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Fahrbericht Toyota RAV4: Richtungswechsel

Der neue Toyota RAV4 präsentiert sich erwachsener und ist spürbar geräumiger. Neben einem neuen Einstiegsdiesel sowie Fahrerassistenzsystemen gibt es für die 4x4-Versionen zudem ein optimiertes Allradsystem. Und endlich: eine klassische Heckklappe. Im April rollt er in den Handel.

Wer hätte das gedacht: Als Toyota 1994 den kompakten RAV4 präsentierte, konnte noch niemand ahnen, dass dieses Fahrzeug mal einen Boom auslösen würde. Für ihr Freizeitfahrzeug mit Allradantrieb (Recreational Activity Vehicle with 4-wheel drive), so die Original-Bezeichnung, verwendeten die Japaner, statt des bisher üblichen Leiterrahmens, eine moderne selbstragende Karosserie. Der erste Softroader war geboren und wurde weltweit zum Erfolg. Das blieb natürlich auch anderen nicht verborgen. Aus der Marktlücke von einst entfaltete sich ein eigenes Segment: Inzwischen tummeln sich 19 verschiedene Kompakt-SUV auf dem deutschen Markt. Heute hat nahezu jeder Hersteller ein Fahrzeug dieser Gattung im Programm. Nicht ohne Grund, denn gegen den Allgemeintrend, wachsen die Verkaufszahlen bei den Softroadern stetig weiter.

Beim Neuen flossen Kundenwünsche mit ein

Gewachsen ist auch die vierte Generation des RAV4. Toyota hat bei der Entwicklung des neuen Modells ihre Kunden befragt, von denen in Deutschland bisher immerhin rund 20 Prozent in gewerblicher Hand sind. Ein Kritikpunkt war das Platzangebot, deshalb legte der hochbeinige Kompakte in der Länge um knapp 21 Zentimeter zu. Vom Zuwachs profitiert der Radstand mit zehn Zentimetern, der nun auf 2,66 Meter gestreckt wurde. Das Design des nun 4,57 Meter langen RAV4 orientiert sich am Familiengesicht aktueller Toyotas. Eigentlich schade, denn der knuffig-markante Charakter des Kultmobils ging beim Neuen verloren.

Dafür kann sich auf jeden Fall das Platzangebot sehen lassen. Obwohl die Dachlinie im Vergleich zum Vorgänger flacher verläuft, bleibt reichlich Luft über den Köpfen der Insassen. Licht und Schatten hingegen bei der Materialqualität. Während das geschwungene Cockpit bei Anmutung mit Softtouch-Oberflächen im unteren Bereich zugelegt hat, versprühen Kunststoffblenden, Karbondekor und Chrom den Charme der 80er Jahre. Gleiches gilt für die Digitaluhr, die weiterhin ausschließlich im Zwölfstunden-Modus arbeitet. Auch die Anordnung der Schalter wurde stellenweise nicht optimal gelöst, da sie dort sind, wo man sie auf Anhieb nicht vermutet. Und das kleine Navi benötigt bei Neuberechnungen ungewöhnlich lange.

Hinterbänkler haben einen klaren Platzvorteil

Hiervon bekommen die Fondpassagiere so gut wie nichts mit. Im Gegenteil, sie genießen den Längenzuwachs am meisten und freuen sich besonders über einen spendablen Fußraum. Zehn Zentimeter mehr Radstand sorgen fast schon für Lounge-Charakter. Bei der üppigen Beinfreiheit, die der RAV4 seinen Gästen anbietet, kann die restliche, kompakte SUV-Konkurrenz einpacken – manch Oberklasse-Limousine übrigens auch. Neben der zweiten Sitzreihe im XL-Format wuchs auch das Kofferraumvolumen. 547 Liter sind es im Normalfall, bei umgeklappten Sitzlehnen stehen 1.746 Liter zur Verfügung. Die Ladekante ist rückenfreundlich tief angeordnet und die Heckklappe ist endlich, statt an der linken Seitenwand, altbewährt oben am Dach montiert. Da hat Toyota während der Kundenbefragung wohl sehr genau hingehört. Vor allem Westeuropäer im Rechtsverkehr werden es danken, da sie bisher den RAV4, statt vom Bürgersteig, von der Straße be- und entladen mussten. Auf Wunsch öffnet und schließt die Ladeluke sogar elektrisch. Zudem lässt sie sich für Heim-Garagen oder Parkhäuser mit niedriger Deckenhöhe in der Höhe vorjustieren.

Übersichtlich gestaltet sich die Motorenpalette. Der 177 PS-Diesel entfällt, der 2,2-Liter D-4D leistet weiterhin 150 PS und der ebenfalls bekannte Zweiliter-Benziner hat mit 158 PS nun sieben PS weniger. Wahlweise gibt es Front- oder den frisch überarbeiteten Allrad IDSS. Der leitet über die gedrückte Sport-Taste beim Einlenken zehn Prozent mehr Kraft an die Hinterachse weiter. Das sorgt für eine höhere Agilität beim Herausbeschleunigen und mehr Grip.

Kleiner Turbodiesel aus dem Avensis nun auch im RAV4

Alles in allem bevorzugt der RAV4 aber lieber das beschauliche Cruisen. Dazu passt auch der dritte Motor im Bunde, der Zweiliter-Einstiegsdiesel. Der Motor stammt aus dem Avensis und bringt es, hier wie dort, auf 124 PS. Einzig dieser Motor verfügt über eine Start-Stopp-Funktion und wird ausschließlich als Fronttriebler angeboten. Er passt gut zur gemütlichen Grund-Gesinnung des Japaners. Die Kraftentfaltung ist gleichmäßig und reicht vollkommen aus um locker im Verkehr mitzuschwimmen. Für den Verbrauch gibt Toyota nur 4,9 Liter an, knapp zwei Liter mehr entsprechen aber eher der Realität.

Einen Hybriden bietet der Vorreiter der alternativen Antriebstechnik hingegen nicht an. Dafür aber drei Fahrerassistenzsysteme: Ab dem zeitlich begrenzten Einführungsmodell Start Edition ist ein Toter-Winkel-Warner für 546 Euro erhältlich. Das Paket aus Spurwechselwarner sowie Fernlichtassistenten gibt es dagegen nur für die Topversion Executive (504 Euro). Wo wir schon bei den Preisen sind: Der frontgetriebene Basisdiesel mit unter anderem sieben Airbags, Klima und Bluetooth-Freisprecheinrichtung beginnt bei 22.395 Euro, der große 2,2-Liter D-4D mit Allrad und Sechsstufen-Automatik kostet als Executive 31.555 Euro.

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26. Februar 2013
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