Firmenauto: Fahrbericht Audi A8

Wer will der Größte in der Luxusklasse sein? Audis neues Flaggschiff, das Ende März im Handel sein wird. Die dritte A8-Generation hat mächtig zugelegt, ist nun länger und viel breiter als ihre Konkurrenten, der 7er-BMW und die Mercedes S-Klasse. XXL-Maße hat auch der typische Grill angenommen, viel größer geht es kaum noch. Der Hier-komm-ich-Faktor lässt sich für 1.800 Euro (alle Preise inkl. Mwst.) auf die Spitze treiben, mit dem weltweit ersten LED-Scheinwerfersystem in einem Großserienauto. Schon von weitem ist der Neue damit klar als Audi zu erkennen. Wir haben das Licht bei einer Nachtfahrt in Andalusien ausprobiert: Ein völlig neues Seh- und Sicherheitsgefühl. Klasse!Die TechnikDas 5,14-Meter-Schiff – trotz Alu-Leichtbauweise gut 100 Kilo schwerer als ein 7er-BMW Siebener – ist bis unters Dach vollgestopft mit Assistenzsystemen. Damit zieht Audi mit den Neuen aus Stuttgart und München gleich. Und teilweise sogar vorbei. So mit einem radargesteuerten Abstandstempomaten (3.750 Euro), der das Auto bei einem drohenden Auffahrunfall vollautomatisch bis zum Stand abbremsen und später sogar wieder beschleunigen kann. Ausprobiert haben wir das Nachtsichtsystem (2.000 Euro), dessen Wärmebildkamera aus der Bewegung von Mensch oder Tier sogar erkennen kann, ob das Lebewesen möglicherweise gefährdet werden könnte und den Fahrer rechtzeitig akustisch warnt. Das funktioniert und fasziniert. Nur bei Audi im A8 neu ist die praktische Verkehrsschild-Erkennung per Kamera, die es bei Opel im Insignia gibt.Der InnenraumNahezu optimal, besser als bei BMW und Mercedes. Der fast wahnhafte Drang zur Perfektion geht bei Audi soweit, dass alle Kanten der Alu- und Dekoreinlagen per Hand nachgeschliffen werden. Auch im Cockpit versuchen die Ingolstädter, mit brandneuen Extras auf die Poleposition der Luxus-Dienstwagenklasse zu gelangen. Links neben dem einem Airbus-Schubhebel nachempfundenen Wählschalter der neuen Achtstufenautomatik befindet sich eine unscheinbare schwarze Fläche. Dieses bislang einzigartige Feld – ein Touchpad, das Dienstwagenfahrer ja schon von ihrem Laptop kennen – ist Teil des weiterentwickelten MMI-Systems (2900 Euro). Es vereinfacht die Adresseingabe, lenkt deutlich weniger ab. Einfach den Buchstaben der gesuchten Stadt oder Straße „schreiben“, und das Navigationssystem reagiert prompt. Die Elektronik erkennt nicht nur eine Krakelschrift, sondern auch kyrillische oder chinesische Schriftzeichen – die Wachstumsmärkte der Zukunft. Auch das funktioniert bestens, und man fragt sich, warum bisher keiner auf diese Idee gekommen ist. Nicht grundlegend neu, aber anders ist die Massagefunktion der belüfteten, 22-fach verstellbaren Komfort-Sportsitze (insgesamt 4.150 Euro). Zehn pneumatische Kissen massieren Fahrer und Beifahrer in fünf wählbaren Programmen und drei Stärken. Unbeschreiblich. Luft ist eben zarter als Mechanik (beim Massagesitz von Mercedes). Das Richtige für Kilometerfresser. Und wer ganz viel Geld übrig hat, wählt die exklusive Ausstattungsversion Design Selection Balaobraun. Luxuriöser geht es kaum in dieser Klasse. Teurer wohl auch kaum: 14.440 Euro. Und dann kommt der auf Exklusivität versessene Käufer auch nicht mehr um ein weiteres teures Kreuzchen in den ellenlangen Preisliste herum – die phänomenal klingende Bang & Olufsen-Anlage mit 1.400 Watt und 19 Lautsprechern für 6.500 Euro.Die MotorenZum Markstart gibt es nur zwei Achtzylinder. Alte Bekannte, aber grundlegend aufgefrischt. Zeitgemäßes Motto: Leistung rauf, Verbrauch runter. Der Benziner legt um 22 auf 372 PS zu, während der Verbrauch um 1,4 Liter auf 9,5 Liter sinkt. Der Diesel erstarkt um 24 auf 350 PS und verbraucht laut Audi statt 9,4 nur noch 7,6 Liter. Das Drehmoment klettert um 150 Newtonmeter auf 800 Newtonmeter. Beide Triebwerke arbeiten mit