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Sale-and-Lease-Back: Unicorn hat die Flotte zu Geld gemacht

Stellt sich ein Unternehmen neu auf, kann der gekaufte Fuhrpark belasten. Mit Sale-and-Lease-Back ist Unicorn der Umstieg auf Leasing gelungen.

Fuhrparkmanagement kann auch bedeuten, dass ein Fuhrparkleiter seine komplette Flotte hochkant aus dem Unternehmen hinauswirft. Stefan Wiese jedenfalls hat seine Aufgabe als Prokurist und Fuhrparkleiter bei Unicorn in Hannover mit genau dieser Maßnahme begonnen.

Leasing- statt Kauffuhrpark

Dass er die Fahrzeuge dann doch wieder durch die Hintertür hereinlässt, gehört zu einem Plan, mit dem das auf Geld- und Wertdienstleistungen spezialisierte Unternehmen den Status seiner Flotte als Kauffuhrpark in den eines Leasingfuhrparks ändern wollte. Anlass für diese grundlegende Umstellung sind strategische Gründe.

Als Unicorn den Dienstleister "Geld- und Werttransporte GmbH" übernimmt, befindet sich im Verkaufspaket ein stattlicher Fuhrpark mit 240 Geldtransportern sowie rund 100 Pkw – zur Hälfte Funktionsfahrzeuge und klassische Dienstwagen.

Nach der Übernahme setzt Unicorn auf Wachstum. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die eigenen Mittel wirtschaftlich eingesetzt werden. Deshalb landet auch der Fuhrpark auf der Agenda. "Wir haben uns gefragt, ob eine Flotte im Eigentum unseren Geschäftszwecken am besten entspricht", erinnert sich Stefan Wiese. Da Unicorn nicht nur für den Bargeldkreislauf sorgt und die Geldautomaten diverser Banken mit gepanzerten Geldtransportern anfährt, um diese mit Barem zu bestücken, sondern auch den Stördienst für die Geräte unterhält, sind die Fahrzeuge der Techniker ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der betrieblichen Mobilität. "Für uns stand der Betrieb der Fahrzeuge im Vordergrund. Zudem wollten wir keine eigene Fuhrparkabteilung unterhalten", erklärt Wiese die Neuausrichtung.

Verkaufen und direkt zurückleasen

Wie aber lässt sich eine Flotte zu Geld machen, wenn im Tagesgeschäft jedes Fahrzeug dringend benötigt wird? Unicorn hat sich in dieser Situation für das Verfahren des sogenannten Sale-and-Lease-Back entschieden. Dahinter steht die Idee, dass ein Unternehmen seinen Fuhrpark zunächst an einen Leasinganbieter verkauft. Im Gegenzug least man die Fahrzeuge vom Leasinganbieter direkt wieder zurück. Dieses Prozedere spült frisches Geld in die Betriebskasse. Gleichzeitig verschwindet der Fuhrpark aus den eigenen Büchern und wird fortan vom Leasinggeber bilanziert. Was die Nutzung der Fahrzeuge angeht, bleibt dagegen alles beim Alten – Funktionsfahrzeuge und Dienstwagen lassen sich in gleichem Umfang nutzen wie vorher.

Damit der Umstieg zur Leasingflotte gelingt, ist eine vernünftige Ausschreibung gefragt. Am Anfang steht daher eine akkurate Bestandsaufnahme des Fuhrparks, wie Stefan Wiese berichtet. "Wir haben uns jedes Fahrzeug genau angesehen und nur die Modelle in die Ausschreibung aufgenommen, die wir tatsächlich weiter benutzen wollten. Zudem haben wir für jedes Fahrzeug ein Wertgutachten in Auftrag gegeben, das Zustand, Technik und Ausstattung dokumentiert."

Unicorn hatte anfangs Probleme

Für die Leasinganbieter bildet das Gutachten die Grundlage für das Angebot zur Übernahme. Allerdings stößt die Ausschreibung von Unicorn zunächst nur auf verhaltene Resonanz. "Zwar führen die meisten Leasinggesellschaften das Sale- and-Lease-Back im Programm. Knackpunkt waren aber unsere Geldtransporter. Die meisten Anbieter hatten Probleme mit unserer Kombination aus Spezial- und Funktionsfahrzeugen sowie Dienstwagen", berichtet Wiese.

Ins Geschäft gekommen ist der Fuhrparkleiter schließlich mit Lease Plan, das auch einen umfassenden Full Service für die Flotte anbietet. Mittlerweile stehen rund 300 gepanzerte Spezialfahrzeuge im Fuhrpark von Unicorn, vor allem VW T5, Crafter und MB Sprinter. Bei den Funktionsfahrzeugen überwiegen Kleinwagen wie VW Polo und Seat Ibiza, während die Dienstwagenflotte mit einer bunten Markenmischung aufwartet, in der jedoch die Modelle aus dem Volkswagen Konzern überwiegen. Die Geldtransporter laufen in der offenen, Funktionsfahrzeuge und Dienstwagen in der geschlossenen Kalkulation. Pro Quartal bestellt Unicorn in der Regel zwischen 10 bis 15 neue Fahrzeuge. Was Fuhrparkmanagement heute für ­Stefan Wiese bedeutet? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: dass er sich auf Kostenkontrolle und Fuhrparkanalyse konzentrieren kann.

Die Car Policy

Die Flotte der User-Chooser-Dienstwagen umfasst rund 50 Fahrzeuge. Im Rahmen ihres Etats können die Fahrer mitentscheiden. Dieselantrieb und Freisprecheinrichtung sind Pflicht, ansonsten lassen sich auch Cabrios und SUV bestellen. Die Mitarbeiter dürfen aus eigenen Mitteln bis zu zehn Prozent vom Bruttolistenpreis für Zusatz- und Sonderausstattungen investieren. Untersagt ist das Tanken an Autobahntankstellen. Mit dem Versicherer gilt das Arrangement, dass Unicorn Schäden bis 5.000 Euro selbst reguliert. Was darüber liegt, ist Sache des Versicherers.

Geldtransporter

Rund 300 Geldtransporter stehen derzeit im Dienst von Unicorn. Die durchschnittliche Laufleistung der gepanzerten Fahrzeuge liegt bei 50.000 Kilometern im Jahr. In der Regel endet die Dienstzeit nach 350.000 Kilometern. Liegen größere Reparaturen erst kurze Zeit zurück, wird die Laufleistung individuell verlängert.

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Datum

3. Dezember 2012
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