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Firmenauto: Pro und Contra von Stromautos

Elektro- und Hybridfahrzeuge gelten gemeinhin als ökologisch und nachhaltig. In den USA werden sie schon lange «Green Cars» genannt. Autos, die allein mit Energie aus Batterien fahren, gelten als Öko-Speerspitze. Denn reine Elektroautos stoßen direkt keine Schadstoffe aus. Doch Kritiker hinterfragen die Nachhaltigkeit der Elektromobilität: Zwar wird mit Slogans wie «Zero Emission» geworben. «Ganz sauber ist die Aussage nicht», sagt Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbrauchzentralen (vzbv). Ein Elektroauto hat zwar keinen Auspuff mehr, doch ganz schadstofffrei ist die Mobilität mit Batteriekraft in aller Regel noch nicht. Denn auch Strom muss erst erzeugt werden - und das geschieht heute erst selten ganz ohne CO2-Emissionen.Gregor Matthies, Experte für Elektromobilität bei der Beratungsfirma Bain & Company, nennt Zahlen: Bei dem derzeitigen Energiemix in Deutschland bedeute die Erzeugung einer Kilowattstunde Strom (kWh) einen Ausstoß von durchschnittlich 575 Gramm CO2. Ein Rechenbeispiel: Ein E-Smart verbraucht nach Herstellerangaben 12 kWh auf 100 Kilometern. Damit kommt der elektrifizierte Kleinstwagen auf einen CO2-Ausstoß von rund 70 g/km. Ohne Atomstrom läge der Wert einer ADAC-Berechnung zufolge bei 107 Gramm. Zum Vergleich: Ein Diesel-Smart stößt demnach bei einem Verbrauch von 3,3 Litern 86 Gramm CO2 aus.Der ADAC zieht aus solchen Zahlenspielen folgenden Schluss: «Beim aktuellen Strommix - überwiegend aus Kohle - ist die CO2-Bilanz eines Elektroautos kaum besser als die eines Verbrennungsmotors.» CO2-frei fahren können E-Autos nur, wenn ihre Akkus ausschließlich mit Strom aus regenerativ erzeugten Strom aus Wasser, Sonne oder Wind geladen werden.Solche Betrachtungsweisen haben allerdings einen Haken: Richtig ist, dass Elektroautos nur dann emissionsfrei unterwegs sind, wenn man deren Strom ausschließlich regenerativ gewinnt. Doch den CO2-Ausstoß bei der Stromproduktion mit den Emissionen von Verbrennungsfahrzeugen gleichzusetzen, führt in die Irre. Denn dann müsste auch beleuchtet werden, wieviel CO2 bei der Herstellung von herkömmlichen Kraftstoffen anfällt. Auch Hybridfahrzeuge, die von einem kombinierten Verbrennungs- und Elektromotor angetrieben werden, sind im Test nicht unanfechtbar. In einem Vergleich der Zeitschrift «Auto, Motor und Sport» schlug der verbrauchsoptimierte Golf TDI Blue Motion den Toyota Auris HSD mit Hybridantrieb im Verbrauch.Hybride seien vor allem im Stadtverkehr die effizienteren Fahrzeuge, sagt Experte Matthies. Ihren Vorteil spielten die Fahrzeuge insbesonders bei der Rückgewinnung von Bremsenergie (Rekuperation) aus. Hinzu kommt, dass Vollhybride bis zu einem bestimmten Tempo rein elektrisch fahren können. Im «Auto, Motor und Sport»-Test vebrauchte aber der Hybrid-Auris selbst in der Stadt mehr als der optimierte TDI-Golf.Sind «Green Cars» also gar nicht grüner als herkömmliche Fahrzeuge? «Es kommt drauf an», bilanziert Claus Doll. Der Experte befasst sich beim Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung mit Elektromobilität. Eine nicht unbedeutende Rolle in der Öko-Bilanz komme zum Beispiel der Batterie zu. «Wenn die weniger als sieben Jahre hält, dann sind sie mit einem Benziner besser dran.»Der Grund: Bei der Herstellung von Batterien entstehen viele Schadstoffe, darunter Schwefeldioxid und Stickstoffverbindungen. Viele der für die Produktion der Energiespeicher benötigten Lithium-Vorkommen fänden sich in «unberührten Ökosystemen wie den Salzseen in Südamerika», schreibt das Fraunhofer-Institut auf seiner Homepage. Die meisten Batterien sind laut Doll aber mittlerweile auf eine längere Lebensdauer ausgelegt. Allerdings funktionert das Recycling von Lithium, das für die gängigen Lithium-Ionen-Akkus benötigt wird, längst noch nicht optimal.Forscher Doll glaubt aber an den Stromantrieb: «Das Potenzial der Elektroautos zur CO2-Reduzierung ist höher als das bei Benzinautos.» Zwar sie das Ende der Fahnenstange bei der Effizienzsteigerung von Pkws mit Verbrennungsmotor noch nicht erreicht. Doch E-Fahrzeuge hätten mehr «Öko-Spielraum», «weil bei ihnen der Anteil erneuerbarer Energien erhöht werden kann», erklärt Doll.Die Berater von Bain & Company halten in ihrer Studie «Zum E-Auto gibt es keine Alternative» fest: «Mit konventionellen Maßnahmen wie Downsizing oder Turboaufladung der Verbrennungsmotoren» seien die Vorgaben der Politik nicht zu schaffen.» Bis spätestens 2020 dürften Neuwagen im Schnitt voraussichtlich nicht mehr als 95 Gramm CO2/km ausstoßen. Gregor Matties glaubt, dass dieses Ziel nur «mit einem hohen Prozentsatz an elektrifizierten Fahrzeugen zu erreichen» ist. Ein Ersatz für herkömmliche Antriebe ist auch aus einem anderen Grund wichtig: Irgendwann gehen die fossilen Brennstoffe aus.

Foto

Foto: Torsten Zimmermann/WWW.TOZIGRAFIE.DE

Datum

10. Dezember 2010
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