Firmenauto: INTERVIEW/Siemens-Personalchef: Dulden keinen 'falsch verstandenen Korpsgeist'

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Elektrokonzern Siemens <SIE.ETR> sieht den Rückzug von Medizintechnik-Vorstand Erich Reinhardt als Beleg für ein neues Verantwortungsbewusstsein im Unternehmen. "So bitter das für ihn persönlich ist, für das Geschäft ist es ein weiterer Beweis dafür, wie wir - und damit auch Erich Reinhardt - Verantwortlichkeit im Konzern buchstabieren", sagte der Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm der Deutschen Presse-Agentur dpa am Donnerstag in München. "Es gibt kein Verstecken hinter Gremien, da ist jeder persönlich verantwortlich." Vor dem Schritt Reinhardts habe er "allerhöchsten Respekt", sagte Russwurm, der selbst früher im Bereichsvorstand der Medizintechnik in Erlangen tätig war.

Im Zuge der Schmiergeldaffäre hatte Siemens am Vortag bekanntgegeben, dass Reinhardt zum 30. April freiwillig seinen Posten räumt. Der Manager zog damit die Konsequenzen aus neuen Informationen bei der Aufarbeitung des Korruptionsskandals. Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme erklärte, es gebe "keinerlei Zweifel an der persönlichen Integrität" von Reinhardt. Es habe aber im ehemaligen Medizintechnik-Bereich "Fehlverhalten gegeben, das nicht akzeptabel ist".

Russwurm räumte ein, dass die immer neuen Hiobsbotschaften in der Schmiergeld-Affäre in den vergangenen Monaten für deutliche Verunsicherung und teils auch Frustration bei den Beschäftigten gesorgt hätten. Auch die Aufforderung, sich bei Verdacht auf Fehlverhalten an Stellen wie den Ombudsmann zu wenden, sei anfangs auf Skepsis gestoßen: "Es gab natürlich am Anfang kritische Stimmen im Sinne von: Ruft Ihr hier zur Denunziation auf", sagte er.

"Unterdessen werden die Hilfestellungen zu Compliance-Fragen (Befolgung von Gesetzen und Regeln) bei Siemens gut angenommen", sagte Russwurm. Man habe das "Vorurteil" der Denunziation rasch entkräften können und den Beschäftigten vermittelt: "Da gibt es keine Grauzone, und es darf auch keinen falsch verstandenen Korpsgeist geben", sagte Russwurm.

Nun gelte es, bei der Aufklärung voranzukommen und den Mitarbeitern zu vermitteln, dass Siemens nur sauberes Geschäft machen wolle. "Wir müssen da durch, wir müssen da reinen Tisch machen." Hier handele Siemens klar im Eigeninteresse, betonte Russwurm, und ergänzte mit Blick auf die US-Börsenaufsicht SEC: "Es wird ja gelegentlich unterstellt, wir tun das nur, weil wir fremdgesteuert sind."

Siemens wolle aber "genau verstehen, was da schief gelaufen ist". Dabei gebe es schon deutliche Fortschritte: "Wir sind gut unterwegs mit all den Maßnahmen, die sicherstellen, dass uns das in Zukunft nicht mehr passieren kann." Auch in einer Produktion gebe es klare Vorgaben über das, was erlaubt sei, und was nicht, sagte Russwurm. "Wenn Sie in einem Werk jemanden erwischen, der klaut, dann ist der raus. Und wir müssen die genau gleiche Befindlichkeit auch im Thema Geschäft an den Tag legen."

Datum

24. April 2008
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