einer neuen Achtstufenautomatik von ZF zusammen, die auch Konkurrent BMW einsetzt. Abgeriegelt wird bei Tempo 250. Ja, und? War’s  das schon? Natürlich nicht. Die günstigeren Modelle kommen nur später. Mitte des Jahres folgt ein V6-TDI mit 250 PS und noch immer stattlichen 550 Newtonmetern Drehmoment. Wir konnten dieses für Dienstwagenfahrer interessante Modell bereits fahren. Fazit: Dieser V6 reicht völlig aus, rennt auch bis zu elektronisch abgeriegelten 250 km/h. Und 6,6 Sekunden von Null auf Tempo 100 sollten allemal genügen, um in einem Luxusschlitten nach einem frustreichen Bürotag den richtigen Kick zu bekommen. Freude stellt sich dafür an der Zapfsäule ein. Audi verspricht einen Verbrauch von nur 6,6 Litern für den Allradler. Anteil am bemerkenswerten Spatzendurst hat die in die Achtstufenautomatik integrierte Start-Stopp-Automatik. Weltweit einzigartig. BMW ist bei seiner fast baugleichen Automatik noch nicht so weit. So beflissen und unmerklich, wie die Elektronik die Gänge zum stets richtigen Zeitpunkt sortiert, stellt sie auch den Motor an der Ampel ab und beim Start wieder an. Ohne Ruck, und dann mit Zuck.Noch sparsamer wird Mitte 2011 ein frontgetriebener A8 sein, der mit einem 205 PS starken V6-TDI ausgerüstet sein wird. Glatt sechs Liter, sagen die Techniker für dieses optimierte Triebwerk voraus. Das wäre Rekord in dieser Klasse. Und was ist mit einem Hybriden? Der fährt bereits getarnt umher, und der ist ein Vollhybrid. Dieser Vierzylinder-Turbo mit Benzindirekteinspritzung und gekoppeltem Elektromotor  ist ein Novum, ja geradezu eine Palastrevolution der Stärker-Schneller-Fraktion. Verbrauch unter neun Liter. Start wahrscheinlich 2012.Das FahrerlebnisDie 5,14 Meter und zwei Tonnen Masse schmelzen während der Fahrt auf Passat-Größe zusammen. Die Handlichkeit des A8 verblüfft. Zumal, wenn für 1.150 Euro das Sportdifferential (Serie beim V8-Diesel) geordert wurde. Das verteilt die Antriebskräfte noch einmal extra zwischen den Hinterrädern. In der Formel 1 mittlerweile verboten, sorgt es für ein schnelleres und präziseres Einlenken. Und endlich federt die Luxuslimousine so, wie man das in dieser Klasse erwarten darf. Der serienmäßigen Luftfederung wurde ihr Zittern auf  kurzen Querfugen ausgetrieben. Nun herrscht Ruhe im Schiff, zumal die Geräuschdämmung auch hohen Ansprüchen genügt. Im Drive-Select-Menü des MMI-System hat der A8-Fahrer die Wahl zwischen Sport und Komfort beim serienmäßig elektronisch geregelten Fahrwerk. Der Unterschied ist spür- und erfahrbar. Und er macht Sinn. Genussvolles Gleiten oder pulssteigernde Kurvenhatz? Der A8 hat beides drauf.Die PreiseSelbstbewusst. Der V8-Benziner startet bei 89.300 Euro. Der Diesel gar erst bei 90.800 Euro. Das ist in etwa Mercedes-Niveau und deutlich teurer als der 7er-BMW. Rechnet man dann noch bei Audi gut 15.000 Euro für die attraktiven Assistenzsysteme hinzu, kommt man in den exklusiven sechsstelligen Bereich, in dem die Luft für viele schon dünn wird. Der 250 PS starke V6-TDI drückt den Preis auf 72.200 Euro. Beim Sparmotor und Hybriden hüllt sich Audi noch in Schweigen. Die VorsorgeDass ein solches Dienstfahrzeug auch Begehrlichkeiten falscher Autofreunde zu wecken vermag, hat Audi bereits einkalkuliert und eingepreist: Für 705 Euro gibt es einen Ortungsassistenten, mit dem das gestohlene Auto in 27 europäischen Ländern lokalisiert werden kann. Zusätzlich ist eine „intelligente Wiederstarterschwerung“ integriert. Wenn diese so wirksam wie der Audi-Technikbegriff sperrig ist, dann kann der A8-Fahrer ruhig schlafen.

Datum

9. Februar 2010
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle Tests +++
+++ Alle News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

  • Alle Bereiche
  • Branche
  • Auto
  • Management
  • ecoFleet
  • Recht/Steuer
  • Service
  • Firmenauto des Jahres