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Fahrbericht VW e-Golf: Alles Watt ihr Volt

VW rückt die Elektrifizierung stärker in den Vordergrund. Die Wolfsburger bringen mit dem e-Golf ihren ersten Stromer in die Kompaktklasse. FIRMENAUTO hat sich einen ersten Fahreindruck verschafft.

Der im letzten Jahr präsentierte e-Up war erst ein kleiner Vorgeschmack auf die VW-Elektromobilität. Nun langen die Wolfsburger gleich doppelt hin. Anders als bei BMW gibt es aber nichts Extravagantes aus Kohlefaser vom Schlage eines i3, sondern bezahlbare Konfektionsware aus Stahl rund um den Golf. Ihn gibt es ab Mai auch als reinen Stromer, darüber hinaus ab Oktober als Plug-in Hybriden. Anders als bei den Münchenern mussten jedoch bei VW keine neuen Produktionsstraßen eröffnet werden, denn die beiden Neuen laufen zusammen mit den herkömmlichen Modellen von einem Band.

Im VW-Baukasten steckt Potential

Möglich macht dies der modulare Querbaukasten (MQB), damit ist die Plattform gemeint auf der alle aktuellen Golf basieren. Das birgt jede Menge Vorteile. Dadurch kann VW individuell auf die Nachfrage am Montageband reagieren. Ist sie beim Stromer hoch, legt VW nach, liegt sie hingegen niedrig, rücken in der Produktionsstraße ganz flexibel reguläre Golf nach. Davon ist aber nicht auszugehen, denn das neue Mobilitätskonzept wirkt genauso stimmig wie der Preis. Der beginnt beim 85 kW (115 PS) starken e-Golf bei moderaten 29.328 Euro netto. Somit ist er ausstattungsbereinigt nur rund 2.500 Euro teurer als ein vergleichbarer Golf TDI, liegt aber preislich auf dem demselben hohen Niveau eines BMW i3 mit 125 kW/170 PS.

Serienmäßige LED-Scheinwerfer und optimierte Aerodynamik

Der Elektro-Golf ist mit unter anderem großem Navigationssystem sowie LED-Scheinwerfern serienmäßig bereits umfassend ausgestattet. Optische Unterschiede zum normalen Golf betreffen das sichelförmige LED-Tagfahrlicht im Stoßfänger sowie eine blau unterlegte Zierleiste, die über die gesamte Fahrzeugnase verläuft. Ein geschlossener Kühlergrill sowie Leichtlaufräder sind nicht nur weitere Erkennungszeichen, sondern senken den Luftwiderstand. Innen präsentiert sich der Stromer rund ums Cockpit ebenfalls etwas anders. Anstelle eines Drehzahlmessers gibt es links vom Tacho ein Powermeter, welches den Fahrer auf seiner Rundskala über die Kraftabgabe oder den aktuellen Ladezustand informiert. Die Energierückgewinnung kann indes auf dem zentralen Navi-Monitor abgerufen werden.

Nachladen mit drei Möglichkeiten: besonders schnell, langsam und ganz langsam

Die kleine Rundanzeige unterm Tacho gibt die Kapazität der Akkus preis, der Bordcomputer in der Mitte die Reichweite. Mit einer Ladefüllung soll es der Elektro-Golf bis zu 190 Kilometer weit schaffen. Das Auffüllen der 24,2 kWh Lithium-Ionen Zellen kann auf drei Arten geschehen. Entweder an einer CCS-Schnellladestation (Combined Charging System), die sie in 30 Minuten auf bis zu 80 Prozent befüllt. Die zweite Möglichkeit besteht an einer Wallbox, dann erhält das Speicherreservoir in acht Stunden den vollen Saft zurück. Und drittens an einer herkömmlichen 230 Volt Steckdose. Das dauert aber mit bis zu 13 Stunden am längsten.

