Firmenauto: Test: Der Infiniti EX 30d

Neue Automobilmarken finden nur noch selten den Weg auf den hart umkämpften und im Prinzip gesättigten deutschen Markt. Infiniti wagt den Schritt seit diesem Jahr, ist allerdings zunächst mit nur wenigen, aktuell vier Händlern und einer schmalen Modellpalette von vier Baureihen am Start. Die Preise sind, trotz guter Ausstattung, selbstbewusst kalkuliert und liegen nur etwa zehn Prozent unter denen deutscher Edelmarken. Das von uns getestete Kompakt-SUV EX steht mit Dieselmotorisierung ab 48.250 Euro in der Preisliste. EX und Diesel - das ist kein Traumpaar und das wiederum ist kein Wunder. Denn dem Allradler, der im Infiniti-Hauptmarkt USA nur mit einem auch bei uns erhältlichen 3,7-Liter-Benziner angeboten wird, wurde der Diesel nachträglich aufgepfropft. Damit er auch in Westeuropa eine Chance hat. Leider merkt man das der Kombination jederzeit an. Dieser aus dem Renault-Nissan-Baukasten stammende Selbstzünder gehört zwar mit sechs Zylindern und 175 kW/238 PS zu den kräftigeren Aggregaten, leider ist er in der Praxis jedoch laut und stets etwas brummig, ohne jedoch gänzlich unangenehm zu werden. Der Verbrauch des 3,0-Liter-Motors lag in der Praxis stets um die zehn Liter, für ein knapp zwei Tonnen schweres Auto sicherlich nicht zu viel, aber auch alles andere als eine echte Sparleistung. Ist man mit dem EX erst einmal unterwegs, zeigt sich der Diesel als kräftig und harmoniert sogar gut mit der serienmäßigen Siebengang-Automatik. Darf man der Antriebskombination des Infiniti EX 30d noch guten Gewissens eine 3+ verleihen, sind andere Dinge weniger verzeihlich. Gut, das sehr beenge Platzangebot im Fond mag noch dem coupéhaften Design geschuldet sein - und eine Familie ist ja nicht gezwungen, einen EX zu kaufen. Ärgerlicher im Alltag sind zahlreiche kleinere und größere Schwächen, wie das unbefriedigend abgestimmte Fahrwerk, das zu hart abrollt, ohne dabei für besondere Agilität zu sorgen. Aber auch der völlig unangemessene, wenn bei Fahrzeugen amerikanischer Herkunft auch nicht seltene, viel zu groß geratene Wendekreis stimmt ratlos. Und das Navigationssystem gehört sicher zu den schwächsten aller 2010 von uns getesteten Fahrzeuge. Schon die eigentümlichen Wortbildungen wie „Warteschlange in zwei Kilometern“ für einen Stau zeigen, dass man sich bei Infiniti mit der Übersetzung keine große Mühe gegeben hat. Wesentlich schlimmer ist jedoch die Tatsache, dass das Gerät gar nicht oder viel zu spät auf TMC-Staumeldungen reagierte und uns häufig eine falsche Entscheidung aufdrängen wollte. Unverständlich auch, warum ein im Endeffekt gar nicht vorhandener Stau von gerade mal einem Kilometer einen angeblichen Zeitverlust von exakt 59 Minuten bringen sollte. Dafür lässt sich das iPhone binnen einer Minute ankoppeln, was längst nicht in jedem deutschen Modell gelingt. Es sind viele Kleinigkeiten, die den EX weitab von der Perfektion deutscher Edel-SUV landen lassen. Dabei verfügt das Fahrzeug eigentlich über gute Anlagen. Die Verarbeitung ist makellos, die Sitze laden geradezu zu Weltreisen ein und der Allradantrieb funktionierte auf den verschneiten Straßen dieses deutschen Winters schnell und sicher. Letztlich aber ist die Mängelliste zu lang, als dass man diesen Infiniti als Premium-Produkt durchgehen lassen könnte. Schade eigentlich, denn die Nissan-Tochter hat mit der zur oberen Mittelklasse zählenden, in Deutschland seit einigen Wochen erhältlichen Limousine M gezeigt, dass es auch wesentlich besser geht. Infiniti EX 30d - Technische Daten:Fünftüriger, fünfsitziger SUV der Kompaktklasse, Allradantrieb, Länge: 4,65 Meter,  Breite: 1,80 Meter, Höhe: 1,60 Meter, Radstand: 2,80 Meter, Leergewicht: 1.985 kg, Gepäckraum: 340 - 1.175 Liter Motor: 3,0-Liter-V6-Dieselmotor, 175 kW/238 PS, 550 Nm bei 1.750 U/min, 0-100 km/h: 7,9 s, Vmax: 221 km/h, Verbrauch: 8,5 Liter Diesel je 100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 224 g/km, Testverbrauch. 9,7 Liter je 100 Kilometer, Preis: ab 48.250 Euro

Datum

3. Januar 2011
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