Alles über Schadenmanagement/Unfallabwicklung
Kleben ist günstiger Zoom

Schadenmanagement: Windschutzscheibe reparieren statt austauschen

Schon beim kleinsten Kratzer die Scheibe wechseln. Das ist meist unnötig und zu teuer. Reparieren geht auch. FIRMENAUTO zeigt Strategien, wie sich die Kosten reduzieren lassen. .

Autoglaser machen bereits seit einigen Jahren gute Geschäfte. Mit viel Aufwand motivieren sie Autobesitzer besser heute als morgen zur Reparatur zu gehen. Andernfalls muss die Scheibe für viel Geld ausgetauscht werden. Das hat scheinbar zu einer regelrechten Steinschlag-Hysterie geführt.

"Wir merken, dass Werbung für die Reparatur von Glasschäden tatsächlich die Zahl der Reparaturen zeitweise ansteigen lässt", sagt Alois Schnitzer, HUK-Coburg. Dabei zerreißen Frontscheiben, die einen minimalen Steinschlag aufweisen, heute in der Regel nicht abrupt und werden auch nicht plötzlich blind. Denn im Unterschied zu früher bestehen die Frontscheiben moderner Autos – anders als Seiten- oder Heckscheiben – nicht mehr aus Einscheiben-Sicherheitsglas, sondern aus Verbundglas. "Ein Steinschlagschaden befindet sich in den meisten Fällen lediglich auf der äußeren Scheibe und dringt nicht durch die Folie oder gar durch die zweite Scheibe", erläutert Andreas Ahrenbeck, HDI-Versicherung. Deshalb muss man bei ganz kleinen Steinschlägen die Scheibe weder austauschen noch sie mit Harz "kleben".

Viele Reparaturen sind unnötig

Doch die Praxis sieht anders aus. "Es werden immer wieder Scheiben repariert, bei denen das aufgrund der sehr oberflächlichen Beschädigung nicht erforderlich gewesen wäre", kritisiert Brigitte Römstedt, R+V Versicherung. Oft würden diese Arbeiten dann auch noch qualitativ schlecht ausgeführt. Experten warnen zudem hinter vorgehaltener Hand davor, dass Leasingfirmen bei rückgeführten Fahrzeugen Scheiben mehr oder weniger grundlos austauschen. Natürlich ist die Gewinnspanne beim Austausch für die Werkstatt lohnender. Längst haben sich so Glasschäden laut dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zum häufigsten Schaden in der Kaskoversicherung gemausert.

Insgesamt ist der Anteil von Glasbruch angestiegen. Er lag laut einer Statistik der Hannoveraner E+S Rück früher lediglich bei 17 Prozent am gesamten Kaskoaufwand. Nun sind es schon zwei Prozent mehr. Auch der Durchschnittsschaden stieg deutlich auf 446 Euro an.

Der größte Glasreparateur in Deutschland, die Kölner Carglass, sieht hingegen nicht die Werbung für Reparaturen als Ursache für den Boom bei Glasschäden. Das Unternehmen betont, dass die Glasflächen sich in den letzten 20 Jahren um mehr als 20 Prozent vergrößert hätten, die Scheiben in letzten zehn Jahren um zehn Prozent dünner geworden wären und neue Fahrzeuge mehr Glas auf dem Dach haben. Letzteres trifft vor allem auf Dienstwagen-Flotten zu. Gut möglich, das nach einem leichten Absinken der Schäden durch den letzen harten Winter ihre Zahl wieder deutlich steigt. Denn aus Umweltgründen kommt im Winter statt Streusalz häufiger für die Scheiben gefährlicher Splitt zum Einsatz. "Teurer wird es zudem, weil im Bereich der Scheiben, vor allem in der Frontschei-be, immer mehr Technik verbaut wird, wie beispielsweise Regensensoren",
sagt Thomas Winkler, Flottenchef der ­Gothaer.

Glasschaden ganz aus dem Versicherungsschutz nehmen

Glasschäden bei Flotten sind Frequenzschäden. Sie sind in ihrer Zahl weitgehend vorhersehbar. Somit sollte der effizienteste Instandsetzungsweg im Einzelfall gesucht werden. "Den Glasschaden ganz aus der Versicherung nehmen", könnte nach Meinung Winkler für viele Unternehmen der richtige Weg sein, um Kosten zu senken. So rät er Flottenbetreibern, die zentrale Standorte haben, das Reparaturhandling wieder selbst in die Hand zu nehmen oder mit einer lokalen Werkstatt zu kooperieren, die man aber kontrollieren müsse. Folge: Die Kaskoversicherung kann deutlich günstiger werden.

Das ist angesichts eines Versicherungsmarktes der im dritten Jahr nacheinander Prämiensteigerungen durchsetzen möchte, kein schlechter Rat. "Wir vereinbaren mit großen Autoglasern Qualitätsstandards und empfehlen unseren Kunden, mit ihren Fahrzeugen dorthin zu gehen", erläutert Expertin Römstedt.

Das hätte den Vorteil, dass nur Arbeiten durchgeführt und berechnet werden, die wirklich notwendig sind. Fast immer verzichten die Kfz-Versicherer heute auf den Abzug einer vereinbarten Selbst­beteiligung, wenn Partner die Scheiben reparieren, statt sie auszutauschen. Doch bei der Wahl der Partner sind die Versicherer längst sensibler geworden.

So sagte HUK-Coburg Sprecher Schnitzer. "Eine solche SB-Regelung gilt auch für Spezialisten wie beispielsweise Carglass. Um aber den Wettbewerb zu fördern, haben wir insbesondere unsere Partnerwerkstätten beim Aufbau von Know-how unterstützt."

Glasschäden, so das eindeutige Fazit, sollte kein Flottenmanager auf die leichte Schulter nehmen und den derzeitigen Status quo einschließlich der Reparaturpartner unbedingt umfangreich auf den Prüfstand stellen.

Hat ein anderes Fahrzeug den Steinschlag verursacht, kommt es darauf an, woher der Stein kam. Wurde er lediglich von der Straße aufgewirbelt, gilt das als unabwendbares Ereignis. Kommt der Stein aber von der Ladefläche eines Lkw, muss der Verursacher für den Schaden einstehen. "Das gilt auch, wenn eine Maschine – in einem Fall war es eine städtische Mähmaschine – einen Stein auf die Fahrbahn schleudert und ein Auto trifft", erläutert Arno Schubach aus Koblenz, Fachanwalt für Versicherungsrecht vom Deutschen Anwaltverein (DAV). Wichtig sei es, sofort Beweise zu sichern, indem man das Tatfahrzeug fotografiert und sich Daten von Augen­zeugen notiert.

Autor

Foto

Norman Konrad

Datum

1. Januar 2014
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