Firmenauto: Fahrbericht Nissan Micra: Weltauto für die Stadt

Die Japaner starten im November ein Experiment: Der neue Micra soll ein Weltauto werden, in 160 Ländern angeboten werden und überall allen gefallen. Unter der braven Hülle des Stadtautos steckt interessante Technik, aber es lauern auch einige Fallen des in Indien für Deutschland gebauten Minis. Die TechnikDer Micra der vierten Generation steht auf einer neuen Plattform, die auch Basis für einen künftigen Minivan sowie eine kleine Limousine sein wird. Der Neue ist leicht gewachsen: Länge plus 6,1 Zentimeter, Radstand plus 2,0 Zentimeter. Das kommt dem Innenraum zugute. Trotz größerer Abmaße wurde der nur noch als Fünftürer angebotene Kleinwagen um 35 Kilogramm leichter. Mit 915 bis 970 Kilogramm gehört er zu den Fliegengewichten in seiner Klasse. Alle Modelle haben ESP, ABS, sechs Airbags, eine elektrischen Servolenkung und elektrische Fensterheber vorn.   Der InnenraumWirkt deutlich nüchterner als beim Vorgänger. Denn Nissan will weg vom reinen Frauenauto, hin zum Männerwagen für alle. Dieser Micra gehört zu den Minis mit dem größten Innenraum; ausreichend Kopffreiheit auf allen Plätzen, aber nur knappem Knieraum. Der Kofferraum schluckt nun klassenübliche 265 Liter, die Rücksitzbank lässt sich rasch umklappen; der Ladeboden ist topfeben. Praktisch für Pflegedienste, bei denen der Neue als Firmenauto ins Konzept passen könnte. Schade: Das zerklüftete Cockpit besteht  ausschließlich aus Hartplastik, das im indischen Werk Chennai überdies nur mäßig gut zusammengefügt worden ist. Diese unterschiedlichen Spaltmaße findet man bei europäischen Modellen nicht, ebenso wenig wie die kratzempfindlichen Kunststoffe. Dafür lassen sich die Instrumente bis auf die winzige digitale Tankanzeige gut ablesen.   Das FahrerlebnisDie Schokoladenseite des Nissan ist seine ausgewogene Federung, die dem 3,78-Meter-Mini einen soliden Fahrauftritt verschafft. Weder Fahrwerkspoltern noch starke Abrollgeräusche verderben den guten Komfort. Die elektrische Servolenkung agiert ausreichend präzise; die großen Außenspiegel sowie der neun Meter kleine Wendekreis machen das Stadtleben in diesem übersichtlichen Auto leicht. Und der quirlige Dreizylinder fällt  durch Unauffälligkeit auf. So weit, so gut. Auffällig sind eher die starken Windgeräusche. Wirklich störend machen sich die straffen, konturlosen Sitze ohne Seitenhalt bemerkbar. Auf ihrer zu kurzen Fläche reist man nicht im Sitz, sondern hockt irgendwie oben darauf. Und nach zweieinhalb Stunden meldet sich der Rücken. Mit diesen Sitzen ist der Micra kein Langstreckenauto. Die MotorenEs gibt nur noch zwei Benziner (80 und 98 PS). Der Diesel wurde beim Neuen gestrichen Der brandneue Dreizylinder mit variabler Ventilsteuerung dreht flüssig hoch. Lästige Vibrationen unterbindet ein schwingungstilgendes Ausgleichsgewicht an der Kurbelwelle konsequent. Das Dreizylinderschnarren verhindert es jedoch nicht. Der Schalthebel ist labberig geführt. Nissan verspricht glatte fünf Liter. Wir kamen bei einer geruhsamen Testfahrt auf reale 5,8 Liter pro 100 Kilometer. Gut, denn der Tank fasst nur 41 Liter. Das stufenlose Automatikgetriebe (972 Euro Aufpreis) ist nur etwas für stoische Gemüter, denn beim Gasgeben heult es erst auf wie ein getretener Hund, bevor das Auto wirklich schneller wird. Mehrverbrauch 0,4 Liter. Die NeuheitenFür das Stadtauto bietet Nissan eine neuartige Parkhilfe an (Serie beim Topmodell Tekna, sonst 405 Euro Aufpreis). Seitliche Sensoren messen beim langsamen Vorbeifahren, ob eine Parklücke groß genug ist und signalisieren dies auf einem Display. Die hinteren Sensoren werden beim Einlegen des Rückwärtsganges automatisch aktiviert und reagieren sogar auf Poller und Pylonen. Im Frühjahr 2011 folgt das Highlight: der neue Dreizylinder mit Direkteinspritzung und Kompressoraufladung. Er leistet stramme 98 PS und soll nur noch vier Liter Super auf 100 Kilometer verbrauchen. Preis? Noch geheim.  Die PreiseDer Basispreis für das Modell Visia (ohne Klima und Radio) beträgt 8699 Euro. Damit liegt der Neue (mit ESP und fünf Türen) um 389 Euro unter dem Alten mit drei Türen. Wer aber Klima und CD-Radio für 1215 Euro ordert, ist schon bei 9914 Euro. Die mittlere Version Acenta kostet 11146 Euro, inklusive Klimaautomatik  und Tempomat. Das Topmodell Tekna (unter anderem mit serienmäßigem Navi und riesigem Glasdach) liegt bei 12506 Euro. Zum Vergleich: Der größere Note aus dem gleichen Hause mit 88-PS-Benziner startet schon bei 11267 Euro. Das FazitDie massenkompatible Optik  dürfte wohl kaum noch so ein starker Kaufanreiz sein wie beim Vorgänger. Als reines Stadtauto macht der neue Micra seine Sache ordentlich; über Land eher weniger. Übrigens: Wem der Neue partout nicht gefällt, der kann noch den Alten kaufen. Die kulleräugige Knutschkugel gibt es als Auslaufmodell schon ab 7022 Euro, inklusive Klimaanlage.

Datum

13. September 2010
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