferraumboden. Schwamm drüber. Das Gesamtpaket beim Avensis stimmt dafür. Denn mit 23.100 Euro für den kleinen Diesel liegt Toyota preislich unter der Konkurrenz, zum Passat sind es gar rund 2.000 Euro. Ob das aber für einen Schulter-Klopfer reicht?

Autor

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Toyota

Datum

17. Juni 2015
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