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„Das Einheitsauto wird es nicht geben“

Von: Alex Mannschatz

08.02.2010
„Das Einheitsauto wird es nicht geben“

Bild: Universität Duisburg Essen

Lange galt das Elektroauto als visionäres Experiment. Jetzt aber ist seine Technik in diskussionswürdiger Reichweite. Der Automobilexperte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer erklärt im Interview mit Firmenauto Online, was sich ändern wird – für Käufer, Händler und Industrie.

Firmenauto.de: Das Beispiel Erdgas zeigt, dass ein alternativer Antrieb nur dann nachgefragt wird, wenn ein Tankstellenangebot steht. Stellen wir also die Frage nach dem Huhn und dem Ei: Was muss zuerst da sein, das Elektroauto oder eine geeignete Infrastruktur mit Ladestationen?

Dudenhöffer: Beim Erdgas haben wir eine Besonderheit. Die Tankstellen sind da, aber die Kunden fehlen immer noch. Das Beispiel Erdgas zeigt, daß die Käufer einen „komfortablen“ Weg in die Zukunft suchen – ohne Kompromisse und Unsicherheit. Deshalb wird das Elektroauto nicht über Nacht kommen, sondern sich Stück für Stück aus dem Hybriden und Plug-In Hybriden entwickeln.


Firmenauto.de: Auf was müssen wir uns einstellen? Ersetzt eine „Stromabgabe“ dann die Mineralölsteuer? Der Staat wird auf die Einnahmen schließlich kaum verzichten.

Dudenhöffer: In der Übergangszeit – wenn noch nicht so viel Strom getankt wird- wird man wohl ein Auge zudrücken. Aber längerfristig wird entweder „Autostrom“ analog zu Benzin und Diesel besteuert oder wir machen die Holland-Lösung, eine Pkw-Maut. Nach meiner Einschätzung wäre das die bessere Lösung.


Firmenauto.de: Autofahren ist für manche etwas Emotionales, weil die Sinne Sehen, Hören und Riechen gereizt werden. Die Verkaufsstrategien zielen häufig darauf ab. Geht das im emissionsfreien und leisen Elektroauto nicht verloren? Wird die Vermarktung eines Automobils künftig mit anderen Botschaften erfolgen?

Dudenhöffer:  Heute haben sich die Botschaften schon wesentlich geändert. Die „Brumm-Brumm-Fraktion“ ist am Aussterben. Die Autobauer setzen heute schon auf Verantwortungsvolle Antriebskommunikation. Und wer sagt denn, dass leise nicht auch sexy sein kann. Der Rolls-Royce besticht durch seine Ruhe und nicht durch Krawall.


Firmenauto.de: Heute gibt es unter anderem die Klasse der Kleinwagen, die Mittelklasse, die Obere Mittelklasse, die Oberklasse, das Segment der SUV, der Vans. Wird diese Einteilung in Zukunft noch möglich sein oder „droht“ das Einheitselektroauto?

Dudenhöffer: Morgen wird es noch mehr Varianten geben. Das Einheitsauto wird es Gott sei Dank nie geben. Ebenso wenig wie den Einheitswein oder eine Einheitshauseinrichtung. Mit dem Elektroauto haben wir neue Design-Möglichkeiten und Herausforderungen. Das wird spannend.


Firmenauto.de: Die Stromkonzerne werden wohl zu mächtigen Einflussgrößen im Automobilgeschäft. Gibt es das Elektroauto dann nur im Paket mit einem Stromliefervertrag, ähnlich wie ein Handy heute nur Sinn macht mit einem entsprechenden Mobilfunkvertrag?

Dudenhöffer: Es kann gut sein, daß einige das komplette Mobilitätspaket bieten. Im Prinzip können Sie ja heute auch ein Full-Service Leasing mit geschlossener Tankabrechnung kaufen. Aber das wird nicht der Mainstream. Strom und Auto werden zwar zusammengehören, aber es wird nicht die Paket-Zwangskombination für alle geben. Auch die Bahn kauft ihre ICE-Züge nicht mit Stromvertrag.


Firmenauto.de: Wer wird in Sachen Technologie die Nase vorn haben? Die Europäer, die Asiaten?

Dudenhöffer: Das zeigt sich in den nächsten 5 Jahren. Jedenfalls sind die Japaner, Chinesen zum Teil schneller unterwegs als die Deutschen. Also besteht das Risiko, daß einige bei uns zu langsam sind. Wer stark im Diesel ist, der verdrängt den Strom und schwärmt von der Dieselzukunft. Das beste Beispiel ist Bosch.


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