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Interview Dataforce: "Der Flottenmarkt ist eine Erfolgsstory"

Marc Odinius, Geschäftsführer vom Marktforschungsinstitut Dataforce, über Hintergründe des boomenden Flottenmarkts, alternative Antriebe und neue Trends.

Warum sind die Dienstleistungen von Dataforce so gefragt?

Marc Odinius: Am besten könnten sicherlich unsere Kunden diese Frage beantworten. Aber ich denke, als Informationsdienstleister der ersten Stunde haben wir bereits versucht, Transparenz in dieses Marktsegment zu bringen, bevor dessen Bedeutung allen bewusst war. Ein wenig nehmen wir für uns in Anspruch, dazu beigetragen zu haben, die Wichtigkeit des Flottenmarktes hervorzuheben. Am wichtigsten sind dabei meine Mitarbeiter, die sich mit großer Begeisterung für und mit dem Kunden in den Datensumpf begeben. Unser Ziel ist es, den Anbietern im Flottenmarkt zu helfen, auf Basis unserer Daten und Analysen bessere Entscheidungen zu treffen.

Das Wachstum der Flotten scheint ungebremst. Allein im Juni ein Plus von  über 17 Prozent. Geht das so weiter?

Der Juni-Wert war schon ungewöhnlich hoch, aber generell ist es ein verdammt gutes Flottenjahr und ein neuer Rekordwert bei den Neuzulassungen ist sicher. Und mit ein bisschen Glück werden wir erstmals an der 750.000-Marke kratzen. Der Flottenmarkt wird auch mittelfristig an Bedeutung gewinnen zulasten eines schwächeren Privatmarktes. Derzeit liegt der Anteil des relevanten Flottenmarkts in Deutschland bei rund 23 Prozent. Langfristig können 30 Prozent und mehr drin sein.

Starke Wirtschaft, starke Flotte. Ist das anhaltende Wachstum ein Phänomen in Deutschland?

Nein, das Flottengeschäft ist generell auf dem Vormarsch. In vielen Märkten wächst der Flottenmarkt  stärker als die private Nachfrage – die sogar oftmals rückläufig ist. Bekannte Beispiele für diese Entwicklung sind die Länder in Südeuropa. So haben sich beispielsweise in Italien oder Spanien die privaten Neuzulassungen gegenüber dem Jahr 2005 nahezu halbiert von einer Million auf 500.000. In Italien ist es ähnlich. Hier sanken die Neuzulassungen von 1,6 Millionen auf 850.000.

Gibt es den einen Mega-Trend im Flottenmarkt?

Ja, den gibt es. Obwohl es in den Unternehmen immer mehr um Nachhaltigkeit, und niedrige CO2-Werte geht, sind die SUV seit zehn Jahren auf Erfolgskurs und setzen sich insbesondere in kleineren und mittleren Flotten immer stärker durch. Mittlerweile entfallen mehr als 21 Prozent in den fünf größten europäischen Märkten auf dieses Segment. Aber der wichtigste Trend im Flottenmarkt ist der Flottenmarkt selbst. Dieser Markt wächst und wird auch in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen.

Woran liegt das?

Dieses Segment hat im letzten Jahrzehnt eine Modellexplosion erlebt und bietet dem Firmenwagenfahrer eine unglaubliche Vielfalt an Modellen. Das Fahrgefühl und das Image sind sicherlich weitere Faktoren, da es für mittlere und kleinere Unternehmen oft nicht nur um Funktion, sondern auch um Motivation geht, wenn Sie einem Mitarbeiter einen Dienstwagen zur Verfügung stellen. Allerdings geht diese Entwicklung zulasten der Mittel- und oberen Mittelklasse. Es gibt darüber hinaus den Trend Mikro-Downsizing. Also eine Verschiebung von Kompaktklasse zum Kleinwagen und eine weitere Verschiebung vom Kleinwagen zum Mini.

Was erwartet uns in der Zukunft? Wie werden sich Mobilitätsverhalten und demografischer Wandel auswirken?

Bis 2025 wird sich der demografische Wandel nur wenig bemerkbar machen. Im Gegenteil, der Anteil der fahrfähigen Bevölkerung steigt sogar noch leicht an.Doch bis 2040 sinkt die Einwohnerzahl in Deutschland um sechs Millionen. Gleichzeitig verzichten mehr junge Menschen auf ein Auto, insbesondere wenn sie in den großen Städten zu Hause sind. Der Arbeitsmarkt wird sich in einen Arbeitnehmermarkt wandeln, wo sich Mitarbeiter immer weniger an einen Arbeitgeber binden werden und mobiler und flexibler sein wollen.

Fuhrparkbetreiber werden von der Politik oft als Vorreiter für alternative Antriebe gesehen. Schlägt sich das auch in den Zulassungen nieder?

Ja, allerdings nicht so stark wie vermutet. Während der Anteil alternativer Antriebe, also Elektroautos, Hybridmodelle, Erdgas- und Autogasfahrzeuge, im Privatmarkt rund eineinhalb Prozent beträgt, liegt dieser in Flotten bei etwa zwei Prozent. Dabei sind es auch nicht mehr nur die Flotten von Stadtwerken und Energieversorgern, die alternative Antriebe einsetzen, sondern Elektrofahrzeuge sind  dem Öko-Trend entwachsen, spätestens seit BMW i3 und Tesla Model S ist allen klar, dass Elektro auch cool sein kann.

Könnte die Bundesregierung ihr Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 doch noch schaffen?

Wohl kaum, nun sind zwar mit Fahrzeugen wie oben beschrieben, die es mittlerweile auch in herkömmliche Flotten schaffen. Doch das Ziel ist ohne Subventionen nicht erreichbar. Ich denke auch, dass viele Punkte zu klären sind, bevor Elektrofahrzeuge eine echte Alternative für den Massenmarkt werden. Beispiele hierfür sind Ladeinfrastruktur, Standardisierung, hohe Anschaffungskosten und natürlich auch die Entsorgung.

Transparenz im Markt

Dataforce ist nach eigenen Angaben das führende Marktforschungs- und Beratungsinstitut auf dem deutschen und europäischen Flottenmarkt. Das Unternehmen wurde 1998 gegründet und hat seinen Sitz in Frankfurt/Main sowie Tochterfirmen in Peking und Rom. Dataforce steht für Transparenz. Dabei spielen Innovation und das Setzen von Marktstandards eine zentrale Rolle in der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Wichtige Informationsgrundlagen sind dabei das Fuhrparkleiter-Panel »Fleet Base« mit 100.000 Teilnehmern und die Kooperation mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Darüber hinaus greift Dataforce auf ein großes Netz an Partnern zurück, um in mehr als 30 Ländern weltweit die Flottenmärkte transparent zu machen

Autor

Foto

Jacek Bilski

Datum

11. August 2015
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