Acht Jahre Garantie auf die Akkus, Ladekontrolle per App

Die letzte Variante werden wohl die wenigsten Kunden nutzen, obwohl sie die Lebenszeit des Hochvoltdepots um einiges verlängert. Nun gut, jedenfalls schaffen die Wolfsburger Vertrauen, indem sie auf die Batteriezellen eine ausgiebige Garantie von acht Jahren oder alternativ 160.000 Kilometer geben. Je nachdem was zuerst eintritt. Natürlich kann der Fahrer mittels einer eigenen VW-App den aktuellen Ladezustand abrufen. Darüber hinaus kann via Smartphone das Fahrzeug vorklimatisiert werden. Die App zeigt außerdem Fahrdaten an, beinhaltet eine Wiederfind-Funktion auf beispielsweise großen oder unübersichtlichen Parkplätzen. Und für ganz vergessliche Piloten gibt es eine Kontrollfunktion, die anzeigt, ob das Licht auch wirklich ausgeschaltet ist oder die Türen verschlossen sind.

Das Platzangebot ist Golf-like, Kofferraum und Zuladung sind geringer

Da die 318 Kilo schweren Batterien im Mitteltunnel und unter der Rückbank platzsparend untergebracht sind, gibt es für die Gäste keinerlei Einschränkungen beim Platzangebot. Aber es müssen auch kleine Abstriche gemacht werden: Statt der herkömmlichen 380 bis 1.270 Liter schluckt der Kofferraum beim e-Golf nur 343 bis maximal 1.233 Liter. Das lässt sich noch leicht verschmerzen, da Stromer mit umlegbarer Rückbank variabel bleibt. Weniger schön ist die geringe Zuladung von 375 Kilogramm. Gerade noch akzeptabel, immerhin ist der Fünfsitzer fast 1,6 Tonnen schwer.

Kraftvoller Antritt, forsche Beschleunigung

Beim Fahren offenbart sich der e-Golf als flott. Den Zündschlüssel umgedreht, den Wählhebel des 1-Gang-Getriebes von P auf D positioniert und schon legt der alternative Golf leise sowie tatkräftig los. So vehement, dass der 85 kW starke Elektromotor unter der Fronthaube auch schon mal kurzzeitig die Reifen aufrauchen lassen möchte. Logisch, 270 Nm Drehmoment liegen beim e-Golf schon ab der ersten Umdrehung an. Tritt der Fahrer aber zu forsch das Fahrpedal Richtung Bodenblech, bremst die ASR-Elektronik den ungestümen Vortrieb regulierend ein. Wenn es sein muss, gewinnt der e-Golf die meisten Ampelsprints oder spurtet innerhalb von glaubwürdigen 10,4 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 140 km/h elektronisch begrenzt.

Für mehr Restreichweite gibt es jede Menge Fahrprogramme

Wie bei allen Elektroautos, nagen allzu flotte Manöver natürlich an der Gesamtreichweite. Wer sich aber ein rohes Ei unter die rechte Schuhsohle schnallt, wird sicherlich bis zu 190 Kilometer weit kommen. Zusätzlich wird der Sparwille von diversen Fahrstufen (D1 bis D3 sowie B) am Wählhebel unterstützt. Ist eine von ihnen aktiviert, bremst der Elektro-Golf im Schiebebetrieb früher ab und rekuperiert. Die meiste Energierückgewinnung erfolgt in der Fahrstufe B, die den VW am stärksten verzögert.

Aber damit nicht genug. Um das Stromdepot stärker in Richtung Reichweite zu schonen, dienen weitere Fahrprogramme. Wird etwa Eco oder Eco+ hinzugeschaltet, verringert sich die Leistung des Elektromotors auf 75 beziehungsweise 55 kW. Dann beschleunigt der e-Golf merklich langsamer, die Höchstgeschwindigkeit beträgt nur noch 115 km/h (in Eco+: 90 km/h) und die Klimaanlage läuft im Schonprogramm oder wird bei Eco+ völlig abgeschaltet.

Mietwagen gibt es gratis dazu

Damit der Golf-Stromer nicht zum Nischenmodell verkümmert, haben die Wolfsburger für ihn ein Rundum-sorglos-Paket geschnürt. So hat jeder e-Golf-Besitzer einen kostenlosen Anspruch auf einen kostenlosen Mietwagen. Dieser steht bis zu 30 Tage im Jahr zur Verfügung und bis maximal 6.000 Kilometer. So werden längere Reisen oder große Urlaubstouren nicht gleich zu einem Mobilitätsproblem.

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VW

Datum

24. März 2014
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