Fuhrpark grüne Telematik, Audi A6 5 Bilder Zoom

Grüne Telematik: Mehr als nur Navigation

Immer mehr Unternehmen schalten auf Grün: Mit entsprechenden Systemen, die Informationen über das Fahrverhalten liefern und gleichzeitig die besten Routen berechnen, lassen sich Spritkosten und CO2- Emissionen um mindestens zehn Prozent senken.

Autokolonnen schieben sich im Schritttempo über den Asphalt. Vorbei an Baustellen, Pannenfahrzeugen oder Unfällen. Allein im vergangenen Jahr wurden rund 185.000 Staus gemeldet, die sich auf eine Länge von knapp 400.000 Kilometern summierten. "Für viele Menschen ist der Stau unvermeidlich geworden", sagt Harold Goddijn, Chef des Navi-Herstellers Tom Tom. Ein Stau hindere die Menschen daran, pünktlich zum Termin zu erscheinen, sie verpassten den Flieger oder das Essen mit der Familie.

Staus verursachen zusätzliche Kosten von zwölf Milliarden Euro

Laut ADAC steht jeder Autofahrer im Schnitt 65 Stunden pro Jahr im Stau, wobei 14 Milliarden Liter Kraftstoff in die Luft geblasen werden. Die Kosten addieren sich zu einem volkswirtschaftlichen Schaden von zwölf Milliarden Euro. Doch Jammern hilft nicht. "Wir wissen, dass sich Staus nicht gänzlich vermeiden lassen, aber wir können einen Beitrag dazu leisten, sie zu verringern", sagt Goddijn. Ein Lösungsansatz: grüne Telematik. Mit ihr lassen sich Spritverbrauch und Umweltbelastung reduzieren.

Immerhin gibt es Untersuchungen, etwa von der Unternehmensberatung Frost & Sullivan, die davon ausgehen, dass grüne Telematik die Treibstoffkosten um zehn Prozent senken kann. Entsprechend positiv sind die Prognosen. Die Experten erwarten, dass bis 2015 die Zahl der Systeme um jährlich 36 Prozent zunimmt. Hauptgrund sei der wachsende Druck auf die Unternehmen, sich ein grüneres Image zuzulegen und Kosten zu sparen. "Die angestrebten Ziele lassen sich mit Telematiklösungen am kostengünstigsten erreichen", erläutert Karthik Elamvaluthi, Marktforscher bei Frost & Sullivan.

Doch vor der Ersparnis steht die Investition. Da gibt es Systeme, die dem Fuhrparkleiter Informationen über das Fahrverhalten seiner Mitarbeiter liefern und gleichzeitig Tipps für ökonomisches Fahren geben. Am bekanntesten ist das Programm Eco Drive von Fiat, aber auch Ford, Nissan und Kia bieten ähnliche Dienste an. In Kombination mit der grünen Navigation, also der umweltschonenden Routenführung, die unter anderem Garmin und Tom Tom anbieten, lässt sich der Spritverbrauch deutlich senken.

Telematiksystem bieten Navigation und Emissionsmessung

Grüne Telematik-Pakete wie beispielsweise Fahrzeug- und Fahrermanagementdienste liefern umfassende Daten für eine Analyse von Fahrverhalten und Kraftstoffverbrauch und ermöglichen so eine Optimierung dieser Parameter. "Damit können Flottenbetreiber nicht nur ihre Kosten senken, sondern auch ihre Umwelt-Reputation verbessern", sagt Elamvaluthi. So hat etwa Softwareanbieter PTV eine Lösung entwickelt, die detailliert Emissionen für jede Strecke ausweist. "Erstmals werden dabei jetzt auch die Auswirkungen von Steigungen und Gefällen bei der Berechnung beachtet", erläutert PTV-Vorstand Vincent Kobesen.

Ziel ist es, dass Schadstoffe verlässlich und vergleichbar berechnet werden können. Nicht alle Unternehmen benötigen dieselben Telematik-Bausteine. Die Experten unterscheiden zwischen Einsteiger, Basis-Anwender und Profi. Je nach Bedarf bildet das System den Fahrzeugstandort und die gefahrenen Routen ab. Auch Lenk- und Ruhezeiten plus Navigation können einige Systeme leisten. Wer seine Dienstwagenfahrer lediglich beim Spritsparen unterstützen möchte, dem genügt zum Beispiel das kostenlose Software-Update Eco-Navigation von Garmin. Mit dem können Besitzer der Nüvis aus der 2er- und 7er-Serie ihr System nachträglich erweitern. Dann liefert das Navi nicht nur die schnellsten und kürzesten Routen, sondern der Fahrer bekommt auch detaillierte Berichte über Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß. Zusätzlich wird der Fahrer mit Tipps versorgt, wie er seinen Fahrstil optimieren kann.

Den Stau zu umfahren lohnt sich nicht

Tom Tom geht einen Schritt weiter. Das Unternehmen arbeitet an der Weiterentwicklung der Verkehrsinformationsdienste. Autofahrer, die mit HD Traffic fahren, sind konstant mit dem Internet verbunden und erfahren als Erste, wenn es eine schnellere Route gibt. Für einzelne Tom-Tom-Kunden kann das Unternehmen nach eigenen Angaben die Reisezeit um bis zu 15 Prozent reduzieren. Leider gibt es auch eine Kehrseite der Medaille: Während die Zahl der Navis auf rund 20 Millionen gestiegen ist, wuchsen auch die Staus in Städten und Gemeinden in Autobahnnähe.

Wie eine Befragung des ADAC von 1.000 autobahnnahen Kommunen ergab, melden zwei Drittel der Gemeinden mehr Staus. "Wer im Stau steht, sollte auch dort bleiben, das Umfahren lohnt sich nicht", erklärt der Stauforscher Prof. Dr. Michael Schreckenberg, von der Universität Duisburg. Wer rausfährt, bilde sich nur ein, schneller vorwärtszukommen. Fahren nur zehn Prozent der Autofahrer von der Autobahn ab, sei jede Alternativroute schnell überlastet, trotzdem macht es knapp die Hälfte.

Schreckenberg warnt: "Das Vertrauen ins Navigationssystem sollte sich in Grenzen halten." Die Datenlage der Geräte zu den Umgehungsrouten sei keinesfalls perfekt. So ändert auch die geballte Technik nichts daran, dass viele Autofahrer eine Staumeldung meist erst dann erreicht, wenn längst auf den drei Spuren vor ihnen alle Bremslichter aufleuchten und die Autobahnausfahrt vorbei ist. Dann stehen wir wieder in einem der 185.000 Staus.

Foto

Götz Mannchen

Datum

5. April 2011
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